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„Wahnsinnig viele Pendler zieht’s her“

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Daheim in Althegnenberg: Helmut Hilscher, 75. Foto: peter Weber

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat.

Helmut Hilscher, 75, wurde in Oberschlesien geboren, lebt aber von klein auf in Althegnenberg im Kreis Fürstenfeldbruck. Hilscher hat drei Kinder und sieben Enkel. Der frühere Inhaber eines Baugeschäfts war von 1977 bis 2002 Bürgermeister des Dorfs.

-Herr Hilscher, was ist für Sie der schönste Fleck in Althegnenberg?

Das ist der Bereich um die Bergkapelle St. Maria auf dem Burgberg. Die wurde in meiner Zeit erworben und total renoviert. Die letzte Renovierung war vor 350 Jahren. Man sagt, dass in dem alten Turm, der mal da war, die Althegnenberger gehaust haben. Das ist aber nicht bewiesen.

-Für was ist der Ort denn sonst noch bekannt?

Althegnenberg ist mit die waldreichste Gemeinde und mit dem Naturschutzgebiet Haselmoor sehr gut für Wanderungen geeignet. Über die Grenzen hinaus bekannt ist das „Hörbacher Montagsbrettl“ (Hörbach wurde 1972 eingemeindet, Anm. der. Red.). Das hat unser Kreisheimatpfleger Toni Drexler 1975 ins Leben gerufen. Es ist die älteste Kleinkunstbühne Bayerns.

-Gibt’s Tage, die im Ort besonders wichtig sind?

Die Christkindlmärkte und die Dorf- und Pfarrfeste. Aber manche Leut’ kriegt man hinter den Fensterläden nicht raus. Ansonsten das Maibaumaufstellen. Da ist die Bevölkerung stark eingebunden, vor allem die jungen Männer, solange sie noch Schmalz in den Muskeln haben.

-Heißt das, es gibt keine starken Männer mehr?

Doch. Aber ich habe immer Bedenken gehabt, wenn der Baum höher war als der Kirchturm.

-Sie kennen das Dorf von Kindheitsbeinen an. Was hat sich verändert?

Früher hatten wir eine rein landwirtschaftliche Struktur, heute gibt’s dagegen nur noch einen praktizierenden Landwirt. Seit der Fugger-Express zwischen München und Augsburg eingeführt wurde, zieht es wahnsinnig viele Pendler zu uns raus, sodass sich Althegnenberg zu einer Siedlungsgemeinde gewandelt hat.

-Wie äußert sich das?

Dass bestimmte Teile der Zugezogenen sich nicht integrieren wollen. Aber da gibt’s auch positive Ausnahmen. Man müsste aber mehr aufeinander zugehen. Wir haben einen aktiven Bürgermeister, aber der kann auch nicht an jeder Haustür klopfen.

-Was fehlt im Ort?

Wir haben keine reine Dorfwirtschaft mehr. Da ist man traditionell nach der Kirche eingekehrt. 15 Jahre lang war sie eine Ruine, jetzt wird sie abgerissen. Außerdem sind bis zum letzten Jahr fünf Lebensmittelgeschäfte verschwunden, dafür haben wir jetzt einen Netto-Markt, der gut angenommen wird. Auch ein Friseur fehlt mittlerweile. Es gibt also schon Nachholbedarf.

-Und das trotz der vielen Zuagroasten. Was zeichnet denn einen Original-Althegnenberger aus?

Früher haben die Nachbarorte wegen des Bahnverkehrs neidvoll rübergeschaut. Das haben die Althegnenberger schon raushängen lassen. Man hat gesagt, „wir sind Henaberger“. Die Klassischen gibt’s aber nicht mehr.

Interview: Manuela Schauer

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