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„Wir wollen mehr ausländische Studenten“

LMU-Präsident BERND HUBER  Seit 2002 leitet Bernd Huber Deutschlands zweitgrößte Hochschule, die Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der 52-Jährige hatte kürzlich überraschend seinen Rücktritt zur Hälfte seiner laufenden Amtszeit erklärt – nur um sich am 12. Juli erneut zur Wahl zu stellen. Hintergrund: Das turnusgemäße Ende der Amtszeit 2016 wäre in die heiße Phase der Bewerbung für die neue Exzellenzinitiative gefallen – ein als Wettbewerb konzipiertes Förderprogramm von Bund und Ländern. Der LMU-Präsident sitzt fest im Sattel, bei der Wahl tritt er ohne Gegenkandidaten an. Im Interview mit unserer Zeitung blickt Huber auf seine bisherige Arbeit zurück und spricht über die künftige Ausrichtung der Uni und die LMU als internationale Marke.

-Sie haben nach dem Aus für die Studiengebühren gesagt: „Jetzt muss man auf das Kleingedruckte achten.“ Was haben Sie bisher für ein Gefühl beim Blick durch die Lupe?

Ich bin mit der beschlossenen Kompensation sehr zufrieden. Wir bekommen die bisher erzielten Einnahmen vollständig erstattet und haben bis Ende 2014 Planungssicherheit.

-Sie gaben sich im Vorfeld skeptisch. Die Erfahrung aus anderen Bundesländern zeige, dass letztlich doch über Hintertürchen Gelder wegfallen.

Klar: Wir sprechen über eine Momentaufnahme. Es darf nicht an anderen Stellen im Wissenschaftsetat zu Kürzungen kommen. Die Mittel müssen künftig auch entsprechend dynamisiert werden. Das heißt, dass man sie bei steigenden Studierendenzahlen anpasst. Generell können wir bei der Finanzierung von Forschung und Lehre noch einen Gang höher schalten.

- Das heißt?

Im internationalen Vergleich nehmen wir eine Sonderstellung ein. Schauen Sie sich das jüngste „Times Higher Education Ranking“ an. Da belegt die LMU Platz 44, als einzige deutsche Universität unter den Top 50. Wir sind dabei die einzige Uni, die keine Studienbeiträge erhebt. Wenn wir also die Leistungsfähigkeit der deutschen Unis erhalten wollen, müssen wir deutlich mehr staatliche Mittel bereitstellen als andere Länder.

-Wäre nicht auch die Wirtschaft mehr gefordert?

Eine Uni wie die Technische Universität München, die fokussiert ist auf Natur- und Ingenieurwissenschaften, tut sich naturgemäß etwas leichter, Spenden aus der Wirtschaft einzuwerben. Die Geisteswissenschaften haben da mehr Schwierigkeiten. Beim Thema Fundraising oder Sponsoring tun wir uns zudem in Deutschland schwer. Bei der Debatte um Studiengebühren hat sich ja auch gezeigt, dass noch immer sehr stark die Vorstellung herrscht: Alles was mit Bildung zu tun hat, ist zunächst einmal Aufgabe des Staates.

-Dem würden Sie widersprechen?

Nein. Unsere Kernaufgabe, universitäre Lehre und Forschung, muss auch in den kommenden Jahren aus öffentlichen Mitteln bestritten werden. Dazu gehören nicht nur Mittel des Freistaats und des Bundes, sondern auch Drittmittel der deutschen Forschungsgemeinschaft und aus EU-Töpfen. Bei der Einwerbung von europäischen Fördergeldern liegt die LMU europaweit auf Platz 10. Dabei ist der Wettbewerb um Drittmittel heute schon außerordentlich intensiv. Von zehn Anträgen wird nur einer bewilligt.

-Nochmal zu den weggefallenen Studiengebühren. Ein günstigeres Studium könnte doch auch ein Vorteil sein im Werben um internationale Studenten.

Natürlich haben wir ein verstärktes Interesse an internationalen Studierenden. Da spielt die Höhe der Studiengebühren eine wichtige Rolle, aber auch die Lebenshaltungskosten. Entscheidend ist aber eben auch die Qualität der Ausbildung.

-Ist das auch eine der größten Baustellen für die kommenden Jahre?

Der Wettbewerb zwischen den Unis wird intensiver. Als Studienstandort müssen wir noch attraktiver werden, weil die hohen Lebenshaltungskosten erst einmal gegen München sprechen.

-Die Mieten werden Sie nicht senken können.

Wir müssen ein so ansprechendes Angebot schaffen, dass es die Studenten trotzdem zu uns zieht. Ein Beispiel aus der Volkswirtschaftslehre: Da haben wir einen Schwerpunkt zum Thema Wirtschaftsgeschichte, den Sie an kaum einem anderen Standort finden. Eine weiteres interessantes Projekt ist das weltweite Netzwerk Coursera, dem wir beigetreten sind und das über drei Millionen Nutzer hat. Spitzenuniversitäten bieten dort online Kurse an, die jedem zugänglich sind. Seit Februar sind wir mit vier englischsprachigen Kursen aus den Bereichen BWL, mathematischer Philosophie, Biologie und Vulkanologie dabei.

