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Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei Energiediskussion in Burghausen

„Das sind alles Herkulesaufgaben, aber ich glaube, es ist die Sache wert!“

links:  Dr. Peter von Zumbusch, Dr. Serafin von Roon und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mit der fertigen Studie „Trans4In – Energietransformation im Chemiedreieck Bayern”, deren Ergebnisse unter anderem Thema waren. Oben rechts: Altöttings Landrat Erwin Schneider appellierte für Maßnahmen, um die Energieversorgung am Standort zu sichern. Unten links: Dr. Serafin von Roon bei der Vorstellung der Studie.
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links:  Dr. Peter von Zumbusch, Dr. Serafin von Roon und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mit der fertigen Studie „Trans4In – Energietransformation im Chemiedreieck Bayern”, deren Ergebnisse unter anderem Thema waren. Oben rechts: Altöttings Landrat Erwin Schneider appellierte für Maßnahmen, um die Energieversorgung am Standort zu sichern. Unten links: Dr. Serafin von Roon bei der Vorstellung der Studie.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger besuchte am Montag den Industriestandort Burghausen, um mit den hiesigen Unternehmen die aktuelle Energiethematik sowie die mittel- bis langfristige Transformation der regionalen Chemieindustrie hin zur Klimaneutralität zu diskutieren.

Burghausen - „Allen politischen Unkenrufen der letzten Monate zum Trotz wollen wir die Standortsicherheit für heimische Unternehmen gewährleisten, damit Bayern weiter Industriestandort bleiben kann“, betonte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gleich in seinen Eröffnungsworten. „Wenn dieser Standort hier wackelt, dann ist die Region erledigt! Aber das wird nicht eintreten. Das hier ist ein sehr prosperierender Standort, der durch die Energiepreisexplosion der jüngsten Zeit plötzlich ins kalte Wasser geworfen wurde.“ Nun würde es gelten, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Unternehmen sich nicht zur Abwanderung ins Ausland gezwungen sähen. Aktuell gehe er nicht davon aus, dass es zu einem Mangel an Gas oder großflächigen Blackouts kommen werde.

„Es ist für uns eine Existenzfrage, wie es energiepolitisch weitergeht“, mahnte Erwin Schneider, Landrat des Landkreises Altötting (CSU). Darin stimmte ihm auch grundsätzlich Burghausens Bürgermeister Florian Schneider (SPD) zu. „Aber auch das Thema PFOA wird uns hier noch lange beschäftigen“, merkte er an. Johann Krichenbauer, Bürgermeister von Burgkirchen (Freie Wähler), schloss sich dem Appell der Lokalpolitiker an: „Es müssen jetzt die nötigen Entscheidungen getroffen werden, damit wir in zehn Jahren im Landkreis nicht ohne die chemische Industrie da stehen.“

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei Energiediskussion in Burghausen: Lösungen für Versorgung zentrales Thema

„Die Unternehmen hier wollen ganz klar klimaneutral werden“, berichtete Dr. Serafin von Roon von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. (FFE). Er rekapitulierte die Ergebnisse der Studie „Trans4In – Energietransformation im Chemiedreieck Bayern” deren Ergebnisse bereits Ende Oktober in Burghausen vorgestellt worden waren. Dabei wurden mit dem “Wasserstoffpfad” und dem “Strompfad” zwei Szenarien betrachtet. Der Wasserstoffpfad unterstreiche den Bedarf für eine zeitnahe Anbindung an das überregionale Wasserstofftransportsystem. Die Stromnetzanschlussleistung verdopple beziehungsweise verdreifache sich je nach Szenario. Die Klimaneutralität werde in beiden Szenarien zu einem großen Anteil durch die energetische und stoffliche Nutzung von Wasserstoff erreicht. In beiden Szenarien entstehe ein erheblicher Energiemehrbedarf. Dieser begründe sich in der Substitution von energetisch genutzten Koppelprodukten, die bisher vor Ort beispielsweise aus Rohöl gewonnen werden, in einer langfristig weiter steigenden Wirtschaftsleistung sowie in der Umstellung des Produktportfolios auf grüne Produkte.  

