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Tradition in Bad Reichenhall

Was hat Corona mit der Pest gemeinsam? Den Tanz der Pfannenflicker

Der Tanz der Pfannenflicker (Archiv)
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Der Tanz der Pfannenflicker (Archiv)
  • Nina Praun
    VonNina Praun
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Festlich gekleidete Handwerker tauchen in der Region auf, samt seltsam anmutenden Frauen, und fangen an zu tanzen. Es sind die „Pfannenflicker“, die einst das Ende der Pest feierten. In diesen Tagen tanzten sie wieder in Bad Reichenhall – zum Ende von Corona. Was genau dahintersteckt.

Bad Reichenhall – Es war das Jahr 1740. Die Pest war überstanden, vor Jahren schon. Doch die Menschen waren immer noch bedrückt und ängstlich, die Angst vor einer Ansteckung war immer noch groß, viele mieden immer noch Menschenansammlungen. Es brauchte also einen Anlass, eine Art Aufforderung, um die Menschen wieder ins Leben zurückzuholen. Diese Aufforderung übernahmen in Bad Reichenhall die Pfannenflicker – mit viel Witz, ein wenig Verkleidung, und einem fröhlichen Tanz.

„Die Pfannenflicker waren damals sowieso immer unterwegs“, erzählt Peter Moosleitner. Der 65-Jährige aus Piding (Kreis Berchtesgadener Land) ist seit fast 50 Jahren bei den Reichenhallern Pfannenflickern, seit 2010 ist er ihr Zunftmeister. Die Pfannenflicker sind mittlerweile eine Tanzgruppe; doch damals, 1740, war es noch eine eigene Zunft. „Es waren Kupferschmiede“, erklärt Moosleitner, „die die Sudpfannen der Saline reparierten.“ Wobei „Pfanne“ ein etwas irreführendes Wort ist: Es waren große Becken, in denen die Sole verdampft wurde, um daraus die Salzkristalle zu gewinnen. Die Pfannenflicker wurden aber nicht ständig in der Saline gebraucht, und so zogen sie von Haus zu Haus, um auch dort ihr Handwerk anzubieten. Sie waren also viel unterwegs und kontaktfreudig. „Das waren einfach lustige Leute“, sagt Moosleitner.

Tanz wird zur Tradition

Und so waren sie es, die beschlossen, der bedrückenden Stimmung nach der Pest ein Ende zu machen. Die eine Hälfte der Männer machte sich fesch, die andere verkleidete sich als Frauen, samt schwarzem Kleid, weißer Schürze und Häubchen. Zusammen führten sie einen fröhlichen Tanz auf; ähnlich wie die Schäffler in München. „Damals ist einfach so mancher Spaß getrieben worden“, erzählt Moosleitner. Das Ganze kam offenbar gut an, und so wurden die Tänze regelmäßig aufgeführt, selbst dann noch, als die Zunft der Pfannenflicker verschwand.

Mittlerweile sind die „Pfannenflicker“ eine Untergruppe des Trachtenvereins Alt-Reichenhall. Moosleitner etwa war einst Vorplattler, und ist so zur Pfannenflicker-Truppe gekommen. Ein Gefühl für Rhythmus und Melodie ist wichtig, denn die Tänze, die die Truppe aufführt, sind nicht ganz einfach. Es sind echte alte Reigentänze, erklärt der Zunftmeister: Der Verein hat Unterlagen aus dem Jahr 1800, in denen die Musik und die Tanzschritte genau notiert sind. Doch die Tänzer sind allesamt alte Hasen, die ihre Schritte kennen. „Wir sind erfahrene Tänzer“, sagt Moosleitner. „Dieses Mal haben wir nur drei Proben gebraucht.“

Verschiebung wegen Corona

Eigentlich finden die Tänze alle vier Jahre an Fasching statt, doch wegen Corona mussten sie dieses Jahr verschoben werden. Stattfinden sollten sie aber auf jeden Fall, sagt Moosleitner: „Das müssen wir durchziehen“, waren sich die Pfannenflicker einig. Denn auch dieses Jahr gilt es, das Ende einer Pandemie einzuläuten, mit etwas Witz und Freude. Ganz wie damals – vor fast 300 Jahren.