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Wiener Virologe ordnet aktuelle Corona-Welle ein

Hoch ansteckend und doch milder: Mit Omikron zur Herdenimmunität?

Virologe Prof. Dr. Norbert Nowotny zum aktuellen Pandemiegeschehen
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Professor Dr. Norbert Nowotny forscht am Institut für Virologie in Wien und steht uns im Interview Rede und Antwort zum aktuellen Pandemiegeschehen.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Milderer Verlauf und doch ansteckender: Omikron ist auf dem Vormarsch und lässt die Infektionszahlen nach oben schnellen. Ein Schritt zur Herdenimmunität und damit in Richtung Endemie? Virologe Professor Dr. Norbert Nowotny aus Wien ordnet die Lage für uns ein.

Herr Professor, die Zahlen steigen aktuell wieder wegen Omikron: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Herdenimmunität so schneller erreicht werden kann?

Es ist sicher ein erster Schritt in Richtung Herdenimmunität, wir werden sie durch Omikron aber nicht vollständig erreichen. Es bedarf nach wie vor Anreizen zur Impfung. Nur beides zusammen – eine hohe Durchimpfungsrate und Omikron-Infektionen – kann die Herdenimmunität herbeiführen.

Grundsätzlich mutieren Viren ständig - so wie das Coronavirus, das schon mehrfach mutiert ist. Kann es bei den ganzen unterschiedlichen Varianten überhaupt zu einer Herdenimmunität kommen?

Natürlich kann es das: Die Immunität hat zwei Arme. Der Eine ist die Antikörper-Bildung, relativ leicht im Labor festzustellen. Technisch schwieriger im Labor nachzuweisen ist hingegen der zweite Arm, eine gesunde zelluläre Immunität. Gerade diese ist wesentlich breiter aufgestellt und fast unabhängig von der Virusvariante. Eine gut aufgebaute zelluläre Immunität ist aber dadurch trotzdem gewährleistet.

Die aktuell vorherrschende Variante Omikron ist deutlich ansteckender, auch mehrfach Geimpfte infizieren sich: Trübt das möglicherweise die Motivation Ungeimpfter, sich überhaupt noch impfen zu lassen?

Hier muss genau kommuniziert werden, dass Ungeimpfte nach wie vor auch bei dem generell milderen Verlauf der Omikron-Variante im Gegensatz zu Geimpften einem höheren Risiko ausgesetzt sind, schwerer zu erkranken. Wir wissen, dass ein Dreifach-Geimpfter einen neunzigprozentigen Schutz besitzt vor Hospitalisierung und ein Zweifach-Geimpfter immerhin einen fünfzigprozentigen Schutz. Dass man sich infizieren kann ist möglich, aber normalerweise wird der Verlauf ein milder mit grippalen Symptomen. Zweifach- oder Dreifach-Geimpfte, die sich infizieren, werden wahrscheinlich einen sehr guten länger anhaltenden Immunschutz aufbauen. Ich rechne damit, dass diese Personengruppen erst im nächsten Herbst eine Auffrischungsimpfung benötigen könnten. Vorher wird es nicht nötig sein, einen vierten Stich zu setzen.

Sie sagen der Verlauf durch Mehrfach-Ansteckungen verläuft milder: Stecken sich viele an, findet das Virus irgendwann keinen Wirt mehr, oder?

Das stimmt schon. Aber die staatlichen Maßnahmen - und das ist auch richtig so - zielen auf eine Verlangsamung der Omikron-Welle ab. Solange wir nicht wissen, wie viele Patienten womöglich doch einen Klinikaufenthalt benötigen, müssen wir mit Vorsicht handeln. Der Blick darf aber nicht nur auf die Intensivstationen gerichtet werden. Omikron könnte auch auf den Normalstationen auftreten. Solange wir das nicht sicher wissen, müssen wir vorausschauend handeln. Ich bin auf alle Fälle dagegen, das Virus einfach durchlaufen zu lassen. Wir sehen in Großbritannien mit dieser Strategie, dass bereits 15 bis 20 Prozent des Krankenhauspersonals wegen Omikron-Infektionen ausfällt.

Zusammenfassend können wir festhalten: Omikron hat einen milden Verlauf, ist aber ansteckender als bisherige Varianten und könnte so durchaus rascher zu einer Herdenimmunität führen. Daraus resultiert die Frage, ob Omikron die Rettung aus der Pandemie sein könnte. Oder anders gefragt: Schafft sich das Virus möglicherweise selbst ab?

Nein, selbst abschaffen wird es sich nicht, das Virus wird immer bleiben. Es ist aber schon ein Schritt in Richtung Endemie und zurück zur Normalität. Omikron ist ansteckender und es infizieren sich mehr Menschen. Der Krankheitsverlauf jedoch ist deutlich milder. Das Virus ist immer auf der Suche nach einem Wirt. Eine hohe Sterberate und ein hohe Zahl Geimpfter würde dem Virus den Wirt nehmen und das ist nicht im Sinne des Virus. Das Virus möchte vielmehr möglichst viele anstecken, um sich so stärker zu verbreiten. Abschließend ein vager Blick in die Zukunft: Das Coronavirus wird endemisch und jeden Herbst/Winter als saisonales Virus wiederkehren.

Herr Professor, herzlichen Dank für das Gespräch und bleiben‘S gesund.

mb

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