Aus „Woaßt as?“ wird „Wo kimmts her?“

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BAIRISCH . Seit über zwölf Jahren veröffentlicht unsere Zeitung zusammen mit dem Förderverein Bairische Sprache und Dialekte das Sprachrätsel „Woaßt as?“.

Jetzt gibt es etwas Neues: Nach „Woaßt as?“ kommt – wie auf dieser Seite in der rechten Spalte zu sehen – „Wo kimmts her?“. Die beiden Rätsel-Macher Benedikt Kronenbitter und Karl Simon erklären im Interview den Wechsel.

-„Woaßt as?“ gibt es seit über zwölf Jahren in unserer Zeitung. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Kronenbitter: Wir hatten 646 Begriffe in zwölfeinhalb Jahren. Das ist schon ein Pfund. Anfangen hat damit unser jetziger Ehrenvorsitzender Gerhard Holz, später ging es dann in meine Hände über. Die Resonanz war eigentlich von Anfang an riesig. Wir sind mit dem Sprachrätsel ja auch regelmäßig auf dem Stadtgründungsfest und der Oidn Wiesn vertreten – das ist schon faszinierend, wie sehr das die Leute interessiert. Da gab es manchmal schon Probleme mit der Feuerwehr, die uns sagte: Bitte haltet’s den Durchgang frei, so viel Gedränge gab es.

Simon: „Woaßt as?“ ist ein einfaches Sprachspiel, das ist vielleicht auch das Passende für unsere gedrängte, kurzatmige Zeit. Ein Begriff, drei mögliche Antworten – das  ist schnell  erledigt, da muss  man sich nicht lange reinvertiefen.

-Sie haben es ja auch als Ringbüchlein vertrieben.

Kronenbitter: Richtig. Das ist nach wie vor auf dem Markt. Es kann auch im Internet – etwa bei www.Heimatshop-bayern.de – bestellt werden. Wir haben hier die Begriffe nach ihrer regionalen Herkunft zugeordnet, etwa Rupertiwinkel, Rosenheim, Garmisch, Ebersberg/Erding – da gibt es überall Unterschiede und Eigenheiten. Wir mussten schon die dritte Auflage drucken.

-Jetzt wagen Sie etwas Neues. Warum?

Kronenbitter: Die Begriffe wurden mit der Zeit immer spezieller, nicht mehr so gebräuchlich. Uns hätte das zwar nicht gestört, aber es strapaziert halt die Leser etwas.

Simon: Es waren zuletzt auch Begriffe dabei, die rein historisch sind – Bezeichnungen für alte Gerätschaften etwa. Das kennen oft nur noch die Großeltern. Zum Beispiel „Weidling“ als ein Behältnis für Milch oder Schmalz oder „Wischbaam“ als eine Holzstange, die bei Heufuhren zur Sicherung der Ladung oben draufgelegt und mit einem Seil abgespannt wurde. Wir wollen etwas zum Alltagsgebrauch unserer Sprache beitragen. Deshalb wollen wir das Gebrauchs-Bairisch künftig auf 20 Zeilen erklären.

-Jetzt kommt ein  neues Sprachrätsel: „Wo kimmts her?“ Was haben Sie vor?

Simon: Wir werden Begriffe erklären. Zum Beispiel kommt „Pfiad di God“ von „Behiat di God“, also „Behüte dich Gott“ – ein wunderschöner Gruß. Früher und auch heute noch gibt’s innen neben der Stubentüre einen kleinen Weihwasserkessel. Wenn der Bua oder das Madl von daheim weggegangen ist, segnete sie die Mutter mit „Pfiad di God“ und strich ihnen ein Weihwasserkreuz auf die Stirn. Solche Erklärungen wollen wir bieten.

Kronenbitter: Es ist schon seltsam. Ob Kleidung, Auto, Wohnungseinrichtung – alles muss so individuell wie möglich sein. Aber gesprochen wird ein gschlampertes Einheits-Niederdeutsch. Alles ist lecker, ob Auto oder Essen. Furchtbar! Wenn wir dazu beitragen können, die Leute zu sensibilisieren, dann sind wir hochzufrieden.

-Woher schöpfen Sie Ihr Wissen, was also sind Ihre Quellen?

Kronenbitter: Wir haben 3500 Mitglieder und jede Menge Spezialisten. Wir haben ein kleines Team aufgebaut, das die Rubrik erstellen wird. Natürlich nehmen wir auch Nachschlagewerke zu Hilfe. Zum Beispiel Ludwig Zehetner: „Bairisches Deutsch“; oder Gerald Huber: „Bairische Wortkunde“. Nur das Internet ist für das Bairische noch nicht so ergiebig. Es ist also Recherchearbeit. Manchmal ruft uns auch jemand an, neulich zum Beispiel meine Tante aus Osterwarngau, die mir sagte, das Wetter sei hoàdrachig. Ich hab das noch nie gehört – aber man kann es erklären. Und das werden wir auch tun. Solche Begriffe sind für die neue Rubrik ideal. Ich bin gespannt, welche Leserreaktionen kommen.

-Wir leiten das gerne an Sie weiter.

Kronenbitter: Und wir bitten schon jetzt um Nachsicht: So eine Erklärung wird kurz und prägnant sein, nicht wissenschaftlich erschöpfend. Natürlich wird’s manche geben, die sagen: Des kenn i ned, des sogt ma bei uns ned. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass wir mit Ihren Lesern schnell in einen fruchtbaren Austausch kommen.

-Trotz „Woaßt as?“, trotz vieler Kindergarten- und Schulprojekte gibt’s immer wieder niederschmetternde Nachrichten. Bairisch, so heißt es, stirbt aus – gerade in München. Deprimiert Sie das?

Kronenbitter: Es kommt immer sehr drauf an, was ich hören will. Ich zum Beispiel hör den U-Bahn-Fahrer, der beim Bayern-Spiel die Fans im tiefsten Bairisch weiterscheucht, ich hör in der Früh unsere Müllauto-Fahrer, die auf Bairisch schimpfen, wenn wieder die Straß’ zuparkt ist, ich hör, wenn der junge (!) Postmitarbeiter in meiner Filiale als Begrüßung freundlich fragt: „Was kriagn ma denn?“ Also in meinen Augen stirbt da gar nix!

Simon: Sehr viele haben Verständnis für unsere Initiative. Kleines Beispiel: Das Bahnunternehmen Transdev hat eine mehrsprachige Infobroschüre. Sie heißt „Mit Meridian und BOB zu den schönsten Ausflugszielen“ und hat einen kleinen Sprachführer „Bayerisch – Deutsch – Englisch“ im Anhang. Allerdings waren da ein paar Begriffe nicht in korrektem Bairisch wiedergegeben. Als ich darauf hingewiesen habe, kam ein sehr netter Brief zurück: „Griaß Eana, Herr Simon“ und meine Korrekturen wurden dankend angenommen. Dem Förderverein wurde dann sogar das Lektorat für Hinweise in Bairisch zur Fahrt auf die Wiesn übertragen. Das gibt doch Hoffnung.

Das Gespräch führte Dirk Walter

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