Coronakranker DJ legt in Waldkraiburg auf – aber steckt wohl niemanden an

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Bei einer Feier mit 95 Teilnehmern hatte in einem Waldkraiburger Club ein Corona-infizierter DJ Musik aufgelegt, der zuvor eine Urlaubsreise gemacht hatte. Nun prüfen die Behörden, um es sich bei der Veranstaltung um eine private Feier handelte.

  • Ein Mann ist von einer Kroatien-Reise zurückgekommen und hat sich freiwillig auf das Coronavirus testen lassen
  • Danach legte er auf einer privaten Party in Waldkraiburg Musik auf – ohne das positive Testergebnis zu kennen
  • Jedoch hat sich nach derzeitigem Stand der Testungen keiner der Partygäste angesteckt

Update 26. August:

Privatfeier: Keine weiteren Infektionsfälle bekannt

Waldkraiburg – Die private Feier in einem Waldkraiburger Club, bei der ein corona-kranker Discjockey aufgelegt hat, könnte ohne Folgen für die anderen Gäste geblieben sein. Bislang ist dem Landratsamt kein weiterer Infektionsfall bekannt. Das teilt die Behörde auf Anfrage nach der ersten Testreihe mit. Ergebnisse einer zweiten testung liegen noch nicht vor. Dem Landkreis Mühldorf sind allerdings nur sieben der 15 engeren Kontaktpersonen zugeordnet, die in Quarantäne geschickt wurden.

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Update 23. August:

Behörde widerspricht Lokalinhaber: Getränkeausschank nicht verboten

Waldkraiburg – Der Inhaber des Waldkraiburger Clubs, der in die Schlagzeilen geraten ist, weil ein corona-infizierter DJ auf einer Geburtstagsfeier für 95 Gäste auflegte, darf auch künftig seine Räume für private Feiern vermieten und dafür Personal, Getränke und Speisen zur Verfügung stellen. Das teilt das Landratsamt auf Anfrage mit und tritt damit ersten Äußerungen des Clubbesitzers entgegen, die Behörde habe nach dem Vorfall die Vorgaben geändert, er fürchte deshalb, dass er dadurch eine letzte Einnahmequelle verliere. Dagegen betont das Landratsamt: „Es gelten für ihn die gleichen Regeln wie für jeden anderen Gastronomen.

Unabhängig davon wird derzeit geprüft, ob es sich bei der Veranstaltung um eine „echte“ Privatfeier gehandelt hat. Laut aktueller Weisungslage des Gesundheitsministeriums bleiben rein private Feiern gestattet. Nicht erlaubt seien allerdings Umgehungsgeschäfte, das heißt Veranstaltungen, die als Privatfeiern ausgegeben werden, tatsächlich aber nur die reguläre Öffnung von Clubs und Diskotheken bezwecken.

Privatfeiern werden verstärkt kontrolliert

Das Landratsamt hatte bereits angekündigt, in Zusammenarbeit mit der Polizei solche Feiern künftig verstärkt zu kontrollieren.
Ausdrücklich betont die Behörde: Private Feste „mit einem klar abgrenzbaren persönlichen Zuschnitt“ seien genehmigungsfrei erlaubt. Bis zu 200 Teilnehmern im Freien und maximal 100 in geschlossenen Räumen sind erlaubt.
Die Feiern müssen nicht vorab beim Landratsamt gemeldet werden, sofern die Vorgaben des Gesundheitsministeriums erfüllt sind und insbesondere das Kriterium eines vorab klar definierten Teilnehmerkreises eingehalten wird. Ein entscheidender Punkt: Es muss ein Schutz- und Hygienekonzept für diese Feste geben.
Das bedeute nicht, dass die Veranstalter zwingend selbst ein neues Konzept entwickeln müssen. Es genügt, wenn die bestehenden Musterkonzepte für das jeweilige Fest angepasst werden.
Eine Mustercheckliste hat das bayerische Gesundheitsministerium auf seiner Homepage veröffentlicht.
Sofern bei den privaten Feiern kein Schutzkonzept vorgehalten wird, stellt dieses eine Ordnungswidrigkeit dar, die vom Landratsamt geahndet wird. Im aktuellen Waldkraiburger lag ein Hygiene- und Schutzkonzept vor, dass die Behörde prüft. Die Teilnehmer wurden mittels einer typischen Kontaktdatenliste erfasst.
 

