Vorwürfe gegen angehende Seelsorger

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Gibt es rechtsradikales Gedankengut bei angehenden fränkischen Priestern? Dieser Vorwurf geistert durch Würzburg. Die Seminarteilnehmer wehren sich.

Juden-Witze im

Priesterseminar?

Gibt es rechtsradikales Gedankengut bei angehenden fränkischen Priestern? Dieser Vorwurf geistert durch Würzburg. Die Seminarteilnehmer wehren sich.

Würzburg – Studenten aus dem Würzburger Priesterseminar sollen bei gemeinsamen Treffen Judenwitze erzählt, rechtsradikale Musik gespielt und an Nazirituale angelehnte Zeremonien gefeiert haben. Seminarleiter Herbert Baumann bestätigte entsprechende Vorwürfe. „Dass zumindest einmal im kleinen Kreis ein KZ-Witz erzählt wurde, ist offensichtlich wahr“, sagte er. Darüber hinausgehende Vorwürfe könne er „nicht verifizieren“. Seminarteilnehmer hatten ihn Anfang Mai informiert, dass es rechte Gesinnungen in der Gruppe gebe. Die Vorwürfe richten sich gegen zwei angehende Priester. „Die haben energisch bestritten, dass sie rechtsradikales Gedankengut teilen“, sagte Baumann. Einer der Angeschuldigten werde wahrscheinlich Anzeige wegen übler Nachrede erstatten.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ reagierte entsetzt auf die Vorwürfe: „Vertuschung und Verharmlosung ist offenbar immer noch gängige Praxis im kirchlichen Bereich.“ Die Organisation forderte vom Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann umgehend deutliche Worte und klare Entscheidungen. „Das Priesterseminar ist keine Besserungsanstalt für irregeleitete Rechte“, sagte Sprecher Magnus Lux.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Simone Tolle forderte, dass der Würzburger Bischof den Vorfall zur Chefsache macht. Sie warf dem Priesterseminar eine „Verharmlosungs- und Verdrängungsstrategie“ vor.

Rechtsradikales Gedankengut sei im Seminar bislang kein Thema gewesen, so Baumann. Judenfeindlichkeit und abfälliges Reden gegenüber Ausländern seien nicht tragbar und unwürdig für Seminarteilnehmer. Der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand betonte in einem Schreiben an Baumann: „Alles, was mit der nationalsozialistischen Ideologie in Verbindung steht, (darf) niemals bagatellisiert werden.“ Ein solches Verhalten sei „höchst beschämend“.  lby

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