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Eine beeindruckende Umschulung

Vom Weltraum in die Pflege? Wie ein Roboterarm zum Pflege-Assistenten werden soll

Caritas und DLR stellen Roboter vor.
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EDAN ist ein Leichtbau-Roboterarm, der mit einem Joystick oder Muskelsignalen gesteuert wird.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen forscht zurzeit an einem Projekt, das weder die Luft- noch die Raumfahrt betrifft. Auf der Erdoberfläche könnte das Projekt aber vielen Menschen das Leben bedeutend leichter machen: Ein Roboterarm, der bislang für Arbeiten an der Raumstation ISS zuständig war, könnte umgeschult werden und fortan als Pflege-Assistent arbeiten.

Oberpfaffenhofen – Bisher war EDANs Arbeitsplatz der Weltraum. Fünf Jahre lang hat er an der Außenhülle der Raumstation ISS treue Roboterdienste geleistet. Künftig könnte er auch auf der Erde eingesetzt werden. In Pflegeheimen zum Beispiel. EDAN ist ein Leichtbau-Roboterarm, der mit einem Joystick oder Muskelsignalen gesteuert wird.

Er kann aber auch ferngesteuert werden, zum Beispiel über die Smartphones von Angehörigen oder per Tablet von einer Pflegekraft. Der Arm wird an Rollstühlen montiert und kann Menschen mit körperlichen Einschränkungen dabei helfen, Türen zu öffnen, aus einem Glas zu trinken oder etwas zu greifen.

Wie genau EDAN künftig eingesetzt werden könnte, um Pflegekräfte oder pflegende Angehörige zu entlasten, wird gerade im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen erforscht. Jörn Vogel leitet die Projektserie SMiLE – die Abkürzung steht für Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen. Roboter werden menschliche Pflege nie ersetzen können, betont er. „Aber sie können Pflegekräfte entlasten und Menschen mit Einschränkungen ein höheres Maß an Selbstständigkeit im Alltag zurückgeben.“ Und damit Lebensqualität. 

Im Weltall hat der Roboterarm rund 500 Tests absolviert. Er führte mit seinen zwei Gelenken und einem Metallfinger präzise Arbeiten im All aus. Gesteuert wurde das Technologie-Experiment teilweise vom DLR in Oberpfaffenhofen. „Die Technologie dahinter kann in vielen Bereichen eingesetzt werden“, erklärt Vogel.

Auch „Rollin’ Justin“ wird für die Pflege erprobt

Neben EDAN wird im DLR auch Rollin’ Justin für die Pflege erprobt: ein humanoider, zweiarmiger Assistenzroboter. Er nimmt über Sensoren und Kameras seine Umgebung wahr und arbeitet mit künstlicher Intelligenz, um seine Arbeitsabläufe selbstständig zu planen. „In einem Pflegeheim könnte er Hol- und Bringdienste ausführen“, erklärt Vogel. Zudem arbeitet das DLR an einer haptischen Eingabestation mit zwei Leichtbauarmen für die Steuerung von entfernten Robotern, um den Nutzern technische Unterstützung aus einem Kontrollzentrum bieten zu können.

Das Projekt läuft noch bis Mitte 2024. Wie viel die Roboter irgendwann kosten werden, kann Vogel noch nicht abschätzen. Ein Roboterarm wie EDAN hätte wohl einen fünfstelligen Preis, sagt er. Grundsätzlich würden die Preise aber durch höhere Stückzahlen sinken. „Wir arbeiten jetzt mit Prototypen“, erklärt er. „Wenn ein Produkt daraus wird, müssten die Roboter noch gezielter auf ihre Anwendung entwickelt werden.“

„Pflege ersetzen kann so ein Roboter natürlich nicht“

Um die Einsatzmöglichkeiten noch detaillierter durchzuspielen, hat sich das DLR für das Projekt mit dem Caritasverband der Erzdiözese München und Freising sowie der Katholischen Stiftungshochschule München zusammengetan. Bereits vor einigen Jahren gab es auch schon Testläufe direkt in Pflegeheimen. Zum Beispiel im Jahr 2018 in St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen. Auch der Computergesteuerte Arm wurde damals bereits in der Praxis erprobt, berichtet Heimleiter Matthias Größl. Die Pflegekräfte seien sehr offen für das Projekt gewesen, berichtet er. Auch einige Bewohner hätten sich freiwillig gemeldet, um die Roboter zu testen. Beim Spielen oder Türöffnen habe sich der Arm als gutes Assistenzsystem erwiesen. „Pflege ersetzen kann so ein Roboter natürlich nicht“, betont Größl aber. Trotzdem könnte er sich für St. Vinzenz irgendwann ein oder zwei Roboter als Unterstützung vorstellen. „Bei einem neuen Testlauf sind wir gerne wieder dabei.“

Auch ein 1,20 Meter großer humanoider Roboter namens Pepper ist bereits in Pflegeheimen erprobt worden. Er kann per Touchscreen kommunizieren und soll nicht nur die Pflegekräfte unterstützen, sondern auch die Heimbewohner unterhalten. Zum Beispiel durch Quiz- und Denkspiele oder einfache Bewegungsanimation. 

Ein Roboter als Animateur: Der 1,20 Meter große Pepper ist bereits in Pflegeheimen getestet worden. Er kann einfache Transportdienste übernehmen und Bewohner mit Quiz- oder Denkspielen unterhalten.

Solche Animationsroboter sind allerdings aktuell kein Teil des aktuellen Projekts am DLR. Bei SMiLE geht es darum, Menschen mit Einschränkungen den Alltag zu erleichtern. Projektleiter Jörn Vogel geht davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die ersten Roboter Pflegebedürftige unterstützen werden. Die Menschen in den Pflegeheimen werden bis dahin noch technikerprobter sein, glaubt er. Und weniger Hemmungen haben im Umgang mit technischen Assistenzsystemen. „Grundsätzlich ist das Ziel aber, dass die Anwendbarkeit so einfach wie möglich sein muss.“ Auch der Freistaat scheint die Chance erkannt zu haben, die darin steckt. Er fördert das SMiLE-Projekt mit 4,5 Millionen Euro. 

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