Update 15.47 Uhr

Clubs geschlossen, jetzt mehr "private" Feiern?

Der Corona-Lockdown dauert für Bars und Clubs an. Doch in letzter Zeit scheint es in den Räumlichkeiten öfter mal private Feiern zu geben. Der Verdacht liegt nahe, dass damit gesetzliche Vorschriften umgangen werden könnten. „In Zusammenarbeit mit der Polizei werden verstärkt derartige Feiern in Clubs kontrolliert“, teilt das Landratsamt Mühldorf dazu mit. Man habe ein Auge darauf, ob es sich um Privatfeiern handele oder um „verbotene Club- oder Diskothekenöffnung“. 

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Zur möglichen Umgehung von Coronavorgaben in Bars und Clubs führt das Landratsamt aus: Laut aktueller Weisungslage des Gesundheitsministeriums sind rein private Feierlichkeiten in Clubs und Diskotheken gestattet, exakt in der gleichen Weise wie beispielsweise in der Gastronomie. Nicht erlaubt sind aber Umgehungsgeschäfte, welche die reguläre Öffnung von Clubs und Diskotheken bezwecken.

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Update 15.33 Uhr

Testergebnis hat nur ein Wochenende auf sich warten lassen

Nach Angaben des Landratsamtes Mühldorf habe sich der Erkrankte DJ am Freitag an einer Corona-Teststation testen lassen. Das Ergebnis sei ihm am Montag mitgeteilt worden. Zwischen Test und Ergebnis hat also nach Behördeninformationen gerade einmal ein volles Wochenende gelegen. Der Betroffene selbst wollte sich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen nicht äußern.

Bislang habe das Gesundheitsamt 15 enge Kontaktpersonen des Erkrankten ermittelt. Diese befänden sich nun in Quarantäne. Die Ergebnisse der ersten Tests der Teilnehmer der privaten Feier lägen bislang noch nicht vor.

Da der erkrankte Mann nicht aus einem Risikogebiet eingereist sei, bestand keine Test- und damit auch keine Quarantänepflicht, teilt das Landratsamt Mühldorf auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

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Update 14.15 Uhr:

„Ein Auge auf Privatfeiern“

Eine Streife der Polizei Waldkraiburg hatte am Freitag, also einen Tag vor der Corona-Party mit DJ, eine andere Privatfeier in E-Lounge-Club in Waldkraiburg kontrolliert und dabei keine schweren Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz festgestellt. Das bestätigt auf Anfrage der stellvertretende PI-Leiter Franz Lohr.

Im Lounge Club in Waldkraiburg legte ein DJ auf einer Privatparty auf. Im Nachhinein ist klar: Er ist mit dem Coronavirus infiziert.

Die Beamten seien auf rund 30 Personen gestoßen, die sich in Grüppchen vor dem Lokal aufhielten. Einige hatten die Schutzmasken nicht auf, die Mindestabstände seien aber weitgehend eingehalten, zitiert Lohr aus dem Bericht der Polizei an das Landratsamt. „Es hat keine gravierenden infektionsschutzrechtlichen Verstöße gegeben“, so der Beamte, der den Streifeneinsatz als Beleg dafür wertet, dass die Polizei „ein Auge auf die Privatfeiern wirft“.

