Wetterchaos in Deutschland

Schnee und Glätte im Norden - Überschwemmungen in der Südhälfte: Zugausfälle, Unfälle und Hochwasser

Wetterchoas in Deutschland.
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Wetterchoas in Deutschland.
  • Markus Zwigl
    vonMarkus Zwigl
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Während der Norden Deutschlands mit Schneemassen zu kämpfen hat, steigt in der Südhälfte aufgrund des Tauwetters die Hochwassergefahr. In Hessen kam es bereits zu ersten Überschwemmungen.

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn ist in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Norddeutschlands von einem Wintereinbruch lahmgelegt worden. Mehrere Städte im Norden waren bis in die frühen Morgenstunden nicht mit dem Fernverkehr erreichbar, darunter Bremen, Kiel, Lübeck und Westerland, teilte die Deutsche Bahn mit.

Auf Strecken wie Hannover-Bremen, Hamburg-Bremen sowie Hamburg-Hannover wurde der Fernverkehr ebenfalls vorübergehend eingestellt. Der private Bahnbetreiber Metronom stellte wegen schwieriger winterlicher Witterungsbedingungen am Freitagabend seinen Zugverkehr in Niedersachsen gleich komplett ein. „Eisregen und Schnee haben große Teile der Eisenbahnstrecken in Niedersachsen lahmgelegt. Dies betrifft auch metronom, enno und erixx“, teilte das Unternehmen in Uelzen mit.

Chaos auch auf den Straßen

Auf den Straßen kam es auch zu zahlreichen Glätte-Unfällen, etwa in den Bereichen Lauenburg und Stormarn in Schleswig-Holstein oder in Mecklenburg-Vorpommern auf der A19 zwischen Waren und Röbel, wo ein Kleintransporter ins Schleudern geriet und von der Fahrbahn abkam. Allein in Schleswig-Holstein zählte die Polizei bis zum Freitagabend mehr als 70 Glätte-Unfälle. Im niedersächsischen Landkreis Peine krachte es witterungsbedingt 22 Mal innerhalb von 24 Stunden.

Im gesamten Landkreis Peine in Niedersachsen sorgte der plötzliche Wintereinbruch für teils chaotische Verhältnisse auf den Straßen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Starker Schneefall sorgte ebenfalls in Bremen für schwierige Straßenverhältnisse und lange Staus. Die Polizei rückte bis in die Nacht zu über 130 Verkehrsunfällen aus. Verletzt wurde niemand. Auf vielen Straßen blieb der Schnee liegen - zur Freude vieler Kinder, die in Bremen und Umgebung erstmals in diesem Winter ihre Schlitten einsetzen konnten.

Tödlicher Glätte-Unfall in Sachsen

In Reichenbach in Sachsen kam eine Skoda-Fahrerin (37) von der schneebedeckten Straße ab und geriet ins Schleudern. Ihr Wagen flog aus einer Linkskurve, drehte sich und krachte in den Gegenverkehr. Die Frau kam schwer verletzt ins Krankenhaus, starb dort am Freitagabend, wie bild.de berichtet.

Tauwetter sorgt für erste Überschwemmungen

Im Südwesten hingegen ließen Tauwetter und Regen das Rhein-Hochwasser am Samstag weiter steigen. Der Pegel in Speyer erreichte am Vormittag einen Stand von 6,06 Metern - für Sonntag erwartet das Hochwassermeldezentrum in Mainz einen Höchststand von 7,75 Metern. In Koblenz wurden am Samstag 4,99 Meter registriert.

In den vergangenen drei Tagen fielen laut DWD im Süden, Westen und der Mitte bis zu 50 Liter Regen auf den Quadratmeter. In Mittel- und Osthessen, der Eifel, im Schwarzwald und dem Allgäu waren es 50 bis 90 Liter. Zusammen mit der Schneeschmelze bis in die Hochlagen der Berge führte das vielerorts zu Hochwasser.

Büdingen im Wetteraukreis war von Überschwemmungen bereits am Freitag betroffen: Dort stand die Altstadt unter Wasser. Rettungskräfte holten Anwohner mit Schlauchbooten aus ihren Häusern. Auch ein Altenheim mit rund 100 Bewohnern musste geräumt werden.

Büdingen: Auch nach Einbruch der Dunkelheit wurden Bewohner mit einem Booten aus vom Wasser eingeschlossenen Häusern in der überfluteten Altstadt geholt. Der viele Regen und das Tauwetter haben die Hochwasserlage in Teilen Hessens deutlich verschärft

Erste Hochwasserwarnstufen auch in Bayern erreicht

Durch Schneeschmelze und Regen sind am Samstag auch in Bayern die Hochwasserwarnstufen eins und zwei in vielen Regionen erreicht worden. Bei solchen Überflutungen werden zumeist aber nur Felder oder Straßen unter Wasser gesetzt. Mitunter stieg das Wasser aber auch auf Stufe drei, wie der Hochwassernachrichtendienst des Umwelt-Landesamtes in Augsburg berichtete.

Bei Baunach (Landkreis Bamberg) musste die Feuerwehr am Freitag das Wasser eines übergelaufenen Weihers in einen Bach pumpen. In Rödental (Kreis Coburg) gab es einen Feuerwehreinsatz wegen einer überfluteten Straße. Im mittelfränkischen Fürth wurden zwei Straßen wegen Überflutung gesperrt.

Im schwäbischen Obermaiselstein trat am Freitag ein Bach über die Ufer. Das Wasser lief in den Keller eines Wohnhauses. Auch ein angrenzender Pferdestall sei unter Wasser gestanden, berichtete die Feuerwehr. Ursache der Überschwemmung sei jedoch nicht Hochwasser sondern ein Schneepfropfen an einer Brücke des Lochbachs gewesen, wodurch das Wasser nicht mehr richtig habe abfließen können. 

„Land unter“ wurde am Freitag auch in Neumarkt-St. Veit gemeldet. Dort trat die Rott bei Lamprechten über die Ufer.

Mögliche Überschwemmungen in Passau und Regensburg

Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg rechnete bis Sonntag in der Welterbestadt mit den Warnstufen zwei bis drei. Bei einem Donau-Hochwasser dieser Dimension ist die Regensburger Altstadt üblicherweise durch mobile Schutzwände gut abzuschirmen. Das durch die Schneeschmelze und Regen verursachte Hochwasser soll am Wochenende über die Donau ablaufen. Die Städte Regensburg, Straubing, Deggendorf und Passau bereiten sich deswegen auf mögliche Überschwemmungen vor. In Regensburg wurden erste Wiesen und landwirtschaftliche Flächen bereits überschwemmt.

Größere Überflutungen in den Ortschaften wurden zunächst aber nicht erwartet. Der Hochwassernachrichtendienst Bayern warnte allerdings: „Für die Donauprognose bleibt aber die weitere Entwicklung an den Zuflüssen noch abzuwarten.“

Wetterentwicklung könnte für Entwarnung sorgen

Die Regenfälle sollen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in der Nacht zum Sonntag allmählich in Schnee übergehen. Die Niederschläge würden nachlassen. Dadurch werde das Hochwassergeschehen in den betroffenen Regionen nicht weiter verschärft, heißt es im am Samstag veröffentlichten Lagebericht des Hochwassernachrichtendienstes.

In unserer Region ist die Situation laut dem Hochwassernachrichtendienst Bayern noch entspannt. Hier wurden noch keine Meldestufen erreicht.

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