Wildbret aus dem eigenen Viertel

Leberwurst und andere Delikatessen vom Wild verkaufen Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder (links) und sein Kollege im neuen Wildstadl. foto: Klaus Haag
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Leberwurst und andere Delikatessen vom Wild verkaufen Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder (links) und sein Kollege im neuen Wildstadl. foto: Klaus Haag

Wildschwein, Hirsch und Reh aus dem eigenen Stadtviertel frisch auf den Tisch? In Forstenried ist das jetzt möglich. Seit Freitag ist der neue Wildstadl vom Forstbetrieb München geöffnet. Die Forstenrieder sind begeistert.

Fleisch aus dem Forstenrieder Park

von lisa-marie birnbeck

Bevor die Kasse installiert ist, steht schon der erste Kunde im neuen Wildstadl und begutachtet die Ware. Wilhelm Strassnig ist sich seiner besonderen Rolle an diesem Tag nicht bewusst. „Ach, der ist erst seit heute offen?“, fragt der 67-Jährige. „Na, da hab ich ja Glück gehabt!“ Aus dem Sortiment wählt er Rehfilet und Wildschweinschinken aus. „Nachdem ich ständig durch den Wald fahre und den Wildschweinen dort begegne, weiß ich, woher es kommt.“

Genau das ist das Konzept des neuen Wildstadls, den der Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten eröffnet hat. Frisches Wildbret aus dem eigenen Stadtviertel für jedermann. Auch wenn der Forstenrieder Park als Staatswald streng genommen nicht zur Münchner Flur gehört.

Früher haben die Jäger das Fleisch selbst behalten oder an den Großhandel und die Gastronomie verkauft. „Damit wird man der hervorragenden Qualität des Fleisches nicht gerecht“, sagt Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das früher als Heustadel diente, wurde für den neuen Laden seit April aufwendig restauriert. „Bei so alten Gebäuden erlebt man so einiges“, erinnert sich Seerieder. „Zu einem Zeitpunkt war es kurzzeitig sogar einsturzgefährdet.“

Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen. Aber es ist an diesem Tag ohnehin schwierig, einen Blick zu erhaschen – zumindest auf die reich gefüllte Theke. Denn in Windeseile füllt sich der kleine Laden mit Kunden, die voll Vorfreude die Produkte begutachten. Sabine (45) und Martin (47) Weideck haben ordentlich zugeschlagen. „Mit Hunger einkaufen gehen, ist immer fatal“, sagt Martin Weideck lachend und erklärt so die reiche Beute. Drei Packungen Hirschgulasch, Wildschwein-Leberwurst, Wildschwein-Schinken und Wildschwein-Kabanossi liegen in ihrem Korb. „Heute Abend machen wir gleich eine schöne Brotzeit“, sagt Sabine Weideck. „Und am Sonntag gibt es dann das Gulasch.“

Während das Ehepaar Weideck mit ihren Errungenschaften den Heimweg antritt, ist der kleine Laden schon wieder voll. Einstimmiger Tenor an diesem Nachmittag: Endlich kann man das Forstenrieder Wild auch kaufen! Viele Kunden sind selbst oft im Forstenrieder Park unterwegs, so wie Gabriele Reinbold. Die 60-Jährige geht dort walken. Auch sie ist gleich gekommen, um sich das Angebot anzusehen – und entscheidet sich für Schinken und Salami vom Wildschwein. „Das ist mal ein anderer Geschmack“, sagt sie. „Und außerdem ist es sehr nah und dadurch ungemein praktisch.“

Die Auswahl in der Vitrine ist vielfältig. Neben küchenfertigem Wildfleisch wie Rehschlegel (25 Euro/Kilo), Rehfilet (54 Euro/Kilo), Hirschgulasch (22 Euro/Kilo) und Wildschwein-Medaillons (56 Euro/Kilo) sowie Wildwurstwaren wie Wildschwein-Bacon (5,20 Euro für 200 Gramm), gibt es im Stadl auch Honig aus den heimischen Wäldern und weitere Waldprodukte. Auch die passenden Gewürze fürs Fleisch kann man hier kaufen. Wem die Zubereitung von Wildfleisch bisher noch fremd ist, der bekommt vor Ort hilfreiche Tipps und Rezeptideen.

Für die ganz faulen Köche gibt es auch Fertiggerichte im Glas wie servierfertiges Rehgulasch oder eine Wildschwein-Bolognese.

Wilhelm Seerieder ist sichtlich erleichtert über den erfolgreichen Start. Dennoch hält er sich mit Jubelstürmen noch zurück. „Die Zeit muss zeigen, ob sich der Stadl bewährt“, sagt er. Und mit einem verschmitzten Grinsen fügt er hinzu: „Aber ich denke, es schaut gut aus.“ Wilhelm Strassnig kann sich in jedem Fall vorstellen, in Zukunft öfter hier einzukaufen. „Aber natürlich nur, wenn’s auch schmeckt.“

Wildstadl in Forstenried

Der Laden an der Forstenrieder Allee 182 ist immer freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Nur Barzahlung möglich.

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