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Wenn dem Richter fast der Geduldsfaden reißt

Landrichter Thomas Denz ist kein Mann, dessen Nerven man über Gebühr strapazieren sollte. Doch Abdullah S.

(36) ist gefährlich nah dran: Denz hatte dem wegen Schmuggels Angeklagten zu Beginn seines Prozesses einen Deal über das Strafmaß angeboten – und droht nun kurz vor der Urteilsfindung, ihn platzen zu lassen. Denn Abdullah S., der berauschende Kräutermischungen am Zoll vorbei nach Deutschland gebracht haben soll, hat noch immer nicht den vereinbarten Teil seiner Steuerschulden zurückgezahlt.

Wie berichtet verkaufte der 36-Jährige, der sich selbst gern einen Geschäftsmann nennt, von München aus die Kräutermischung „Sweet“ und das Badesalz „Freedom“ – beides sind Drogenersatzstoffe, die für sich genommen zum damaligen Zeitpunkt legal waren. Doch weil Abdullah S. die Zutaten an Zoll und Finanzamt vorbei aus China nach Deutschland schmuggelte, sitzt er seit Mitte September auf der Anklagebank. 117 000 Euro schuldet er dem Staat, 33 000 Euro hat er mittlerweile gezahlt. Vereinbart war: Zahlt S. weitere 20 000 Euro ab, kann er mit einer Haftstrafe von höchstens drei Jahren und drei Monaten rechnen. Dahinter steckt der Gedanke, der Staatskasse möglichst viel Geld zu sichern, bevor S. ins Gefängnis wandert. Doch jetzt, knapp drei Wochen nach Prozessbeginn, ist das Geld immer noch nicht da – und Thomas Denz reicht’s. „Ich sage Ihnen klipp und klar: Wenn keine Zahlung erfolgt, werden wir uns nicht an die Vereinbarung halten“, wütete er gestern.

Abdullah S. und sein Anwalt Peter Pospisil schwören hingegen, dass das Geld angewiesen sei: „Die Bank ist in der Schweiz, vielleicht gab es da Verzögerungen“, argumentierte Pospisil und präsentierte eine Bestätigung des Geldinstituts. „Das werden wir so nicht akzeptieren“, schoss Denz zurück. „Nur Bares ist Wahres.“ Überhaupt habe der Angeklagte Glück, dass er ohne Kaution auf freien Fuß gekommen sei: „Wenn ich Staatsanwalt gewesen wäre, wären sie unter 100 000 Euro nicht rausgekommen. Die hätten wir nämlich jetzt einziehen können.“

Auch die Staatsanwaltschaft, die in diesem Prozess schon einige Seitenhiebe des Richters hinnehmen musste, ist am Ende ihrer Geduld – denn die Ankläger haben den Verdacht, dass S. noch Geld versteckt hält, das er mit den Drogenersatzstoffen verdient hat. „Irgendwo muss es ja sein“, sagte der Staatsanwalt gestern. Zwar habe Abdullah S. vor Gericht ausführlich ausgesagt. „Aber in dem Bereich, wo es interessant wird und wo wir als Ermittler nicht hinkommen, sagt er nichts.“ Am Ende gelang es Verteidiger Pospisil, noch eine letzte Gnadenfrist für seinen Mandanten zu erreichen („Er kann es auch nicht aus dem Hut zaubern“): Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt – allerdings muss Abdullah S. nun noch weitere 10 000 Euro (insgesamt also 30 000 Euro) berappen, bestimmte Denz. „Aber dann ist Schluss mit lustig.“ A. Gerke

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