Nach Panne bei Coronatests in Bayern: 46 positiv Getestete immer noch nicht gefunden

Coronavirus-Teststation an einer Autobahn.
+
Coronavirus-Teststationen an der A8 und der A93 führten viele Tests durch. Doch die Übermittlung der Ergebnisse verzögert sich.

Nach der Test-Panne trug Bayern weiter unter Hochdruck die genauen Zahlen zusammen. Nach mehreren selbst gesetzten Fristen kamen dann am Sonntag die Zahlen. Die Erkenntnis: 46 positiv Getestete sind noch nicht aufgespürt. Und möglicherweise sind sie nicht in Quarantäne.

Update 16. August, 14.47 Uhr

Nach Bayerns Testpanne 46 positiv Getestete noch nicht gefunden

München (dpa) - Im Zuge der Probleme an bayerischen Corona-Teststationen sind immer noch nicht alle positiv Getesteten gefunden: Von 46 fehlte auch am Sonntag noch jede Spur. Bei 903 der insgesamt 949 nachgewiesenen Infektionen wurden die Betroffenen bis dahin ermittelt und - mit teils wochenlanger Verzögerung - informiert. Bei 46 sei dies bisher nicht gelungen, teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit.

«Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat mit großartiger Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei unter Hochdruck daran gearbeitet, die positiven Befunde den Getesteten zuzuordnen. Das ist in den meisten Fällen gelungen», sagte Huml. Allerdings hatte sie am vergangenen Mittwoch, kurz nach Bekanntwerden der Panne erklärt, die Betroffenen sollten bis Donnerstagmittag informiert werden. Danach verstrichen drei Tage und mehrere Fristen, bis zu der ihr Ressort die Öffentlichkeit informieren wollte.

Insgesamt waren 44.000 Testergebnisse aus dem Zeitraum bis zum 11. August nicht in der vorgegebenen Zeit den Getesteten mitgeteilt worden. Die Panne hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil die Gefahr besteht, dass positiv Getestete ohne Wissen über ihre Infektion zahlreiche weitere Menschen angesteckt haben könnten. Die positiv Getesteten kamen nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht ausschließlich aus Risikogebieten und waren insofern auch nicht zwingend zu einer zweiwöchigen Quarantäne nach ihrer Einreise nach Deutschland verpflichtet.

+++

Die Erstmeldung vom 15. August

München/Berlin (dpa) – Die Gesundheitsbehörden in Bayern waren auch am Samstag nicht in der Lage, das Problem bei der Benachrichtigung von positiv auf das Coronavirus getesteten Urlaubsrückkehrern zu lösen. Die Zahlen, die unter anderem darüber Auskunft geben sollen, wie viele der positiv Getesteten ihr Ergebnis nun inzwischen erfahren haben, sollen nun am Sonntagnachmittag bekanntgegeben werden. Das sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am Samstag.

Staatsregierung lässt mehrere selbst gesetzte Fristen verstreichen

Ursprünglich hatte die Staatsregierung erklärt, bis Donnerstagmittag soll jeder der positiv Getesteten sein Ergebnis kennen. Diese Deadline verstrich, mehrere weitere am Freitag und Samstag ebenfalls. Es müssten noch «weitere Details» geklärt werden, hieß es.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Ergebnisse von 44.000 Tests, die meist an den mobilen Testzentren an Autobahnraststätten von Urlaubsrückkehrern genommen worden waren, noch nicht bei den Betroffenen gelandet waren. Darunter sollen auch mehr als 900 positive Tests sein.

Unerwartet große Zahl von Menschen lässt sich auf Corona testen

Die Nachricht hatte ein politisches Erdbeben ausgelöst, weil die Infizierten Tausende weitere Menschen mit dem Coronavirus anstecken könnten, ohne es zu wissen. Die Regierung hatte die Probleme auf fehlende Software und eine unerwartet große Zahl von Freiwilligen zurückgeführt, die sich den Tests unterzogen hatten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte einen für Donnerstag und Freitag geplanten Besuch an der Nordsee abgesagt.

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland bleibt unterdessen weiterhin hoch. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Samstagmorgen 1415 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Wie das RKI weiter mitteilte, sinkt die Zahl der Kreise ohne Neuinfektionen kontinuierlich. In den vergangenen 7 Tagen seien aus 24 Kreisen keine Fälle übermittelt worden. Mitte Juli waren es demnach noch 125 der rund 400 Kreise und kreisfreien Städte.

Außenminister äußert sich zu Testpannen in Bayern

Außenminister Heiko Maas Maas warnte davor, die Lage zu unterschätzen. Es müsse in Deutschland alles getan werden, damit es keine zweite Corona-Welle gebe. «Für Großveranstaltungen etwa ist es definitiv noch zu früh. Und: Masken mögen gerade bei der Hitze lästig sein. Aber sie helfen, um die Ausweitung des Virus zu verlangsamen, und sind immer noch deutlich besser, als drastischere Einschränkungen», sagte der SPD-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Samstag).

Die Panne in Bayern bei Corona-Tests Reisender habe zu weiteren Infektionen geführt, warnte Maas, der auch auf Äußerungen von Ministerpräsident Söder einging. «Mehr Sorgen als um das Image von Herrn Söder mache ich mir um alle, die nicht wussten, dass sie infiziert waren. So konnten sich durch die Testpannen in Bayern weitere Menschen mit Corona infizieren», sagte Maas.

Auch andere Bundesländer kämpfen mit Verzögerungen

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sprach sich unterdessen für deutschlandweite Testzentren aus. Bayern plant bereits in Kürze flächendeckend Corona-Testzentren. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt sollen solche Zentren eingerichtet werden, wie das bayerische Kabinett vergangene Woche beschlossen hatte. Testzentren gibt es in ganz Deutschland unter anderem bereits an Flughäfen und Bahnhöfen.

Lesen Sie auch:

Coronavirus: Mehr Neu-Infektionen in der Region und eindringliche Warnungen vor zweiter Welle

Wie in Bayern kommt es auch in Rheinland-Pfalz zu Verzögerungen bei der Übermittlung von Ergebnissen der Corona-Tests - etwa in Trier. Es sei schwer zu schaffen, alle negativen Befunde zeitnah herauszugeben, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes für Trier und Trier-Saarburg, Harald Michels, der Deutschen Presse-Agentur.

Brandenburgs Ministerpräsident mahnt zu einheitlichem Vorgehen

Das liege auch daran, dass alles mit Papier gemacht werde. Alle positiven Fälle seien aber sofort informiert worden - «da sind wir ganz nah an den Leuten», sagte Michels. «Das ist hier nicht so wie in Bayern. Wir schaffen es nur nicht, die negativen Befunde zeitnah rauszugeben.»

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rief derweil die Länder zu einer engen Zusammenarbeit bei Corona-Regeln auf. «Es war sehr wirkungsvoll für Deutschland, dass sich die Länder im März und April sehr eng mit der Bundesregierung abgestimmt haben», sagte der amtierende Bundesratspräsident. Er kritisierte, dass einzelne Länder mit eigenen Vorschlägen nach vorn gingen, nannte aber keine Namen. «Das permanente Vorpreschen mancher Bundesländer hilft aber allen nicht, weil es die Menschen verunsichert und dann die Frage kommt, warum machen die etwas, was die anderen nicht machen.

Kommentare