Weiße Impressionen

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Herbert Schneider

An dieser Stelle schreibt jeden Samstag unser Turmschreiber

Heimatkolumne

Leise rieselt der Schnee. Rieselte er laut, würde er wohl auf den Boden knallen. Dieser Tage haben wir wieder beobachten können, wie er behutsam sein weißes Leintuch auf Wiesen, Wälder, Dächer gebreitet hat. Nie hätte sich Frau Holle träumen lassen, dass er einmal mit Kanonen auf Berghänge katapultiert wird, damit Pistenhirsche und Skihaserl ihrer Wedel-Lust frönen können.

Zwoa Brettl samt gführign Schnee juche halten Skifahrer für die höchste Idee. Mancher lernts zwar nie, des Fahrn mit de Ski, doch zumindest der Hans der kanns, alten Schlagern zufolge. Zu heftiger Schneefall kann freilich auch Kommunen und Hausbesitzer verdrießen, sie teils zu kostspieligen Räumdiensten, teils zu Selbstentsorgung nötigen. So manche Marotte und Facette des Schnees – grüne Weihnachten lassen grüßen – hat der Schwager im Laufe seiner schon erlebten Winter ausgeschlachtet.

Als zum Beispiel Mädchenhaare vom Schnee weiß gefärbt wurden, hatte ein Amigo seine Maid in Gedanken schon als immer noch liebenswerte weißhaarige Oma vor Augen gehabt. Einmal reimte er von einem fürwitzigen Schneeflöckerl, das, um sich zu wärmen, in eine geöffnete Tüte mit heißen Maroni geschlüpft war und alsbald zu einer bitteren Träne zerrann, mit der folgenden Bitte an künftige Schnabulierer: „Ihr Leitl, deats wieder Maroni kaaffa, halts d’Düttn zu!“

Petrus ließ er einmal Gäste einer Skihütte, denen dieser tagelang die Abfahrt verregnet hatte, mit harschen Versen anflehen, die Pisten endlich wieder mit Schnee zu tapezieren. Und bei verschneiter Landschaft empfahl er einst, sich von Kopf bis Fuß schwarz einzukleiden, um so als markante Kontrastperson durch die weiße Glitzerwelt zu stapfen. Noch eine notierte Tatsache, der Erderwärmung geschuldet: „Wenn d’Frau Holle ihr Bett schüttelt, müaßma neiadings immer öfter an Regnschirm aufspanna!“ Als kleinen Nachschlag schmückt sich der Schwager ausnahmsweis mit fremden Federn, einen aufgeschnappten, zur weißen Thematik passenden Spruch von seiner Turmschreiber Kollegin Monika Pauderer: „Der Schnee von gestern ist der Matsch von heute!“

Wenn wir demnächst wieder in festes Schuhwerk schlüpfen müssen, wird er ihr mit „recht hast ghabt, Monika“ beipflichten.

Maßgeschneidert

An dieser Stelle schreibt jeden Samstag unser Turmschreiber

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