Tier zerrt Beute in den Wald: Video aus der Region Reit im Winkl soll Wolf zeigen

Das Video, das den OVB Heimatzeitungen vorliegt, soll einen Wolf mit seiner Beute zeigen. Es deckt sich mit aktuellen Berichten von Wolfssichtungen in Tirol. 
  • Mathias Weinzierl
    vonMathias Weinzierl
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  • Janina Sgodda
    Janina Sgodda
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Seit Mitte Juni gibt es Berichte von Wolfssichtungen, erst an der Hochries, dann an der Priener Hütte. Nun ist ein neues Video aufgetaucht, das das Raubtier in Aktion zeigt. Es deckt sich mit dem, was uns ein erschütterter Almbauer aus Tirol berichtet.

Update 28. Juni: 

Video: Zerrt hier ein Wolf seine Beute in den Wald? 

Der Redaktion der OVB Heimatzeitungen liegt ein Video vor, das einen Wolf mit seiner erlegten Beute zeigen soll. Aufgenommen worden sein soll es am Samstagvormittag (27. Juni) im Bereich Reit im Winkl. 

Das deckt sich mit Meldungen aus Tirol: Arnold Egger aus Kössen, Obmannsstellvertreter des Waliser Schwarznasenzuchtvereins in Tirol berichtet den OVB Heimatzeitungen, dass er selbst am Freitag (26. Juni) drei getötete Schafe gefunden habe, am Samstag nochmals ein weiteres.

Die Tiere – insgesamt sollen es deutlich mehr getötete sein – stammen laut Egger aus einer Züchtergemeinschaft von sechs Personen, die sie auf der Naringalm bei Kössen halten. 

Die Schafe, so berichtet das Land Tirol in einer Pressemeldung, "weisen eindeutige Kehlbisse und Blutergüsse im Bissbereich auf. Aufgrund des Rissbildes ergibt sich ein konkreter Wolfsverdacht“. Es gebe wenig Zweifel am Verursacher. 

Vor einer Woche wurden, so die Meldung weiter, ebenfalls im Grenzgebiet zu Bayern im Gemeindegebiet von Walchsee (Bezirk Kufstein) ebenso drei tote Schafe aufgefunden. Auch hier besteht ein konkreter Wolfsverdacht, die Ergebnisse der DNA-Analyse liegen jedoch noch nicht vor. Aus dem Grenzgebiet zu Bayern gab es schon zuvor Meldungen über Sichtungen eines Wolfes.

Konsequenzen gefordert

„Unsere jahrelange Arbeit wird durch den Wolf kaputt gemacht", sagt Egger. „Wir hoffen, dass wir bald eine Reaktion der Regierung bekommen und es beispielsweise eine Freigabe für den Abschuss gibt.“

Die Tiroler Partei NEOS fordert aktuell, dass die die Bevölkerung besser über die Rückkehr des Wolfes in die Region informiert werden soll – spätestens bis zum Almabtrieb 2020. 

Die zunehmende Zahl an Sichtungen von Wölfen würde Aufschluss darüber geben, dass der Wolf das Bundesland Tirol als Heimat wiederentdeckt hat.

Schafzüchter: Mehr als nur ein Wolf

Nach der Zeitspanne, in der der Wolf zunächst in Kössen, dann in Reit im Winkl aufgetaucht sein soll,  geht Schafzüchter Egger auch davon aus, dass es mehr als ein Tier ist, das in der Region unterwegs ist.

Egger ist sich zudem sicher, dass er den Wolf aus circa 80 Meter Entfernung selbst gesehen hat.

Der Schafzüchter aus Kössen wird seine Tiere in den kommenden Tagen ins Tal treiben, sagt, dass es ihm zu gefährlich sei: „Wenn wir die Schafe oben auf der Alm lassen, haben wir bald 50 bis 60 tote Tiere“.

Und: „Wir sind eine Ausflugsregion. Für Familien, die mit ihren Kindern beim Wandern unterwegs sind, ist so ein totes Tier kein schöner Anblick.“


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Update 22. Juni: 

Wolf an Priener Hütte "nicht bestätigter Hinweis"

Ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Umwelt kann auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen nicht bestätigen, dass es sich bei dem Bildmaterial, das unweit der Priener Hütte aufgenommen wurde, um ein Video von einem Wolf handelt. Die Sichtung werde als "nicht bestätigter Hinweis" und "C3" der so genannte SCALP-Kriterien bewertet.