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Update 12.49 Uhr:

Party war im E-Lounge-Club im Kinocenter Waldkraiburg – Das sagt der Inhaber

„Das war bis jetzt die größte Feier und dann passiert gleich so was.“ Der 38-jährige Inhaber des E-Lounge-Clubs im Kinocenter, der die Räume für den 30. Geburtstag eines Waldkraiburgers vermietet hat, ärgert sich über den DJ. Das könne wohl nicht wahr sein, dass der das Testergebnis nicht abgewartet habe.

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Zur Feier selbst könne er nicht viel sagen, so der Gastronom, der nicht im Lokal war und namentlich nicht genannt werden möchte. Auch zwei Mitarbeiter, die er für den Service und Getränkeausschank abgestellt hatte, haben nach seinen Worten keinen Kontakt mit dem DJ gehabt. Sie warten auf ihr Testergebnis, seien aber nicht in Quarantäne.

Landratsamt schränkt Geschäft wieder ein

Der Wirt macht sich große Sorgen, dass jetzt auch die letzte Möglichkeit, „ein bisserl Geld zu verdienen“, für ihn wegbricht. Dreimal habe er die Lounge bislang für kleinere private Feiern, „mit 30, 25 und 50 Leuten“ vermieten können. Die jüngste Geburtstagsfeier sei bislang mit Abstand größte gewesen. Er hofft nicht, dass es die letzte war. „Die Panik ist eh schon so groß.“ Das Landratsamt habe ihm erklärt, dass er künftig die Räume zwar weiter vermieten, aber bei den privaten Feiern keine Getränke mehr ausschenken und keine Leute für den Service abstellen darf. „Wenn das auch noch wegfällt, weiß ich nicht, wie es weitergehen soll.“

Seit fünf Monaten sei der Club jetzt geschlossen. Außer den 5.000 Euro Soforthilfe habe er nichts bekommen.

Der erkrankte Diskjockey wollte sich nicht äußern. Auch der 30-jährige Waldkraiburger, der seinen Geburtstag im Club feierte und jetzt in Quarantäne ist, wollte bislang nicht zu dem Vorfall Stellung nehmen.

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Meldung 12 Uhr:

Das Testergebnis nicht abgewartet

Nach der Corona-Testpanne bei Urlaubsrückkehrern an Bayerns Autobahnen hat das Landratsamt über den Fall eines Mannes informiert, der trotz seiner Coronavirus-Infektion eine private Party mit knapp 100 Leuten besucht hatte. Der Grund: Er hatte sich zwar nach einer Reise nach Kroatien auf das Virus testen lassen – doch das Ergebnis lag ihm laut Landratsamt Mühldorf nicht vor, als er sich entschied, als DJ bei der Feier in einem Waldkraiburger Club dabei zu sein.

Einen ähnlichen Fall hatte es kürzlich im Landkreis Schwandorf gegeben, dort kamen nach einer Geburtstagsfeier 120 Personen in Quarantäne als im Nachgang das positive Testergebnis eines Gastes bekannt wurde. Ein Sprecher des Landratsamtes Schwandorf sagte dazu der Passauer Neuen Presse: „Der Mann hat nichts falsch gemacht. Er hat sich nach seiner Rückkehr aus dem Italienurlaub freiwillig testen lassen.“ Aber: „Wenn man selbst den Verdacht habe, dass man sich mit dem Virus infiziert hat, sollte man auch abwarten, bis ein Ergebnis da ist.“

Auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen wollte sich der erkrankte DJ wollte nicht zu seiner Reise, der Krankheit und dem Abend im Club äußern.

Gesundheitsministerin Huml vor Rücktritt?

Mitte letzter Woche waren die massive Probleme bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen bekannt geworden. Demnach erfuhren insgesamt 44 000 Personen ihre Testergebnisse nicht oder nur stark verzögert, darunter auch 949 positiv Getestete. 46 davon konnten etwa wegen fehlender oder falscher Personendaten oder Telefonnummern bis heute nicht identifiziert werden.

