HUBERT WEIGER IM INTERVIEW

„Wir brauchen eine Partnerschaft mit den Landwirten“

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Hubert Weiger (70) tritt als Vorsitzender des Bund Naturschutz ab

München – Nach 16 Jahren an der Spitze des Bund Naturschutz in Bayern hat Hubert Weiger angekündigt, im April den Vorsitz nach der halben Wahlperiode in neue Hände zu geben.

Im Interview erklärt er, welchen Einfluss das Volksbegehren gegen den Flächenfraß auf seine Entscheidung hatte – und welche Herausforderungen auf seinen Nachfolger warten.

-Herr Weiger, warum treten Sie als BN-Vorsitzender ab?

Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Aber die Unterstützung für das Volksbegehren gegen den Flächenfraß in Bayern erfordert eine enorme Präsenz des Landesvorsitzenden. Durch die bundespolitischen Herausforderungen im Bereich der künftigen Energiepolitik, den Kampf für den Klimaschutz und die Agrarwende bin ich aber immer mehr in Berlin gebunden. Deshalb habe ich beschlossen, mich auf das Amt beim Dachverband BUND zu konzentrieren.

-Ihr Nachfolger könnte der Landesbeauftragte Richard Mergner werden.

Bisher ist er der einzige Kandidat, der zur Verfügung steht. Ich will nicht verhehlen, dass ich mich über seine Wahl sehr freuen würde. Aber wir sind ein demokratischer Verband, somit ist meine Nachfolge noch offen.

-Wird es Ihnen nicht fehlen, von Kreisgruppe zu Kreisgruppe zu tingeln und für den Naturschutz zu trommeln?

Natürlich werde ich die Präsenz bei den Kreisgruppen reduzieren müssen – was sehr schade ist, weil ich aus den Begegnungen mit alten und jungen Weggefährten immer Kraft für die Arbeit geschöpft habe. Aber für zentrale Veranstaltungen werde ich als Vorsitzender des BUND immer noch zur Verfügung stehen.

-Welche Herausforderungen warten neben dem Flächenverbrauch auf Ihren Nachfolger?

Wichtig wird sein, die Potenziale zur Energiewende und bei der Landnutzung auszuschöpfen. Bayern hat hier hervorragende Voraussetzungen, weil es noch viele Stadtwerke gibt. Hier müssen wir Allianzen für die Energiewende schmieden. Gleiches gilt für unsere bäuerliche Struktur, die wir unbedingt erhalten müssen. Wir brauchen eine echte Partnerschaft mit den Landwirten. Denn wir haben ein gemeinsames Gut zu verteidigen: die Vielfalt der Kulturlandschaften. Gemeinsam können wir den Menschen erklären, dass es die nicht zum Nulltarif gibt, sondern dass man als Verbraucher auch dafür bezahlen muss.

-Auch beim Thema Nationalpark wartet noch viel Überzeugungsarbeit.

Der Bund Naturschutz ist bekannt dafür, dass er die Flinte nicht ins Korn wirft. Wir werden uns weiter für den dritten Nationalpark einsetzen, denn wir wissen die große Mehrheit der bayerischen Bevölkerung hinter uns. Bayern hat nicht nur Potenzial für einen dritten, sondern auch für einen vierten oder fünften Nationalpark. Immer mehr junge Menschen lieben die wilde Natur. Deshalb wäre Markus Söder gut beraten, die Idee nicht aufzugeben, sondern mit klaren Vorgaben neu voranzutreiben.

Interview: Dominik Göttler

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