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Wahlbriefe an eine Tote

Seit drei Jahren ruht Friederike Seifert bereits auf dem Pasinger Friedhof. Doch für die Stadt ist die Verstorbene quicklebendig. Sie soll nun sogar ihren demokratischen Rechte wahrnehmen: Die Tote hat für die Landtagswahl eine Wahlbenachrichtigung vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) erhalten.

Behördenirrtum

VON Ramona Weise

Friederike Seiferts Sohn Klaus (62) ist nach dem Tod der 89-jährigen Mutter in deren Wohnung gezogen – und hat den Brief deswegen bekommen. „Bei der Bundestagswahl 2017 hat das KVR ihr auch schon Unterlagen geschickt“, sagt der Haderner. Er habe daraufhin bei der auf der Wahlbenachrichtigung angegebenen Hotline angerufen, um das Missverständnis aufzuklären. „Es hieß, das Amt wisse nichts vom Tod meiner Mutter, ich müsse das mit dem Standesamt klären.“

Seifert versteht das nicht: Das Bestattungsinstitut habe damals alle Daten weitergeleitet – das Rentenamt habe schließlich auch kurze Zeit nach dem Tod der Mutter im Juni 2015 Bescheid gewusst. „Für mich ist das eine Lachnummer“, sagt der Unternehmensberater. Was ihn besonders ärgert: „Wer weiß, wie viele solcher Fälle es in Bayern gibt? Wenn dann Briefwahl beantragt wird, kann irgendein Angehöriger im Namen eines Verstorbenen wählen.“ Das sei gefährlich: So könne doch das Ergebnis der Wahl verfälscht werden.

Doch wie kann es zu einem Wahlschein für eine Tote kommen? Die Wählerverzeichnisse würden aus den aktuellen Daten des Bürgerbüros über alle zum Stichtag wahlberechtigten Personen mit Hauptwohnsitz in München erstellt, erklärt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Die Mutter von Klaus Seifert sei noch als lebend im Bürgerbüro gemeldet – deswegen sei sie auch in das Wählerverzeichnis aufgenommen worden. Sterbefälle seien beim Standesamt zu melden. Das sei offensichtlich nicht geschehen.

Ein Grund könnte Mayer zufolge sein, dass Klaus Seiferts Mutter auf Kur in Rosenheim gestorben ist. Wenn eine Bürgerin oder ein Bürger außerhalb Münchens versterbe und das dortige Standesamt keine Kenntnis darüber habe, dass die verstorbene Person in München gemeldet war, ergehe auch keine Mitteilung an das Münchner Bürgerbüro, so Mayer. Eine mündliche Mitteilung an das Wahlamt genüge nicht, um das Melderegister zu ändern. Klaus Seifert müsse also dem Bürgerbüro eine Sterbeurkunde seiner Mutter zusenden. Seifert solle sich beim KVR melden, man werde ihm „schnell und unbürokatisch“ den zuständigen Ansprechpartner vermitteln.

Versöhnen kann das Klaus Seifert nicht wirklich. „Es kann doch nicht sein, dass sich die verschiedenen Ämter nicht austauschen.“ Für ihn, sagt der Münchner, sei das eine Form von Behördenschlamperei.

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