Werben für den Bayxit

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... Florian Weber, Chef der Bayernpartei. Foto: fkn

NACHGEFRAGT BEI... Die Bayernpartei, einst mächtige Regionalpartei und beinharte Konkurrenz der CSU, wird 70.

Sie wurde am 28. Oktober 1946 gegründet und ist in den vergangenen Jahren zur Kleinpartei geschrumpft. Überragende Erfolge sind längst Geschichte. Doch Florian Weber, Angestellter, 53, Stadt- und Bezirksrat aus Bad Aibling, wittert Morgenluft. Ein Gespräch über den Weg zu einem eigenständigen Bayern.

-Wie geht’s denn der Bayernpartei?

Sehr gut. Wir sind im Aufwind.

-Aufwind?

Ja. Die Mitgliederzahlen gehen nach oben, in den letzten eineinhalb Jahren hatten wir netto über 1000 Neuzugänge und sind jetzt bei 6000 Mitgliedern. Auch bei den Wahlen geht es besser. Wir haben jetzt sechs Bezirksräte in Bayern, früher nur einen, und 100 Sitze in Stadt- und Gemeinderäten – doppelt so viele wie zuvor. Auch bei der letzten Landtagswahl 2013 haben wir unsere Stimmenzahl mehr als verdoppelt, lagen bei 2,1 Prozent.

-Mit Verlaub, in den 1950er Jahren ...

Ich weiß, was jetzt kommt. Ja, in den Fünfziger Jahren hatten wir bis zu 20 Prozent in Bayern. Da würden wir gerne wieder hin. Schon richtig. Ich will aber auf den großen Zeiten nicht mehr lange rumreiten, das ist Geschichte. Wir müssen nach vorne schauen. Die Akzeptanz steigt deutlich. Die Frage „Gibt’s Euch noch?“ wird immer weniger gestellt.

-An den Zielen der Bayernpartei hat sich wenig geändert, oder?

Wir wollen ein eigenständiges Bayern in einem vereinten Europa, das stand schon 1946 im Parteiprogramm. Es ist nach wie vor unsere Kernaussage. Aber natürlich würden wir uns auch ein anderes Europa wünschen, eines, das das Subsidiaritätsprinzip ernst nimmt und Aufgaben wieder nach unten delegiert. Im Gegenzug gibt es auch Bereiche, wo das natürlich keinen Sinn macht, etwa die Außen- und Sicherheitspolitik. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Bundeswehr uns verteidigen könnte ...

-Das heißt, Sie wollen auch noch eine bayerische Armee?

Das ist eine Notwendigkeit, wenn man einen eigenständigen Staat hat.

-Spinnen wir den Gedanken mal weiter. Ein Staatspräsident statt des Bundespräsidenten müsste auch her.

Das ist ein zweitrangiges Ziel. Wir stellen uns als erstes einen Volksentscheid über ein eigenständiges Bayern vor. Anschließend müsste über eine geänderte Bayerische Verfassung abgestimmt werden.

-Ein Bayxit also – nach Vorbild des Brexits in Großbritannien?

Ja, so ähnlich. So wie auch die Schotten, die nun wohl erneut die Abtrennung per Volksabstimmung erzielen wollen. Oder die Katalanen, die das für 2017 anstreben. Bayern wäre der neuntgrößte Staat in Europa, gemessen an der Wirtschaftskraft sind wir noch weiter vorne.

-Aber die Franken sollten schon dabei sein?

Ja natürlich. Die gehören dazu. Monarchistisch sind wir übrigens nicht. Das wird uns immer vorgehalten, aber das steht nirgends im Programm.

Das Gespräch führte Dirk Walter

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