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Zwischen „Panikmache“ und wichtiger Warnung

Warum Unwetter so unberechenbar sind und was heißes Wasser und ein Fischernetz damit zu tun haben

Ein Mann hält nach einem Unwetter golfballgroße Hagelkörner in der Hand. (Symbolbild)
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Ein Mann hält nach einem Unwetter golfballgroße Hagelkörner in der Hand. (Symbolbild)
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Es ist ein typisch sommerliches Phänomen: In einem Ort vollgelaufene Keller, im Nachbarort nicht mal ein Tröpfchen. An dem einen Tag kommt die Unwetterwarnung zu spät, am anderen wird sie als „unnötige Panikmache“ betitelt. Doch warum ist es eigentlich so schwer, heftige - zum Teil verheerende - Unwetter exakt bzw. genauer hervor zusagen?

Bayern - „Wo sind denn jetzt eure Gewitter?“ - eine Frage, die nicht nur Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes so oder so ähnlich auf den unterschiedlichsten Kanälen immer wieder erreicht. Meistens ist das der Fall, nachdem eine Vorabinformation vor schweren Gewittern herausgegeben wurde. Sie dient als Hinweis darauf, dass in der betroffenen Region erhöhtes Potenzial für die Entwicklung heftiger Gewitter gegeben ist und Menschen sich darauf vorbereiten können. Wo sie dann aber tatsächlich genau auftreten, weiß man schlicht nicht, gibt der Deutsche Wetterdienst offen und ehrlich zu.

Atmosphäre ein chaotisches System

Die Atmosphäre ist ein chaotisches System. Kleinste Unterschiede oder Unsicherheiten in den Anfangsbedingungen können nach einiger Zeit zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen“, erklärt der Präsident des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Adrian, schon seit mehreren Jahren. „Gewitter stellen uns immer noch vor die Grenzen der Vorhersagbarkeit“, bestätigt auch Georg Haas, Meteorologe bei wetter.com. Zwar wisse man, unter welchen Bedingungen in einer Region Gewitter entstehen können – „aber welche Orte genau betroffen sein werden, das können wir erst kurz vorher sagen“.

Veranschaulicht werden könne dies mit einem Topf kochenden Wassers, erklärt der Experte: „Stellt man einen Topf auf eine heisse Herdplatte, weiss man, dass es sich erhitzen und Blasen werfen wird. An welcher Stelle aber die nächste Dampfblase aufsteigt, das lässt sich nicht vorhersagen.“

Kochtopf und Fischernetz

Auch der Deutsche Wetterdienst sagt, dass eine Prognose, wann und wo Gewitter exakt auftreten, im Prinzip nicht möglich ist, da Gewitter besonders in ihrer Entstehung sehr kleinräumige Wetterphänomene, die „von unseren Wettermodellen nur schlecht aufgelöst werden können“, sind.

„Das kann man ganz grob mit einem Fischernetz vergleichen: Je kleiner die Maschen des Netzes sind, desto kleinere Fische kann man fangen. Beträgt die Maschenweite zwischen zwei Knoten z.B. 50 Zentimeter, wird man Schwierigkeiten haben, einen Goldfisch zu erwischen. Ähnlich verhält es sich mit den Wettermodellen. Das hochauflösende Wettermodell des DWD (ICON-D2) hat aktuell eine Maschenweite von Knoten zu Knoten von 2,2 km. Gewitter sind aber vor allem während ihrer Entstehung deutlich kleiner (wenige Hundert Meter Durchmesser). So ist es nicht selten, dass bei Gewittern in einem Stadtteil die Keller ausgepumpt werden müssen, während es im benachbarten Stadtteil trocken bleibt“, so die Ausführung der Experten.

Messungenauigkeiten und andere Probleme

Nun könnte man doch einfach die Maschen des Netzes enger ziehen? Aber so simpel ist die Angelegenheit nicht. Auf der einen Seite würden dann aufgrund des deutlich höheren Rechenaufwands wohl sogar die Spezialrechner des DWD die weiße Fahne schwenken, auf der anderen Seite gibt es noch weitere Faktoren - wie Messungenauigkeiten, zu geringe globale und regionale Messdichte etc. -, die die Wettervorhersage im Allgemeinen und damit auch die Gewitterprognose beeinträchtigen.

Was man dagegen meist recht gut vorhersagen kann, ist zum einen die Region, in der Schauer und Gewitter auftreten können und zum anderen das Potenzial der Luftmasse und die damit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Starkregen, Böen und Hagel. 

mz

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