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„Mit Tier und Pflanze bin ich aufgewachsen“

Fast alle Nachbarn sind Landwirte: Thomas Müller spricht über Ausbaupläne in Region Miesbach

Lisa und Thomas Müller bei den German Masters 2019 in Stuttgart
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Thomas Müller und seine Frau Lisa sind begeisterte Pferdezüchter. (Archivfoto)
  • Carina Zimniok
    VonCarina Zimniok
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Thomas Müller ist bekanntlich nicht nur ein Fußballstar, sondern auch Pferdezüchter. Wie das trotz seiner jungen Jahre möglich und wie es mit dem Fußball vereinbar ist.

Wettlkam – Kein deutscher Fußballer hat mehr Trophäen gewonnen als er: Thomas Müller, der am Dienstag 33 Jahre alt geworden ist, ist der Profi auf dem Rasen. Auf der Pferdekoppel fängt er gerade erst an, ein Experte zu werden: „Als Züchter bin ich noch sehr jung, die besten Pferdezüchter sind meistens Mitte 80. Und das hat auch seinen Grund“, sagt Müller dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, mit dem er ausführlich über seine Pferdezucht spricht. „Erstens mal die Erfahrung und zweitens braucht es Zeit, um seine Vorstellungen dann auch umsetzen zu können.“ Und zwar viel Zeit: „Bis man die Vererbung eines Pferdes abschließend beurteilen kann, hat man graue Haare.“

Gut Wettlkam: Thomas Müller und seine Frau Lisa wollen Gestüt erweitern

Der Bayern-Profi bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau, der Dressurreiterin Lisa Müller, das Gut Wettlkam nördlich von Holzkirchen. Und das Gestüt soll noch ein wenig wachsen: „Wir haben im letzten Jahr viele Fohlen gekauft und haben dafür jetzt noch mal eine Außenstelle in Aussicht, die Ende des Jahres in Betrieb gehen soll, dann werde ich rund 25 Hektar haben“, schätzt Müller. Und er ergänzt: „Ein bisschen Fläche zum Galoppieren brauchen sie auch, die Nachwuchstalente.“

Thomas Müller ist ein Landkind, er ist in Pähl im Pfaffenwinkel groß geworden, sein Onkel hatte einen Milchviehbetrieb, ein anderer hat Schafe – „mit Tier und Pflanze bin ich aufgewachsen“, sagt er dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. Und auch jetzt sind fast alle seine Nachbarn Landwirte, zu vielen hat Müller Kontakt, wie er sagt.

Und auch er selbst beschäftigt sich mehr mit der Landwirtschaft als früher: „Als Kind oder Jugendlicher, da ging es bloß um Fußball. Jetzt geht es bei mir zwar auch hauptsächlich um Fußball, aber man macht sich doch Gedanken darum, wann ist der richtige Tag zum Heueinfahren. Man kriegt ein besseres Gefühl dafür, warum früher der Onkel nervös geworden ist, wann er sein Heu reintut. Damals habe ich gedacht, ja was tut er denn rum, das ist doch bloß a Gros. Heute weiß ich, dass einem das auch wichtig sein kann.“ Thomas Müller fieberte währenddessen der Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona entgegen, wollte aber auf einen bestimmten Ex-Kollegen nicht mehr angesprochen werden.

Video: Arbeiten für Bayern-Star? Pferdegestüt von Thomas Müller sucht Verstärkung

Thomas Müller über sein Pferdegestüt: „Vieh halten heißt 24/7“

Und Müller weiß auch, dass Landwirtschaft verpflichtet: „Vieh halten heißt 24/7, da kannst du nicht sagen, heute ist Sonntag. Da haben wir jetzt eben eher den Draufblick und das Verständnis, dass die Landwirte oft auch sonntags unterwegs sind beim Arbeiten.“

Das jüngste Projekt auf Gut Wettlkam ist die Hengst-Station. „Bis 2018 hatte ich nur drei Stuten, da war das noch sehr klein. Ich habe aber schon vor, dass ich das weiter ausbaue und vor allem, dass das Ganze von der Qualität her noch einmal in die richtige Richtung geht“, sagt er. Müller achtet vor allem darauf, dass der Körper des Pferdes auf den Sport ausgerichtet ist. „Ich will ein aktives und schnell abfußendes Hinterbein haben“, sagt er. Aber: „Worauf ich nicht achte, das ist die Farbe. Die Farbe ist mir persönlich völlig wurst.“

Gut Wettlkam: Pferdezucht für Thomas Müller ein emotionales Unterfangen

Bei der Zucht geht es oft um die großen Emotionen: „Wenn man mit Tieren arbeitet, dann ist da schon eine sehr große Bandbreite an Gefühlsachterbahn abgedeckt“, berichtet Müller. „Das beginnt bei der Freude über eine gelungene Geburt. Wir hatten aber auch schon einen Jährling, der hat über Nacht auf einmal Fieber bekommen, am Abend haben wir ihn in die Klinik fahren müssen und wieder einen halben Tag später ist er nicht mehr aufgestanden.

Und am Ende kann dir keiner sagen, trotz Pathologie und Co, wo jetzt eigentlich die Ursache lag. Freud und Leid ist da schon immer nah beieinander.“ Die Sahnehäubchen seien dafür, wenn Pferde aus der eigenen Zucht sportlich gut laufen. Und was Müller am meisten Spaß macht, sei das Begleiten der Tiere beim Aufwachsen. „Wenn so eine Jungpferdeherde über die Koppel galoppiert, der Boden so leicht bebt, das macht einfach Freude beim Zuschauen.“

Thomas Müller: So gut ist der Fußballstar selbst im Reiten

Müller selbst reitet übrigens eher selten. „Ich kann mich auf einem Pferd halten, ich weiß auch, wie ich bei einem Pferd, das das schon kann, Serienwechsel auslöse“, sagt er. „Aber stilistisch ist das Ganze noch deutlich zu hinterfragen. Und auf ein junges Pferd brauche ich mich auch nicht wirklich draufhocken.“ Ein Risiko besteht natürlich: Was ist, wenn der Pferdefreund Müller abgeworfen wird, sich verletzt – und der Fußballprofi deshalb ein Spiel des FC Bayern verpasst? Vertraglich sei ihm das Reiten erlaubt, sagt Müller. „Da bin ich relativ frei, aber klar, passieren sollte nichts. Das ist mir selber auch zu wichtig, dass ich auf dem Fußballplatz weiterhin fit bin. Aber in der Zukunft möchte ich meine Reitkünste weiter verbessern.“

Er sei noch nicht ganz sicher, in welcher Sparte, gesprungen sei er noch nie. Aber: „Irgendwann will ich auf ein Turnier gehen und mich diesem ganzen Prüfungsstress aussetzen, mal nachfühlen, wie das sich so anfühlt.“ Vielleicht wird aus dem Fußballprofi doch noch ein Reitstar.

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