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 Hoch hinaus – mit Fleiß und Schlitzohrigkeit

Vom Dorfgastwirt zum Platzhirsch am Platzl: Die Koch-Karriere des Alfons Schuhbeck

Sein Revier: Am Platzl in München betrieb Schuhbeck zeitweise mehrere Restaurants.
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Sein Revier: Am Platzl in München betrieb Schuhbeck zeitweise mehrere Restaurants.

Aktuell steht Alfons Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung vor dem Landgericht München, wo der Star-Koch sich zuletzt reumütig zeigte. Doch der ehemalige Fernmelder, Schankkellner und Barmann hat eine steile Karriere hinter sich. Ein Blick zurück.

München – Seinen Espresso trinkt er, wie auch sonst, mit Ingwertropfen. „I nimm koane Medikamente, nur Gewürzkapseln und Ingwer“, sagte Alfons Schuhbeck einmal unserer Zeitung. Und so widmete er der Wurzel regelmäßig viel Aufmerksamkeit in seinen zahlreichen TV-Sendungen. Der Ingwer wurde zum Markenzeichen seiner Karriere. Einer Karriere, die ihn von der Ausbildung zum Fernmeldetechniker in die Welt der Reichen und Schönen führte.

Ingwer – so heißt nun auch das Strafverfahren gegen Schuhbeck vor dem Landgericht München I. Ausgerechnet. Nicht nur um die angeklagten Taten ging es dort gestern – auch seinen Lebenslauf musste Alfons Schuhbeck vortragen. Hier präsentierte er sich wie in seinen Kochsendungen: als Entertainer. Der Vater, ein Postler, habe ihm geraten: „Mach das auch, dann hast du ein gesichertes Leben.“ Doch technisch „war ich eine Flasche“, erzählt Schuhbeck. In der Aufnahmeprüfung sei er durchgerasselt, doch dann brach sich ein Konkurrent den Fuß – „und ich rückte nach.“ Doch Fernmelder blieb er nicht, sondern wurde Schankkellner, Barmann, ging auf die Hotelfachschule – und reiste durch die Welt, mit Station in etlichen Küchen.

Auf der Champs-Élysées in Paris sprach Schuhbeck einfach vor – ohne ein Wort Französisch. Es klappte, so wie in London: Dort schmierte er Canapés und wusste zu gefallen, als der Koch krank wurde. Plötzlich stand er vor Schauspieler Sean Connery, kochte später für die Beatles und die Queen. „Disziplin“, sagt Schuhbeck, sei Bestandteil seines Erfolgs gewesen: Er habe oft zwei Jobs am Tag gehabt, kochte in Kantinen oder für das Rote Kreuz. Doch Schuhbeck war auch beharrlich und ein Schlitzohr: Um einen Job bei Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann habe er lange gebuhlt, ihn aber lange nicht bekommen. Doch dann, auf dem Bolzplatz: „Da hielt ich seinen Elfmeter, da sagte er: Komm morgen um 9 Uhr vorbei. Ich war um 7 Uhr da – und bereit“, schildert Schuhbeck lebhaft vor Gericht. Man hört ihm gerne zu. 

Geboren als Alfons Karg, wuchs der Star-Koch im Chiemgau auf. Bei einem Tournee-Stopp mit seiner Rockband Scala trifft er Gastwirt Sebastian Schuhbeck, der ihn zum Kochen bringt und später sogar adoptiert und zum Erben ernennt. 1980 übernimmt Alfons das Kurhausstüberl in Waging –und macht es vom typisch bayerischen Dorfgasthaus zu einem Geheimtipp für die regionale Prominenz. Der Durchbruch gelingt, als ein Busfahrer sich beschwerte, dass Schuhbeck kein Gericht aus der Karte servierte – sondern Eigenkreationen. „Der Mann war Prüfer von Michelin.“ Den Stern behielt Schuhbeck 33 Jahre lang. Am Platzl wurde er dann zur Ikone. Bis zu seinem Absturz.

thi/dg

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