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Mehrere Schafe gerissen

Im Chiemgau soll ein Wolf zum Abschuss freigegeben werden

Die Zahl der Wolfssichtungen nimmt in der Region zu.
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Die Zahl der Wolfssichtungen nimmt in der Region zu.

Im Chiemgau soll ein Wolf zum Abschuss freigegeben werden. Das sind die Hintergründe.

+++ Update vom 19. November, 18.50 Uhr +++

Traunstein – Nachdem ein Wolf im Chiemgau vor wenigen Wochen mindestens fünf Schafe gerissen hat, soll er nach dem Willen der dortigen Behörden zum Abschuss freigegeben werden: Der Landkreis Traunstein hat bei der Regierung von Oberbayern eine Erlaubnis zum Abschuss von Wölfen beantragt. „Der letzte Wolfsvorfall hat sich bereits in Siedlungsstrukturen ereignet“, sagte Landrat Siegfried Walch (CSU) am Freitag laut Mitteilung.

„Immer näher an bewohnten Gebieten“

Das bedeute, der Wolf tauche „immer näher am bewohnten Gebiet auf“. Zudem sei vor allem im südlichen Teil des Landkreises das Gelände überhaupt nicht schützbar.

Auch interessant: Wolf hat Schafe in Bergen gerissen

Durch den Wolf sieht er die Almwirtschaft in seiner Region bedroht: „Die Almwirtschaft hat für das ökologische Gleichgewicht auch im Hinblick auf Artenvielfalt, Biodiversität und Insekten eine ganz besondere Rolle. Diesen Wert gilt es zu schützen und zu erhalten.“ Ein Nebeneinander von den Almwirtschaften auf der einen Seite und Tieren wie dem Wolf auf der anderen Seite sei „nicht machbar“.

Ende Oktober wurden in der Gemeinde Bergen den Angaben zufolge fünf Schafe tot aufgefunden, ein Tier gilt als vermisst. Inzwischen hätten Analysen des Landesamts für Umwelt (LfU) ergeben, dass die Schafe einem Wolf zum Opfer gefallen waren.

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Auch in anderen Regionen sorgen Wölfe seit einigen Wochen für Unruhe - so zeigen Bilder einer Überwachungskamera, wie bei Brannenburg im Landkreis Rosenheim ein Wolf über ein Gehöft gelaufen war. Nutztiere, die von Wölfen gerissen wurden, meldeten in den vergangenen Wochen auch die Landkreise Berchtesgadener Land und Rhön-Grabfeld in Unterfranken.

+++Originaltext vom 15. November ++++

Dienstagnacht vergangener Woche: Auf einem abgelegenen Weiler, etwas außerhalb von Brannenburg, ist es totenstill. Um diese Zeit verirrt sich normalerweise kein Mensch auf die Hofstelle, die im Sommer auch von Ausflüglern besucht wird. Die Besitzer haben auch eine Videokamera installiert. Und die filmt um 23.20 Uhr einen außergewöhnlichen Besucher: Von rechts taucht sekundenlang ein großer Vierbeiner auf, schleicht mit eingezogenem Schwanz über den geteerten Hofplatz, schaut sich kurz links und rechts um und verschwindet links aus dem Blickwinkel der Kamera in der Dunkelheit.

Landratsamt war nicht informiert

Weder das Landratsamt Rosenheim („wir kennen das Video nicht“) noch das für Wölfe zuständige Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) waren gestern zunächst über die außergewöhnlichen Aufnahmen informiert.

Unter den Landwirten der Umgebung hatte sich das Video indes schnell verbreitet. Auch die Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbands, Katharina Kern, hat es schon gesehen. Ihr Hof liegt bei Oberaudorf, nur einige Kilometer weiter südlich. „Wir sind alle in Habacht-Stellung“, sagt sie.

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Erst kürzlich, so erzählt man sich unter den Landwirten, hat ein Radfahrer in Oberaudorf nachts offenbar einen Wolf gesichtet – ein Foto von dieser Sichtung gibt es aber nicht. Jetzt aber die wenige Sekunden lange Videosequenz von Brannenburg. Katharina Kern ist mit der Thematik vertraut, sie ist die Wolfsspezialistin unter den einheimischen Bauern. „Von der Größe her könnte es auch ein Goldschakal sein, aber der Kopf passt nicht so recht“, berichtet sie.

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„Wahrscheinlich ist es eher ein Wolf.“ Dass das Tier über einen Hof schleicht, also menschliche Nähe nicht scheut, wundert die Bäuerin „überhaupt nicht“. Der Wolf ist ein Kulturfolger, gegenüber menschlicher Besiedlung also sehr anpassungsfähig. Vorsichtig sind die Bauern in der Gegend, zur Panik aber besteht kein Anlass. „Die meisten Viecher sind ja im Stall“, auch die Schafe würden meist zumindest nachts reingeholt. So ungewöhnlich sei ein Wolf nicht mehr. „Die Population steigt ja seit Jahren an.“

Ist es dasselbe wie in Bergen?

Das weiß auch der Almbauer Stefan Rappl aus Geißing bei Bergen (Kreis Traunstein), der Ende Oktober sechs tote Schafe auf seiner Weide fand. Hier hatte ein Wolf zugeschlagen, wie das LfU vergangene Woche bestätigte Analysen zur genetischen Herkunft laufen. Von Bergen nach Brannenburg sind es gute 40 Kilometer – das schafft ein Wolf an einem Tag. Doch niemand weiß, ob es sich um dasselbe Tier handelt.

Landesamt prüft Video

Am Nachmittag meldete sich das LfU bei unserer Redaktion: Die Familie der Hofstelle hatte das Landratsamt benachrichtigt und das Video weitergeleitet. Beim LfU analysiert nun die Fachstelle Große Beutegreifer den Film. So viel sei klar: Das Tier, das da mit eingezogenem Schwanz vorsichtig über den Hof streife, zeige „kein auffälliges, aggressives Verhalten“. Fachleute des Lupus-Instituts in Spreetal/Sachsen, einer Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf, sind gleichfalls mit der Sichtung des Videos beauftragt.

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