Vermutungen um Wolf an der Hochries: Zweiter Hinweis hat sich offenbar zerschlagen

Bei der ersten Sichtung an der Hochries am 15. Juni handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf. Das Foto, das zwei Tage später von einer Webcam auftauchte – könnte auch Hüttenkatze "Xaver" zeigen.
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Bei der ersten Sichtung an der Hochries am 15. Juni handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf. Das Foto, das zwei Tage später von einer Webcam auftauchte – könnte auch Hüttenkatze "Xaver" zeigen.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Im Hochries-Gebiet könnte ein einzelner Wolf unterwegs sein. Gesichtet wurde er auf einer Alm im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich. Es gibt ein Video, das den Jäger zeigt, der zuvor eine Kuhherde aufgescheucht hat. Ein weiterer Hinweis hat sich eher zerschlagen.

Video

Update 17. Juni, 14.12 Uhr

Wolf oder doch die Hüttenkatze Xaver?

Streift im Gebiet der Hochries ein Wolf umher? Die Aufregung nicht nur unter Bergfreunden und Almbauern ist groß, nachdem ein Tiroler Almbauer am Montag Morgen ein verdächtig an einen Wolf erinnerndes Tier mit der Handykamera gefilmt hatte.

Ein Leser aus Brannenburg machte uns in der Folge auf ein Foto aufmerksam, aufgenommen bereits am 6. April dieses Jahres um 7.20 Uhr morgens an der Hochrieshütte: Die Webcam der Hütte hatte da einen verdächtigen Gesellen eingefangen.

Aufnahme vom 6. April 2020 um 7.20 Uhr am Hochries-Gipfel: Auf einem Hang an der Hochrieshütte ist ein Tier zu sehen, bei dem es sich um einen Wolf handeln könnte.

Foto: www.foto-webcam.eu

"Die Hinweise verdichten sich, dass es sich beim tierischen Besucher an der Hochries tatsächlich um einen Wolf handelt, der sich auch schon seit mehreren Tagen dort aufzuhalten scheint", so hieß es bei uns am Mittwochmorgen. Bis sich Manuel Hohenegg meldete, Wirt der Hochrieshütte und als solcher Fachmann für die Hochries und ihre Bewohner.

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Er klärte uns auf: "Das ist Xaver." Xaver ist ein Vertreter der Gattung Felis Catus, gemeinhin also Stubentiger oder Hauskatze. Er ist drei Jahre alt und geht seiner Berufung als Hüttenkater nach, ohne einen Gedanken an das Reißen eines Schafes oder gar Rindes zu verschwenden.

Xaver, die Hüttenkatze der Hochrieshütte bei einem ausgiebigen Schläfchen.

"Ich bin absolut sicher, das ist er", sagte Hohenegg den OVB-Heimatzeitungen. "Ich erkenne ihn an der Haltung und an der etwas helleren Färbung des Gesichts. Da ist er grad über den Gleitschirmflieger-Startplatz gelaufen." Der Wirt wird seinen Hüttenkater kennen, etwas anderes ist nicht anzunehmen. Wir gehen also von einer Verwandlung aus, die gar nicht so selten sein soll: vom Wolf zur Katze zur Ente – zumindest was das Foto von der Webcam an der Hochrieshütte betrifft.

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Update 17. Juni, 8.45 Uhr

Webcamfoto zeigt mutmaßlichen Wolf schon Anfang April

Die Hinweise verdichten sich, dass es sich beim tierischen Besucher an der Hochries tatsächlich um einen Wolf handelt, der sich auch schon seit mehreren Tagen dort aufzuhalten scheint. Nachdem zuerst Jäger und Landwirte die starke Vermutung geäußert hatten, dass es sich um einen Wolf handelt, gibt es nun ein neues Foto einer Webcam, die das Tier zeigt.

Eine Webcam an der Hochrieshütte mit Blickrichtung Bad Feilnbach und Inntal hat zeigt in einiger Entfernung an einem Hang in der Nähe der Hütte ein Tier, das einem Wolf sehr stark ähnelt. Interessant dabei: Die Aufnahme der Webcam stammt bereits vom 6. April 2020.

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Der ursprüngliche Artikel vom 16. Juni

Samerberg/Erl – "Ich hab ihn angeschaut, er hat mich angeschaut, und mein Gefühl - das war kein gutes." So beschreibt Markus Schwaighofer aus Erl seine Begegnung der unheimlichen Art. Sein Aufeinandertreffen mit einem Wolf. Der Landwirt und Jäger war auf seiner Alm im Hochriesgebiet grad mit dem Melken fertig geworden, da bemerkte er, dass die Tiere auf der Weide - Jungtiere und trächtige Tiere - unruhig geworden waren. Auf und ab seien die gelaufen, sagte er den OVB-Heimatzeitungen.