Erneut gibt es Berichte von einer Wolfsichtung. Diesmal an der Priener Hütte im Hochries-Gebiet (Symbolfoto).

Die Skala, deren Abkürzung für "Status and Conservation of the Alpine Lynx Population" (Status und Schutz der Wolfspopulation in den Alpen) steht, gilt als Grundlage für Experten und unterscheidet drei Stufen:

C1: Fakten, Nachweise ("hard facts"): Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Foto, Telemetrieortung C2: Bestätigte Hinweise ("soft facts – confirmed"): durch eine erfahrene Person bestätigte Ereignisse wie Riss oder Spur

C3: Nicht bestätigte Hinweise ("soft facts – unconfirmed"): Ereignisse, die nicht überprüft wurden bzw. in der Regel nicht überprüfbar sind (zum Beispiel Beobachtungen, Rufe)

Aktuelle Wolfsnachweise werden auf der Internetseite Bayerischen Landesamts für Umwelt veröffentlicht. Der letzte Nachweis der Stufe C1, dem also mit Genmaterial eines Wolfs zu Grunde liegt, konnte am 11. Juni im Landkreis Dingolfing/Landau festgehalten werden. 

Im Landkreis Rosenheim konnte demnach zuletzt am 22. März 2014 definitiv ein Wolf nachgewiesen werden.

Wer meint, einen Wolf beobachtet zu haben, soll dies beim Bayerischen Landesamt für Umwelt, beim entsprechenden Landratsamt oder bei der Polizei melden. 

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Meldung 19. Juni: 

Wolf rund im die Hochries unterwegs? 

Aschau/Samerberg – Der Verdacht, dass ein einzelner Wolf durch das Gebiet der Hochries streift, verstärkt sich. Der neue Hinweis mit „besserem Bildmaterial“ werde aktuell durch die Fachleute der Behörde ausgewertet, hieß es aus dem Landesamt. Überhaupt stehe man auch in Kontakt mit den Kollegen vom Umweltamt Tirol.

Landwirt sicher: Das kann nur ein Wolf sein

Am Montag hatte bereits der Erler Almbauer Markus Schwaighofer von der Begegnung mit einem mutmaßlichen Wolf berichtet. „Ich hab ihn angeschaut, er hat mich angeschaut, und mein Gefühl - das war kein gutes", berichtete Schwaighofer tags drauf den Heimatzeitungen des Oberbayerischen Volksblatts. Der Landwirt und Jäger war auf seiner Alm im Hochriesgebiet grad mit dem Melken seiner Kühe fertig geworden, da bemerkte er, dass die Tiere auf der Weide - Jungtiere und trächtige Tiere - unruhig wurden.

Die erste Sichtung an der Hochries

Er schaute hin – und sah in vielleicht 25 Metern Entfernung ein Tier, das in seinen Augen nur ein Wolf sein konnte. "Ein Riesenprackl", sagt er. Als Jäger wisse er einen Hund von einem Wolf zu unterscheiden. Er habe Furcht verspürt, sagt er. "Wenn ein Wolf so nah an große Tiere herangeht, und auch noch in der Nähe der Menschen - dann ist das kein gutes Zeichen." Sein Fazit: "Alm und Wolf, das geht nicht zusammen."

Landesamt hofft auf weitere Hinweise

Markus Schwaighofer hatte nach der unvermuteten Begegnung Nerven bewiesen und sein Handy gezückt. Seine Clips lassen ein großes Tier mit dunklem Fell erkennen. Allerdings sind die Bilder unscharf. Man habe ihm schon öfter geraten, sich doch mal ein neues Smartphone mit einer besseren Kamera zuzulegen, erzählt der Erler. „Aber ich brauch bei der Arbeit da oben doch etwas Robustes.“

Die neuen Aufnahmen aus der Umgebung der Priener Hütte sind wesentlich schärfer und auch bei besserem Wetter aufgenommen. Sie scheinen wenig Raum für Zweifel zu lassen: Sechs Jahre nach der letzten bestätigten Sichtung in der Region streift wieder ein Wolf durch die Lande, diesmal im Gebiet der Hochries. Die Experten vom Landesamt für Umweltschutz hoffen auf weitere Belege. Unter Telefon 0821/90710 werden Berichte von Wolfssichtungen entgegengenommen.

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