Wildernde Hunde am Hinterbrühler See

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Am Hinterbrühler See gibt es seit Jahren Ärger zwischen Hundebesitzern, Spaziergängern und Naturschützern. Aktuell kocht das Thema hoch: Frei laufende Hunde sollen einen jungen Schwan zerrupft haben. Von mehreren Seiten kommt die Forderung nach einem Hundeverbot um den See. Auch im Nymphenburger Schlosspark kam es wieder zu einem Vorfall.

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von Andrea Lindner und andreas thieme

Es könnte so schön sein an dem idyllischen kleinen See an der Isar. Doch eine Lösung des seit Jahren währenden Konflikts ist nicht in Sicht: Immer wieder eskalieren Streitereien zwischen Hundehaltern und Spaziergängern. So kam es im vergangenen Jahr zu einer Anzeige, weil ein Hundebesitzer eine Frau geschlagen und verletzt hatte. Diese habe ihn lediglich auf die Leinenpflicht hinweisen wollen, erzählen Anwohner.

Immer wieder halten sich Hundebesitzer hier nicht an die Leinenpflicht, die im Naturschutzgebiet seit Jahren besteht. Die Folge: verängstigte Fußgänger, tote gewilderte Schwäne und andere Tiere, die Naturschützer seit Jahren um den See finden und dokumentieren.

Streitschlichter des Allparteilichen Konfliktmanagements in München (AKIM) versuchen schon seit Jahren, die Probleme zu lösen – ohne Erfolg. Viele Anwohner und Naturschützer fordern daher nun ein absolutes Hundeverbot um den Hinterbrühler See.

Und auch Politiker sind auf der Seite der Hundegegner: zum Beispiel Hans Jürgen Gerhards (SPD) vom Bezirksausschuss Thalkirchen. Ihn würden immer mehr Beschwerden erreichen, sagt Gerhards. „Ich sehe ein Hundeverbot mittlerweile als einzige Lösung, denn die Besitzer halten sich einfach nicht an die Leinenpflicht.“ So sei es kein Wunder, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen und toten Tieren komme. „Die Tiere hier im Biotop werden einfach massiv gestört. Und nicht nur die, sondern auch andere Spaziergänger. Ich habe schon mit vielen gesprochen, die wirklich Angst vor den Hunden haben. Vor allem Eltern sorgen sich um ihre Kinder.“

Bereits 2013 hatte sich der Bezirksausschuss in einem Antrag an die Stadt für strengere Regeln und Kontrollen in dem Areal ausgesprochen. „Diese Forderung ging jedoch leider nicht durch bei der Stadt“, erklärt Gerhards.

Polizisten machen auf ihren Streifen regelmäßig Stopp am See. Weiteren Handlungsbedarf sieht die Polizei allerdings nicht. Klaus Pfeuffer, Chef der Kontaktbeamten der zuständigen Polizeiinspektion 29, erklärt: „Eine strengere Regel oder mehr Kontrollen brauchen wir hier nicht. Das bringt nichts!“ Bei einem Verbot würden die Hunde seiner Meinung nach einfach ein paar Meter weiter an der Isar sein. „Und auch da gibt es Wildvögel und Menschen, die sich durch die Hunde gestört fühlen.“ Pfeuffer selbst hat einen Hund und er sagt: „Den Jagdtrieb kann man nie ganz ausschalten. Es kann immer mal wieder vorkommen, dass ein Vogel gerupft wird.“ Am Hinterbrühler See seien die Konflikte aber nicht schlimmer als in anderen Gegenden.

Die Streitschlichter des AKIM nehmen die Konflikte um den See ernster: „Wir sind mit unseren Mitarbeitern vor Ort, zeigen Präsenz und sprechen mit den Beteiligten“, erklärt Leiterin Brigitte Gans. Seit 2016 versucht AKIM zwischen Hundehaltern und Hundegegnern zu vermitteln. „Vor allem ist es unser Job, zuzuhören und die Sorgen und Beschwerden der Bürger an die richtige Stelle weiterzuleiten“, erläutert Gans. Die Streitschlichter könnten aber nicht 24 Stunden vor Ort sein und bei Auseinandersetzungen akut eingreifen. „Unsere Herausforderung ist es, die Hundebesitzer zu erreichen und ihnen zu erklären, wie die Regeln um den See sind.“ Ein paar Meter weiter – an der Isar – dürfen Hunde frei herumlaufen. Ein absolutes Verbot oder einen Zaun um den See will Brigitte Gans vermeiden. „Das wäre nur die allerletzte Möglichkeit.“ Ihr Ansatz dagegen: „Mit den Menschen vor Ort sprechen. Aufklären. Ansprechpartner sein und Verständnis zeigen.“

Unterdessen ist im Nymphenburger Schlosspark erneut ein Reh tot aufgefunden worden – das vierte binnen weniger Monate. Spaziergängern zufolge wurde ihm der Kopf abgetrennt. „Nach wie vor gibt es im Schlosspark kein Aufsichtspersonal“, kritisiert Ralf Sartori vom Nymphenspiegel Kulturforum. Erst vor wenigen Wochen habe eine Joggerin ein geköpftes Reh gefunden. „Eine bestialische Tat, die Anlass zu der Annahme bietet, dass ein Spaziergänger bewusst seinen Hund auf das Wild im Park hetzt. Leider trifft man im Park immer häufiger Spaziergänger an, die ihre Hunde nicht anleinen.“

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