Landwirt ist sich sicher: Das war ein Wolf

Er schaute hin – und sah einen Wolf. "Ein Riesenprackl", sagt er, "größer als ein Schäferhund". Als Jäger wisse er im übrigen einen Hund von einem Wolf zu unterscheiden. Er habe Furcht verspürt, sagt er. "Wenn ein Wolf so nah an große Tiere herangeht, und auch noch in der Nähe der Menschen - dann ist das kein gutes Zeichen." Sein Fazit: "Alm und Wolf, das geht nicht zusammen."

Jäger Franz Sommer hält es nicht für unwahrscheinlich, dass ein Wolf sich am Alpenrand relativ nahe an menschlichen Siedlungen aufhält. Vor etwa einem Jahr sei bei Marquartstein ein Wolf von einer Wildkamera abgelichtet worden. „Junge Wolfrüden müssen ihr Rudel verlassen und streifen dann weit durch die Gegend", sagt der Vorsitzende der Jägervereinigung Rosenheim.

Behörden werten die Aufnahmen vom mutmaßlichen Wolf aus

Schwaighofer nahm zwei Handyvideos auf. Da sieht man einen regenverhangenen Himmel, sattgrüne Wiesen. In einiger Entfernung läuft ein dunkles Tier, im typischen langgestreckten Stil eines Raubtiers. Einige Male blickt sich das Tier vorsichtig um. Als wollte es sich vergewissern, dass es nicht verfolgt wird.

Was zeigen die verwackelten, unscharfen Bilder, aufgenommen am Montag morgen vermutlich nicht weit weg von der Riesenhütte im Hochriesgebiet? Wirklich einen Wolf? Almbauern und Jäger scheinen sich sicher. 

Bestätigte Wolfsichtungen in der Region

Quelle: Bund Naturschutz

Skepsis dagegen äußert das Landesamt für Umwelt in Ausgburg. Wolfssichtung möglich, aber nicht bestätigt, heißt es bei der Behörde, die unter anderem die „großen Beutegreifer“ Wolf und Bär im Auge behält. „Die Bilder sind nicht sonderlich gut“, sagte ein Sprecher, man werte die Aufnahmen noch aus.

Der Wolf ist „Tagesgespräch“ in der Region

Die Aufregung aber ist schon da. Hans Stöckl aus Inzell, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Verbands in Holzkirchen, berichtet von einem großen Echo auf die Sichtungen. „Das ist bei uns Tagesgespräch“, sagt er. Er ist sich „relativ sicher“. Was er auf dem Clip gesehen habe, lasse ihn auf einen Wolf schließen. Ähnlich äußert sich Franz Sommer: „Ich bin mir zu 90 Prozent sicher: ein Wolf!“

Nicht genug damit: Stöckl berichtet, dass er bereits vor Tagen Gerüchte über einen Wolf in der Gegend vernommen habe. Unbestätigte Berichte sprechen von Jungrindern oder Kälbern, die angegriffen worden seien. Stöckl liegen Fotos vor, die Verletzungen am Hinterteil einer Kalbin zeigen.

Der endgültige Nachweis für einen Wolf fehlt noch

Ein Rüde auf der Durchreise? Freilich lässt sich daraus nicht unbedingt auf den Besuch eines Wolfes schließen. Am sichersten sei der Nachweis durch die Losung des Wolfs und seinen genetischen Pfotenabdruck, sagt Franz Sommer. Das Wildtier aber erledige sein Geschäft nicht unmittelbar an Wanderwegen, sondern eher abseits, „wo es sich sicher fühlt“. Der Regen erschwere die Spurensuche zusätzlich. Almbauern sollten daher auch nach Fellbüscheln im Zaun schauen.

Sommer hält es für möglich, dass der Wolf quasi auf der Durchreise ist. „Wenn das ein Rüde ist, dann sucht er sich eine Partnerin“, sagt er und erzählt von einem Solo-Wolf, der aus Rumänien aufgebrochen sei und sich erst in Frankreich an der spanischen Grenze niedergelassen habe, nachdem er eine Partnerin gefunden habe.

„Wolf passt nicht in unsern Lebensraum“

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen in der Region Rosenheim einen Wolf tatsächtlich sichten oder zu sehen meinen. Zwischen Miesbach und Ruhpolding verzeichnet der Bund Naturschutz bis gestern aber nur vier durch Genetik bestätigte Aufenthalte von Wölfen. Schon diese geringe Anzahl aber stimmt die Almbauern sorgenvoll.

Wolf sorgt bei Bad Feilnbach für Aufsehen

Für größeres Aufsehen hatte in der Region vor knapp zehn Jahren ein Wolf gesorgt, der bei Bad Feilnbach aufgetaucht war. Landwirte bangten damals um ihre Kühe und Schafe.

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