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„Ich komm‘ zu Dir jetzt, ich bring Dich um“

Nach 65 gemeinsamen Jahren: Mann (85) erwürgt pflegebedürftige Ehefrau in Oberbayern

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Ein 85 Jahre alter Mann hat vor dem Landgericht München II zugegeben, seine pflegebedürftige Ehefrau nach 65 gemeinsamen Jahren getötet zu haben. „Ich bereue es jeden Tag“, sagte er in einer Erklärung, die sein Verteidiger am Dienstag vor Gericht verlas - und „dass ich es mir nicht verzeihen kann, was ich meiner Frau an diesem Tag angetan habe“.

München/Weilheim - Er kann sich noch genau daran erinnern, wie das losging damals mit seiner Frau: An einem regnerischen Tag sei das gewesen. „Sie hatte keinen Schirm dabei und ich habe sie gefragt, ob ich sie nach Hause bringen darf.“ Mehr als sechs Jahrzehnte später sitzt der 85-Jährige vor Gericht, weil er diese Frau, in die er sich damals verliebte, umgebracht hat - nach 65 gemeinsamen Jahren, an „diesem verhängnisvollen Tag“.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag vor. Er soll mit der Pflege der Frau, die nicht mehr für sich selbst sorgen konnte, überfordert gewesen sein. „Ich komm‘ zu Dir jetzt, ich bring Dich um“, sagte der Angeklagte demnach, bevor er seine Frau am 10. Juli dieses Jahres erst mit einem „Knobkierie“ - einem afrikanischen Schlaginstrument, ein Souvenir aus einem gemeinsamen Aufenthalt in Südafrika - geschlagen und sie dann in der gemeinsamen Wohnung im oberbayerischen Weilheim erwürgt haben soll, „um diese nicht mehr pflegen zu müssen und um zu verhindern, dass er sie hilflos zurücklassen könnte“.

„Nachdem der Angeschuldigte gemerkt hatte, dass die Geschädigte keine Gegenwehr mehr leistete, kniete er sich neben ihr nieder und drückte ihr am Hals die Luftzufuhr ab, bis auch das verbliebene Röcheln verstummt war“, so die Anklage. Danach soll der Mann seinen Kopf gegen die Metallkante einer Wand geschlagen und so versucht haben, auch sich selbst das Leben zu nehmen.

Nach einer Hirnblutung habe seine Frau gesundheitliche Probleme gehabt, den Haushalt nicht mehr führen können und sei geistig nicht mehr klar gewesen, sagte der Angeklagte, der sich anscheinend nicht für schuldfähig hält. „Für mich war es so, als sei ich ein Getriebener von unbekannter Macht“, hieß es in seiner Erklärung, die sein Verteidiger verlas.

Darin ist auch von einer „Symbiose“ mit seiner Ehefrau die Rede, der einzigen Frau, die er in seinem Leben je hatte. Eine perfekte Hausfrau sei sie gewesen: „Die Unterwäsche war gebügelt, das Mittagsessen stand auf dem Tisch“, so habe er das jahrzehntelang gekannt - bis es dann nach der Hirnblutung anders wurde. Seine Frau habe nicht mehr gewusst, dass man zum Kochen von Kartoffeln Wasser brauche, da sei ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Und auch nach der Diagnose und einem Krankenhausaufenthalt sei das nicht wieder besser geworden.

„Wenn ich gesagt habe, bring mir mal Unterwäsche - das war eben so in unserer Generation - dann brachte sie mir Damenunterwäsche“, beschreibt der Mann die Situation in der gemeinsamen Wohnung im oberbayerischen Weilheim. „Ich habe zum ersten Mal ungebügelte Hemden angezogen.“

Bis dahin hätten sich die beiden, die keine Kinder und auch sonst kaum Familie haben, perfekt ergänzt - klassische Rollenverteilung inklusive. „Mann und Weib ein Leib“, heißt es in der Erklärung des Angeklagten. Die Verbindung sei so eng gewesen, dass es „kaum vorstellbar war, ohne den anderen jemals zu leben“. In der Justizvollzugsanstalt Stadelheim habe ihm zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Friseur die Haare geschnitten - bis dahin habe das immer seine Frau getan.

Nur vier Tage nach der Tat, am 14. Juni, hätte er eigentlich einen Termin in einem Altersheim gehabt, um dort einen Vertrag für die beiden zu unterschreiben. Warum es dann wenige Tage vorher zu der Tat kam, das könne er sich selbst nicht erklären, sagt der alte Mann.

mz/dpa

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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