„Wir halten nur den ‚Wasserstoffpfad‘ für sinnvoll“, betonte Wacker-Werkleiter Dr. Peter von Zumbusch im Namen der Initiative ChemDelta Bavaria, dem Zusammenschluss der örtlichen Chemieunternehmen. Trotzdem beziehungsweise gerade deswegen brauche es einen Ausbau der Strominfrastruktur. Konkret die umstrittene 380KV-Leitung zwischen Pirach bei Burgkirchen und Tann müsse, unter anderem, vorangebracht werden. Erst wenige Tage zuvor hatte eine Informationsveranstaltung zu der Trasse großes Interesse hervorgerufen. Nicht wenige brachten dabei ihre persönliche Betroffenheit von dem Projekt zum Ausdruck und forderten eine bessere Abwägung zwischen den Schutzgütern Natur und Mensch. Wiederum die anwesenden Vertreter der Energieanbieter Bayernwerk und Verbund sowie des Übertragungsnetzbetreiber Tennet betonten, es brauche dringend „Entbürokratisierung“ und eine höhere Geschwindigkeit bei den Verfahren für die Ermöglichung dieses und anderer Energieinfrastrukturprojekte.

Aiwanger: „Die Netze stehen, sie müssen nur noch befüllt und umgestellt werden!“

Neben der Strominfrastruktur war das zweite große Thema die Versorgung mit Wasserstoff. Erst Anfang November hatte das bayerische Kabinett einen Milliarden-Etat gegen die Energiekrise beschlossen. Ein Herzstück des neuen „Energie- und Klima-Turbos“ mit einem Volumen von 500 Millionen Euro soll nach Worten von Ministerpräsident Markus Söder Wasserstoff sein, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Damit soll etwa der Bau von bis zu 50 kleinen Wasserstoff-Kraftwerken vorangetrieben werden. Diese sollen insbesondere in den Regionen entstehen, wo es besonders viel erneuerbare Energieerzeugung und einen Überschuss bei der Produktion gebe. Wasserstoff sei die optimale Ergänzung zur Speicherung dieses Stromes. Geplant seien auch Investitionen in den Ausbau von Wasserstoff-Tankstellen und in den Bau von speziellen Pipelines. Geprüft werde auch, ob der Freistaat in die von den Kommunen getragenen Gas-, Strom- und Wasserstoffnetze einsteige, um den Ausbau schneller voranzubringen.

Aiwanger selbst hatte sich in der jüngsten Zeit auf mehreren Reisen, unter anderem nach Italien sowie nach Tunesien und Algerien über mögliche künftige Lieferanten von Wasserstoff informiert, wie er berichtete. Auch die Vertreter des Verbund betonten die Bedeutung des Aufbaus einer Infrastruktur hierfür. „Die Netze stehen, sie müssen nur noch befüllt und umgestellt werden!“, resümierte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er betonte weiterhin, es müsse auch vor Ort, in den Bayerischen Staatsforsten Energie erzeugt werden. „Es müssen 30 bis 50 Windräder errichtet werden, die dann massiv dazu beitragen, mit erneuerbaren Energien aus der Region auch die Region zu versorgen. Das sind alles Herkulesaufgaben, aber ich glaube es ist die Sache wert. Bayern muss Industriestandort bleiben und die Arbeitsplätze hier in der Region müssen gesichert werden.“ Er sei zuversichtlich, dass dies möglich sei. „Es ist technisch möglich und jetzt müssen wir noch Anstöße an die Bundes- und Europapolitik geben. Denn beispielsweise will die EU nicht zulassen, dass die heutigen Erdgasnetzbetreiber wie bayernets auch die künftigen Wasserstoffnetzbetreiber sein sollen. Da sage ich: Ja wer denn sonst?“ Denn bei ihnen seien bereits die nötigen Kompetenzen und Kenntnisse vorhanden.

Weiterhin müsse die Bundesnetzagentur die Strombedarfe definieren und die Umsetzung eng begleiten. „Wir sind da dran und arbeiten mit den Netzbetreibern für Gas und Strom sowie dem Chemdelta eng zusammen und ich bin überzeugt, es wird erfolgreich werden.“ Wie die örtlichen Betriebe ihre Interessen vertreten, sei vorbildlich, so Aiwanger. „So muss es sein, damit die Politik auch Gehör schenkt. Es gibt viele andere wichtige Baustellen und wer nicht gut organisiert ist, wird nicht gehört. Und hier haben wir sehr sinnvolle und belastbare Konzepte. Es wurden Gutachten erstellt, die der Politik auf den Tisch legen, wie in den nächsten Jahren der Energiebedarf aussieht. Man diskutiert hier nicht ins Blaue hinein sondern hat handfeste Zahlen, auf die wir politisch dann auch aufbauen können.“

hs

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