Er will Bierkönig werden – darf aber nicht

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Patrick Karch hat sich als bayerischer Bierkönig beworben. Der Brauerbund will aber weiter auf weibliche Repräsentanten für sein Produkt setzen. FOto: dpa

Botschafter für Bayerischen Gerstensaft . von Sabine Dobel.

München – Ein Mann als Bayerische Bierkönigin – wäre das angesichts von Gleichberechtigung ein regelrecht überfälliger Schritt? Der Bayerische Brauerbund hat sich tatsächlich mehrfach eingehend mit dieser Frage befasst, zuletzt angesichts einer vielversprechenden Bewerbung. Und dann doch abgelehnt: Bierkönig erinnere zu sehr an Ballermann. Die Krone fürs bayerische Bier tragen weiter Frauen.

Der Bewerber: Patrick Karch. Geboren in Bayern, 40 Jahre alt und nach eigener Aussage kontaktfreudig, kommunikativ und begeistert für bayerisches Bier. Damit erfülle er alle Voraussetzungen des Brauerbunds, sagt Karch, der im unterfränkischen Miltenberg zur Welt kam und ein paar Kilometer weiter in Freudenberg am Main in Baden-Württemberg wohnt. Aus der Gegend, eher für Wein als für Bier bekannt, kam auch die Bierkönigin von 2016.

Vor Kurzem startete die Bewerbungszeit für die neue Regentschaft. „Ich habe mich spontan gleich beworben, weil ich gedacht habe: Warum soll das immer nur eine Frau machen?“, sagt Karch. „Ich finde Gleichberechtigung wichtig, ich bin überzeugter Feminist.“ Seine Bewerbung sei auch eine allgemeine Botschaft gegen Diskriminierung von Geschlechtern, Religionen und Nationalitäten. Seine Frau, mit der er sich partnerschaftlich die Haushaltsarbeit teile, habe ihn voll unterstützt; ebenso die beiden Söhne.

„Zweifelsohne haben Sie alle Eigenschaften, die wir als Verantwortliche der Kampagne ,Bayerische Bierkönigin‘ von unseren Bewerberinnen verlangen“, antwortete der Geschäftsführer des Brauerbundes, Walter König, auf die Bewerbung. Man habe bereits im vergangenen Jahr überlegt, ob nicht wechselweise ein Bierkönig und eine Bierkönigin oder gar ein Königspaar künftig die bayerische Brauwirtschaft vertreten sollten. Das Argument, dass gerade Männer für den massenhaften Konsum von Bier verantwortlich seien, spreche aber gerade gegen die Kür eines eigenen Königs. Schließlich werbe der Brauerbund nicht für zügellose Gelage – sondern für maßvollen Genuss. „Nach reiflicher Überlegung und Bewertung aller Argumente“ bleibe der Brauerbund deshalb bei der Wahl zur Bayerischen Bierkönigin, schrieb König, der somit der einzige König in Sachen bayerisches Bier bleibt.

Dabei haben Männer zunehmend Chancen als hoheitliche Vertreter diverser bayerischer Erzeugnisse: Es gab bereits Zwiebel-, Schäufele- und Bratwurstkönige. 2008 wurde ein Mann beim Zentral-Landwirtschaftsfest in München zum ersten bayerischen Bauernmilch-König gewählt. Und im 350-Einwohner-Ort Kesten an der Mosel regiert seit 2016 eine männliche Weinkönigin.

Für einen Bierkönig sieht der Brauerbund-Geschäftsführer allerdings ein weiteres Hindernis: Den Begriff Bierkönig habe sich 1986 die rheinland-pfälzische Stadt Kirchheimbolanden schützen lassen. Der Brauerbund könnte also gar Probleme bekommen, wenn er auch einen Bierkönig wählt. König machte Karch aber Mut: „Mit Ihrer Begeisterung für unser bayerisches Volksgetränk wären Sie als Biersommelier oder Bierbotschafter in Ihrer Region sicherlich eine Bereicherung für die heimische Brauwirtschaft und die Gastronomie vor Ort.“

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