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Bayern boomt im Süden - großes Minus im Norden

Welche Landkreise schrumpfen, welche Landkreise wachsen? So schaut Bayern im Jahr 2040 aus

  • Kathrin Brack
    VonKathrin Brack
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Wo wächst Bayern, und wo schrumpft es? Klar ist: Insgesamt besehen wird die Bevölkerungszahl des Freistaats weiter zunehmen. Doch es gibt deutliche regionale Unterschiede.

Fürth – Für den Blick in die Zukunft brauchen Thomas Gößl und seine Mitarbeiter keine Glaskugeln oder Kaffeesatz. Das Landesamt für Statistik begründet seine Prognosen auf Zahlen und Wahrscheinlichkeiten. Einmal im Jahr blicken die Statistiker von Franken aus 20 Jahre in die Zukunft. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stellte die Ergebnisse der aktuellen Berechnung gestern gemeinsam mit Thomas Gößl vor. Ausgehend von den Kalkulationen ergibt sich die Grundlage für Entscheidungen, „aber auch die Möglichkeit, Entwicklungen entgegenzusteuern“, betonte Herrmann. Doch wie wird Bayerns Bevölkerung im Jahr 2040 aussehen? Und was bedeuten diese Entwicklungen? Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Bayern wird weiter wachsen

Der Trend setzt sich fast ungebremst fort: Die Zahl der Menschen, die im Freistaat leben, wird in den kommenden 20 Jahren weiter steigen – wenn auch nicht überall gleich stark. Zum Jahresende 2020 zählte Bayern 13,14 Millionen Einwohner. 2040 werden es rund 13,66 Millionen sein, das sind 518 000 oder 3,9 Prozent mehr. „Bayern ist und bleibt ganz offensichtlich sehr attraktiv“, konstatierte der Innenminister folgerichtig. Abwanderungstendenzen gebe es in keinem der sieben Regierungsbezirke.

Bevölkerungsentwicklung in den kreisfreien Städten und Landkreisen Bayerns.

Die regionalen Unterschiede bleiben

Am meisten Menschen leben heute in Oberbayern, und das wird auch in 20 Jahren noch so sein. So werden aus 4,7 Millionen Einwohnern im Jahr 2020 über 5 Millionen im Jahr 2040. Das entspricht einem Plus von 6,9 Prozent. Die Landeshauptstadt soll 2040 etwa 1,61 Millionen Einwohner zählen – 122 000 mehr als heute. Aber auch Niederbayern (plus 5,3 Prozent) und Schwaben (plus 6,2) werden kräftig wachsen. Während Mittelfranken (plus 2,3) und die Oberpfalz (plus 2,1) leicht zulegen, deutet in Unterfranken (minus 1,5) und Oberfranken (minus 3,5) alles auf einen Rückgang hin.

Bayern kann nur durch Zuzug wachsen

Bayern profitiert vor allem vom Zuzug aus dem Ausland, „er macht den größten Teil der Bevölkerungsbewegungen aus“. Und das trotz der Corona-Pandemie, die die Zahl der Zuzüge vor allem aus dem Ausland kurzfristig zurückgehen ließ. Betrachtet man nur die natürliche Bevölkerungsbewegung, also Geburten und Sterbefälle, würde Bayern sogar schrumpfen statt wachsen. „Ohne Zuwanderung“, so Herrmann, „kann Bayern nicht ausgleichen, dass deutlich mehr Menschen sterben als geboren werden.“ Die

Bayern werden älter

Dass sich die Altersstruktur im Freistaat verändern wird, ist ebenfalls eine Entwicklung, die sich fortsetzt. Das Durchschnittsalter der Bayern wird in den kommenden 20 Jahren um anderthalb Jahre steigen: von 44 auf 45,5 Jahre. „Diese Entwicklung hat besonders starke Auswirkungen und ist wichtig für unsere Planung“, meinte der Innenminister.

Vor allem die Politik müsse sie einkalkulieren: „Es ist wichtig zu wissen, ob wir mehr Kindergärten bauen müssen oder mehr Seniorenheime.“ Denn es wird deutlich mehr alte Menschen geben als junge: Die Zahl der unter 20-Jährigen steigt nur um 157.000 an, die der Menschen ab 65 Jahren dagegen um 771.000. Die meisten Zuziehenden seien zwar jünger, so Herrmann weiter, ziehen aber vorwiegend in die Ballungsräume. Bis 2040 werden zudem die Babyboomer der 1950er- und 1960er-Jahre in Rente sein, und auch das werde den Freistaat verändern. „Auf 100 Erwerbstätige werden bei einem Rentenalter von 67 Jahren 40 Rentner kommen“, rechnete Herrmann vor. „Im Jahr 2020 lag dieses Verhältnis bei 34 zu 100. Der Unterschied wird sich bemerkbar machen.“ Bei einem Eintrittsalter von 65 Jahren müssten 100 Erwerbstätige sogar 46 Rentner mit ihren Beiträgen finanzieren.

Ländliche Regionen können aufholen

Nicht alle Regionen Bayerns profitieren gleichermaßen vom Zuzug. So waren es in der Vergangenheit vor allem der Süden und die Ballungszentren, die Neubürger anzogen. Der Blick in die Vergangenheit beweist aber auch, dass sich solche Trends nicht ungehindert fortsetzen müssen. „Unsere Aufgabe ist, das nicht schicksalhaft hinzunehmen“, sagte Joachim Herrmann. Im westlichen Mittelfranken habe sich die Prognose von vor zehn Jahren beispielsweise umgekehrt. „Damals zeigte die Karte noch einen zu erwartenden Bevölkerungsrückgang an.“

Inzwischen haben sich die Zahlen stabilisiert, die Tendenz ist positiv. Herrmann: „Es geht darum, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Zukunft so zu gestalten, dass es letztlich anders kommt, als es jetzt prognostiziert wird.“ Das Ziel seien gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern. Durch die Verlagerung von Behörden weg von den aktuellen Boom-Regionen will die Staatsregierung die Menschen zurück aufs Land ziehen. Helfen könnte dabei die Tatsache, dass verstärkt durch die Pandemie immer mehr Bayern inzwischen von zu Hause arbeiten können. Die Hoffnung ist, dass der ländliche Raum so und durch Investitionen in die Infrastruktur attraktiver wird. Und damit auch das Leben für die Menschen in den heutigen Ballungsräumen positiv beeinflusst wird.

Kathrin Brack

Rubriklistenbild: © dpa/merkur/bildcollage red.

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