Und wieder läuten sie ins Tal

Viehscheid in Oberstaufen. Die Almbauern treiben rund 1000 geschmückte Rinder von 16 Alpen ins Tal. Foto: dpa
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Viehscheid in Oberstaufen. Die Almbauern treiben rund 1000 geschmückte Rinder von 16 Alpen ins Tal. Foto: dpa

In den nächsten beiden Monaten geht’s für die Rinder nach 100 Tagen in den Bergen wieder zurück ins Tal. In Bayern wird das groß gefeiert. Vieh und Hirte hatten es diesen Sommer aber nicht gerade leicht.

Almsommer

In den nächsten beiden Monaten geht’s für die Rinder nach 100 Tagen in den Bergen wieder zurück ins Tal. In Bayern wird das groß gefeiert. Vieh und Hirte hatten es diesen Sommer aber nicht gerade leicht.

von Johanna pfingstl

München – Das war ein Sommer! Erst kalt und nass, dann heiß und trocken. Freilich brachte das auch auf den Almen einiges durcheinander. Zugegeben: „In den letzten Jahren waren wir etwas verwöhnt vom Wetter“, sagt Michael Honisch, der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu. Aber einen so trockenen Juli und August wie heuer gab es zuletzt 2003 und 2006.

Die ersten Probleme des Almsommers gab es schon vor dem Auftrieb. Die Almen – im Allgäu heißen sie Alpen – waren lange schneebedeckt, so dass die Kühe durchschnittlich erst eine Woche später auf ihre Weiden konnten. Bei den niedrigeren Landalpen war das um den 18. Mai der Fall. In die Hochalpen gelangten die Rinder erst Ende Juni. „Am Anfang war’s nicht schön“, sagt auch Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. In Sachrang (Kreis Rosenheim) unterspülte der Regen eine Forststraße, so dass der Auftrieb noch weiter verschoben werden musste.

Dann kam der Umschwung. „Anfang Juli hat es das letzte Mal geregnet“, sagt Michael Hinterstoißer. Es wurde trocken, und das Wasser wurde knapp. „Die Hirten mussten beim Umtrieb aufpassen, dass genügend Wasser vorhanden ist“, erklärt Honisch. Vereinzelt hat man zu den gut erreichbaren Almen sogar Wasser hinauf fahren müssen. Da im Juli wegen der Hitze das Gras auf den Wiesen regelrecht zu Heu wurde und im August fast kein neues Gras mehr wächst, gibt es auch jetzt noch Probleme. Eine Alm in Bayrischzell (Landkreis Miesbach) treibt die Tiere deshalb schon diesen Samstag ins Tal – drei Wochen früher als geplant.

Heuer grasten etwa 51 000 Rinder in Bayerns Alpen. 20 000 davon weiden auf 710 Almen in Oberbayern, 31 000 auf 689 Alpen im Allgäu. Um die 30 Kühe sind in diesem Jahr in Oberbayern verendet. „Das liegt im üblichen Bereich“, sagt Michael Hinter-stoißer. Trotzdem sind es weit mehr als 2012. Da gab es lediglich zwölf Verluste zu beklagen. Der Wert ist heuer auch deshalb so hoch, weil auf einer oberbayerischen Alm – wo, will Hinterstoißer nicht verraten – gleich zehn Rinder umgekommen sind. Sie sind, von Blitz und Donner verängstigt, in stark abschüssiges Gebiet geraten und abgestürzt. Im Allgäu kamen vergangenes Jahr 14 Rinder ums Leben. Im Jahr davor waren es 18. Die genauen Zahlen könne man im Allgäu erst nach dem Abtrieb nennen.

Jetzt beginnen in Oberbayern die ersten Almabtriebe. Die Tiere kommen nur geschmückt ins Tal, wenn es keine Verluste gab. In Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen) gibt’s schon jetzt Grund zur Freude: „Wir hatten heuer zum ersten Mal seit langem keinen Verlust“, sagt Peter Reindl, der Vorstand der Forst- und Weidegenossenschaft Mittenwald.

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