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Almbauern fordern Abschussgenehmigung

„Der Wolf gehört nicht hierher“ - Was nach Söders Ansage passieren soll

Markus Söder (M, CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht zu Beginn der Hauptalmbegehung auf der Sieblalm zu den Teilnehmern.
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Markus Söder (M, CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht zu Beginn der Hauptalmbegehung auf der Sieblalm zu den Teilnehmern.
  • VonCornelia Schramm
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Der Verein der Almbauern fordert eine strikte Regulierung des Wolfsbestandes. Dafür gibt es Rückenwind – sogar von der Staatsregierung. 

Rottach-Egern – 200 Tage im Jahr. So lange stehen Anton Maiers Kühe draußen. „Mindestens“, sagt der 54-jährige Landwirt aus Rottach-Egern im Kreis Miesbach. „Tierwohl pur.“ Von Mai bis September geht es für die 45 Kühe auf die Alm. Zu Saisonbeginn auf eine niedriggelegene, später auf die Sieblalm auf 1150 Meter. Endet die Saison, geht es für Maiers Kühe auf die Weide im Tal – und nur im Winter in den Stall. „Meine Familie bewirtschaftet den Hof so in der 15. Generation. Den sieben Kilometer langen Weg hin und zurück gehen die Tiere zu Fuß.“

1888 haben Maiers Vorfahren die Sieblalm gekauft, davor teilten sie sich vier Familien. „Meine Frau, unsere vier Töchter und ich müssen zusammen helfen, um das zu erhalten“, sagt Maier und lässt den Blick von seiner Almhütte hinab auf die Weiden schweifen. „Wenn wir den Wald nicht zurückarbeiten, wären die lichten Weideflächen in wenigen Jahren zugewachsen und die Kühe könnten nicht mehr grasen.“ Ein Kraftakt, der sich laut Maier aber lohnt. Diese Kulturlandschaft sei einzigartig – und nicht nur Tradition sondern auch ein Touristenmagnet.

Video: Was tun bei einer Begegnung mit dem Wolf?

Wölfe im Landkreis Miesbach: Almbauer vermisst vier Schafe im Gebiet

Ende Juni hat die Idylle aber einen Dämpfer kassiert. „Nur ein paar Höhenmeter weiter hat ein Wolf drei Schafe gerissen“, sagt Maier. Vier Tiere vermisst der betroffene Almbauer hier im Wallberggebiet noch immer. „Im ganzen Oberland gibt es Sichtungen. Wir müssen verhindern, dass Wölfe bei uns sesshaft werden – sonst können wir Almbauern zumachen und unsere Kulturlandschaft und Heimat geht verloren.“

Die Angst vor dem Wolf treibt nicht nur Maier und die Almbauern im Landkreis Miesbach um. Entlang der ganzen Alpenkette sind Landwirte alarmiert. Gestern haben sie sich auf Maiers Sieblalm getroffen – um „ganz oben“ gehört zu werden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU), Umweltminister Thorsten Glauber (FW) und viele weitere Politiker hatte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern zur 75. Hauptalmbegehung eingeladen. Die kamen bei dem Kaiserwetter in Scharen, um den Risserkogel zu umrunden und neben der Sieblalm noch vier weitere Almbetriebe zu besichtigen.

Wegen Wölfe: Chef der oberbayerischen Almbauern appelliert an Söder und Co.

Josef Glatz, seit 2019 Chef der oberbayerischen Almbauern, appelliert eindringlich an sie. Tourismusdruck, landwirtschaftliche Ausgleichszulage, Kombi-Haltung, Haftungsfragen – und die Wolfsentnahme brennen den Almbauern unter den Nägeln. „In Deutschland gibt es 2.000 Wölfe – Tendenz steigend. Sie reißen Tiere und treiben Kälber Felswände hinunter“, sagt Glatz. „In Schweden wird der Bestand streng reguliert. Warum nicht hier? Wir sollten mit Österreich, Südtirol und der Schweiz zusammenarbeiten – der Wolf kommt von Süden. Herr Söder, bitte kämpfen Sie für uns in Berlin.“

Auf seinen Appell erhält Glatz Bekenntnisse. „Der Wolf gehört hier nicht her, das ist nicht sein Lebensraum“, sagt Söder. „Eine Entnahme, meist wohl ein Abschuss, muss möglich sein, wenn die Bestände wie im Moment zu stark werden.“ Die Almwirtschaft, ein beschwerlicher Traditionsberuf, sei laut Söder wichtiger als ein einzelner Wolf.

Zur Abschussfrage geben Bund und Brüssel den Ton an

Auch von Kaniber kommt Rückenwind: „Bis Herbst werden wir die Weideflächen großräumig zusammenfassen, die nicht für eine Umzäunung geeignet sind.“ Verursacht ein Wolf dort dann Schäden, kann er schneller entnommen werden. Zur Abschussfrage geben Bund und Brüssel den Ton an. „Allen uneingeschränkten Wolfsliebhabern dort will ich aber sagen: Wölfe sind nicht vom Aussterben bedroht, aber unsere Almbauern sind es bald.“

Anton Maier ist gespannt, ob das Bitten hilft. „Schauen Sie sich um“, sagt er. „Hier auf meiner Alm ist kein Wolfszaun mit Betonfundament und zwei Meter hohen Sperranlagen möglich. Wir brauchen dringend weitreichende Weideschutzzonen – und die Abschusserlaubnis.“

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