- Wollen Sie damit die internationale Marke LMU stärken?

Natürlich. Das ist ein sensationeller Erfolg, wir haben nach vier Wochen fast 30 000 Teilnehmer. Unser Angebot in Vulkanologie beispielsweise – an sich eher ein Nischenthema – hat jetzt 2000 internationale Teilnehmer. Ein kleines Fach wird global geöffnet und dadurch plötzlich groß.

-Sie wollen die Breite der LMU erhalten, andererseits international um die besten Köpfe werben. Kein Widerspruch?

Ich bin entschieden der Meinung, dass wir den Anspruch einer Voll-Universität mit den vier Fächergruppen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin und Sozialwissenschaften erhalten müssen. Das ist ein Erfolgsmodell. Im Ranking der besten Hochschulen stehen großteils Voll-Universitäten. Das Zusammenwirken verschiedener Fächer verbessert deutlich das intellektuelle Klima an einer Uni.

- Dennoch hat sich in den Exzellenzinitiativen auch die LMU hauptsächlich mit ihren Naturwissenschaften profiliert.

2006 waren wir vorrangig mit den Naturwissenschaften erfolgreich. Danach haben wir gezielt die geisteswissenschaftlichen Fächer und die Medizin gestärkt und waren dort in der aktuellen Runde 2012 auch erfolgreich.

-Die Fortsetzung der Exzellenzinitiative wird ein zentrales Thema der nächsten Präsidentschaft. Wo soll die Reise 2017 hingehen?

In Zukunft ist vor allem wichtig, dass die Grundfinanzierung gestärkt wird. Es herrscht Einigkeit, dass wir ein Missverhältnis zwischen Grund- und Projektfinanzierung haben. An der LMU ist aktuell die Hälfte aller wissenschaftlichen Mitarbeiter auf Projektstellen beschäftigt. Sie sind also von vornherein befristet angestellt. Dieses Ungleichgewicht muss korrigiert werden, auch um die Karriereperspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verbessern.

-Das klingt nach langwierigen Verhandlungen.

Momentan ist alles stark im Fluss. Die zentrale Weichenstellung wird sein, ob eine Änderung des Grundgesetzes politisch durchsetzbar ist, mit der sich der Bund stärker an der Finanzierung der Hochschulen beteiligt. Das ist alles recht dringend, denn bis 2017 ist nicht mehr allzu lange hin.

- Zur Attraktivität einer Uni gehört auch die Kombinierbarkeit von Studienfächern. An der LMU kann zum Beispiel ein Politikstudent im Nebenfach nicht Philosophie studieren.

Ein wichtiges Mantra der Bologna-Reform war, dass sich Studienfächer nicht überschneiden sollen. Das haben wir mittlerweile gelockert. Wir wollen die Kombinationsmöglichkeiten Schritt für Schritt weiter erhöhen. Bei solch einer tiefgreifenden Reform wie Bologna kann man nicht erwarten, dass nach der Reform gleich alles perfekt ist.

-Die Studentenschaft sprach sich 2010 gegen Ihre Wiederwahl aus. Wie sehen Sie heute Ihr Verhältnis zu den Studenten?

Es gibt immer einen gewissen Antagonismus zwischen einer Hochschulleitung und der Studierendenvertretung, das ist nicht überraschend. Wir arbeiten aber gut zusammen.

-Studenten dürfen auch ohne Studiengebühren weiter über die Verwendung der Gelder mitbestimmen. Ärgert Sie das?

In allen Bundesländern gibt es solche partizipativen Modelle. Die Mitbestimmung macht die Verhandlungen oftmals schwierig, aber letztlich kann ich damit ganz gut leben.

-Die Studenten beklagen, dass sie in den Kommissionen nur beratend sitzen und am Ende entscheidet die Hochschulleitung.

Wir hätten uns etwas flexiblere Regelungen gewünscht, die Studenten eine intensivere Mitbestimmung. Das ist jetzt für beide ein Kompromiss. Keine Hochschulleitung überstimmt gerne die Studenten, deshalb treten wir davor in einen Dialog.

-2010 trat Julian Nida-Rümelin gegen Sie um den Uni-Chefposten an. Nun ist er im Kompetenzteam von Christian Ude. Sie könnten es also nach der Landtagswahl mit einem Wissenschaftsminister Nida-Rümelin zu tun haben.

(Lacht). Jetzt warten wir mal die Wahl ab. Dann schauen wir mit großer Gelassenheit, wer welches Amt übernimmt.

Interview: Angelo Rychel, Felix Müller, Andrea Steiler

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