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OP-Schwester Inge Döblinger schenkt jedem Baby ein Paar Söckchen zur Geburt. dpa

GeburtsgeschenkE . OP-Schwester strickt Tausende Babysöckchen .

Kitzingen/Rödelsee – Ein paar Gramm richtig gute Wolle, acht Maschen pro Nadel, vier Nadeln und rund zwei Stunden Zeit. Das ist alles, was Inge Döblinger braucht, um Eltern und deren Neugeborenen glücklich zu machen. Die OP-Schwester strickt Babysöckchen. Und zwar Hunderte. Seit 16 Jahren bekommt jedes neugeborene Kind der Klinik Kitzinger Land in Unterfranken ein Paar Babysöckchen geschenkt. Alles in allem dürften auf diese Weise bisher rund 7000 kleine Wollsocken-Paare entstanden sein.

„Ich habe schon immer viel gestrickt. Und irgendwann habe ich aus den Resten mal einen kleinen Sockenanhänger für die Tasche meiner damals 14 Jahre alten Tochter gestrickt“, erinnert sich die 57-Jährige. Der kam so gut an, dass auch deren Freundinnen welche wollten. Schließlich begann Döblinger den Müttern nach einem Kaiserschnitt ein Paar Söckchen für das Baby zu schenken. „Aber das hat Fragen aufgeworfen: „Warum bekommt meine Bettnachbarin Söckchen und ich nicht. Seitdem darf sich jede Mama direkt nach der Geburt ein Paar raussuchen.“

Auch die Mama des drei Tage alten Felix hat noch im Kreißsaal in die Sockenkiste gegriffen und sich für ein weißes Paar mit blauen und roten Streifen für ihren Jüngsten entschieden. „Das Muster hat mir gleich so gut gefallen“, sagt die 28-jährige Gissel Lutz.

Die Klinik steht mittlerweile voll und ganz hinter der persönlichen Masche von Inge Döblinger. Eingeführt hatte die sympathische OP-Schwester die kleinen Geschenke ohne vorher bei der Klinikleitung zu fragen. Sie, ihre beiden Töchter und ihre heute 84 Jahre alte Mutter strickten einfach drauf los und bezahlten die Wolle auch selbst.

Seit einigen Jahren aber finanziert die kommunale Klinik die Wolle. Das sind rund 200 Euro im Jahr. „Das würden wir auch machen, wenn es mehr kosten würde“, sagt der stellvertretende Klinikvorstand Uwe Pfeiffle. Die Socken seien eine prima Ergänzung des Klinik-Konzeptes: Für jede Mama gibt es ein kleines Heftchen mit den Fußabdrücken ihres Kindes, den Daten zur Geburt und lieben Wünschen. „Und da passen diese Unikate hervorragend dazu“, sagt Pfeiffle.

Eigens Werbung macht die Klinik mit dem persönlichen Geschenk zur Geburt nicht. Die hätte sie aber auch nicht nötig. Weil im Umland immer mehr Krankenhäuser auf ihre Geburtsstationen verzichten, steigen die Geburtenzahlen in der Kitzinger Klinik kontinuierlich. Ein Socken-Engpass ist deshalb aber vorerst dennoch nicht zu erwarten. „Im Moment haben wir noch 300 bis 400 Socken auf Vorrat in einem Spind in der Männerumkleide“, sagt Döblinger.

Auf die Frage, ob sie das Stricken auch mal leid ist, kommt die Antwort prompt: „Ich habe auch mal eine Woche keine Lust. Aber es gibt auch Wochenenden, wo ich samstags drei Paar stricke, weil es mir einfach gut tut“, sagt Döblinger. Aber das Stricken an sich wird ihr nicht zu viel. „Da ist noch kein Ende in Sicht.“

Ob quietschbunt, erdfarben, mit Glitzer oder Norwegermuster – alle Socken werden von den Müttern gern genommen. „Es gibt tatsächlich keine Ladenhüter“, sagt Döblinger. „Im Gegenteil: Wir hören ganz oft, dass sich die Frauen gar nicht entscheiden können.“ Bei der Woll-Auswahl achten die Döblinger-Frauen auch auf die Qualität, denn nicht jede Wolle eignet sich für Babysöckchen.

„Es muss schöne Sockenwolle sein. Mit Schurwolle. Merino. Wir wollen keine Acrylsocken. Sondern anständige Sockenwolle, dass niemand Stinkefüße kriegt, dass die Babys sie auch vertragen, dass man sie waschen kann und dass sie halten. Denn dafür ist die Arbeit auch einfach zu viel.“  lby

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