Am Dienstag war zudem bekannt geworden, dass Huml und ihr Ministerium bereits am Montag vergangener Woche per E-Mail über die Verzögerungen bei den Ergebnis-Übermittlungen informiert worden waren. Söder und der Öffentlichkeit hatte Huml dies aber erst zwei Tage später mitgeteilt. Zur Begründung sagte sie, dass die ganze Dimension erst am Mittwoch erkennbar war, als klar war, dass die Personen nicht wie zunächst gehofft noch schnell informiert werden konnten. Die Opposition sieht das anders - sie wirft der Regierung Unfähigkeit und eine unnötige Verzögerung vor. Auch der Rücktritt der Ministerin wurde bereits gefordert.

Gesundheitsamt Mühldorf schickt Teil der Gäste in Quarantäne

Wann der DJ sich hatte testen lassen und wie lange er schlussendlich auf ein Testergebnis gewartet hatte, ist derzeit nicht bekannt.

Das Gesundheitsamt hat nach eigenen Angaben unmittelbar nach Kenntnis dieses Vorfalls unverzüglich mit der Ermittlung der Kontaktpersonen begonnen. Die engen Kontaktpersonen ließen sich in diesem Fall identifizieren, da die Teilnehmer befragt werden konnten, ob sie Kontakt zu einem der DJs hatten. Die engeren Kontaktpersonen wurden in Quarantäne gesetzt.

Die übrigen Gäste, die keinen direkten Kontakt hatten, wurden über das Geschehen informiert und gebeten in den nächsten 2 Wochen Ihre Kontakte zu reduzieren, auf Symptome zu achten und sich gegebenenfalls im Rahmen der bayerischen Teststrategie freiwillig testen zu lassen.

In anders gelagerten Fällen, beispielsweise im Falle der Infektion eines Gastes, hätte das Gesundheitsamt alle Feiergäste unter Quarantäne setzen müssen, da keine abgrenzbare Kontaktermittlung mehr möglich gewesen wäre und die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar gewesen wären.

Steigende Infektionszahlen

Das Gesundheitsamt Mühldorf weist dennoch auf die Gefahr einer steigenden Infektionszahl im Landkreis hin.

Reiserückkehrer sollen sich, so heißt es in der Pressemitteilung, weiter testen lassen, ganz unabhängig davon ob sie in einem Risikogebiet waren. Dass diese Tests aber bisher nicht so unkompliziert abliefen, wie von der Staatsregierung – darüber hatten auch die OVB Heimatzeitungen schon mehrfach berichtet. So erzählte uns ein Bad Aiblinger von einer wahren Odyssee bis hin zum Test, Absagen bei Ärzten und Wartezeiten bis zu 14 Tagen, um sich überhaupt testen zu lassen. Außerdem musste er die Kosten für den Test selber tragen.

Ähnlich schlechte Erfahrungen machte ein Paar aus Riedering. Das hatte sich nach dem Mallorca-Urlaub am Flughafen testen lassen – ein Ergebnis, auch nach einer Woche: Fehlanzeige.

Um die Suche nach Teststellen zu erleichtern, hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) auf ihrer Startseite www.kvb.de eine Suchfunktion, mit der Patienten Fachärzte in Wohnortnähe suchen können. 

Rückkehrer-Tests können falsche „Sicherheit“ bringen

Dennoch: Das Gesundheitsamt weist auch darauf hin, dass selbst ein negativer Test direkt nach der Rückkehr Urlauber in einigen Fällen in falscher Sicherheit wiegen kann. Die Inkubationszeit von Covid 19 beträgt 14 Tage, eine Ansteckung gegen Urlaubsende kann mit dem Test nicht ausgeschlossen werden. Der Test wird erst unmittelbar vor Erkrankung positiv.

Finden Sie hier: Corona-Fallzahlen für die Region Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau + Bayern und Deutschland

Das Gesundheitsamt rät daher: Alle Reiserückkehrer sollten in den ersten beiden Wochen nach Rückkehr Kontakte meiden und sorgfältig auf Symptome achten.

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