Polizistin tötet Töchter und sich selbst – Neue Spekulationen um Motiv für Tat in Vograreuth

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BU: Mit Kerzen, Kreuzen und Blumen bekunden die Menschen aus Vogtareuth und der Umgebung am Ort der Tragödie ihre Trauer.
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Warum hat eine Bundespolizistin (36) in ihrem Wohnhaus in Vogtareuth zuerst ihre beiden Kinder und dann sich selbst erschossen? Während die Polizei den Hergang der Tat am 3. April offenbar weitgehend aufgeklärt hat, gibt es um das Motiv jetzt neue Spekulationen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Polizei findet die Leichen einer Frau und ihrer beiden Kinder in einem Wohnhaus
  • Mutter erschießt ihre Töchter und dann sich selbst
  • Tatwaffe ist die Dienstwaffe der Bundespolizistin

Update 30. Juni

Neue Spekulationen um Tatmotiv

Ein Vierteljahr, nachdem die 36-jährige Ramona F. ihre beiden Töchter (10 und 12) und sich selbst mit ihrer Dienstwaffe tötete, sind ihre Motive weiter Gegenstand von Spekulationen. Wie "Bild" berichtet, habe die Bundespolizistin in einer letzten SMS an ihre Mutter von Konflikten im Dienst berichtet.

Ein Radiosender wollte zuerst erfahren haben, dass die 36-Jährige gemobbt worden sei. Mehrere Bundespolizisten seien im Zuge der Ermittlungen vom Dienst suspendiert worden. Die "Bild"-Zeitung hatte den Sachverhalt anders dargestellt. Kurz darauf meldete auch ein Radiosender auf seiner Homepage, dass die Bundespolizeidirektion München dementiert, dass Mobbing einer der Gründe für das Drama von Vogtareuth sei. Auch habe es keine Suspendierungen gegeben.

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"Als Hintergrund für die Familientragödie werden persönliche Probleme der 36-Jährigen angenommen", hieß es in einer Polizeimeldung, über die die OVB-Heimatzeitungen kurz nach der Tat berichtet hatten. Ramona F. sei kurz vor der Tragödie von ihrem Geliebten verlassen worden.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd will die neuen Spekulationen um das Tatmotiv von Ramona F. auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen weder bestätigen noch dementieren - kurz: nicht kommentieren.

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Update 16. Juni

Liebeskummer und Anzeige als Tatmotive?

Neue Erkenntnisse im Familiendrama von Vogtareuth: Wie die OVB Heimatzeitungen aus sicherer Quelle erfahren haben, dürfte das Tatmotiv der Mutter im persönlichen Bereich liegen. Zwei Tage vor der Tragödie, bei der die 36-jährige Bundespolizistin ihren beiden Töchtern und sich das Leben genommen hatte, soll die Frau von ihrem Geliebten verlassen worden sein.

Ebenso soll gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen einer manipulierten Rechnung anhängig gewesen sein. Wie berichtet war die Frau auch als Selbstverteidigungstrainerin aktiv gewesen und hatte als Bodybuilderin an Wettkämpfen teilgenommen. Außerdem leitete sie Kurse zur Abwehr von Gewaltverbrechen. Diese wurden von einem Sponsor unterstützt. Der Sponsor soll die Anzeige gestellt haben. Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd dazu: "Wir können diese Informationen weder bestätigen noch dementieren."


Update 7. April

Dienstwaffe offenbar legal zu Hause aufbewahrt

Die Ermittler gehen nach derzeitigem Stand ihrer Erkenntnisse davon aus, dass die 36-Jährige zum Tatzeitpunkt die Berechtigung hatte, ihre Dienstwaffe mit nach Hause zu nehmen und sie dort aufzubewahren. Wie die Polizei am gestrigen Montag mitgeteilte, hatte die Bundespolizistin ihre Dienstwaffe genutzt, um ihre beiden Töchter (10/12) und dann sich selbst zu erschießen.

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Update 6. April

Ermittler bestätigen den Hergang der Tat

Nach jetzt vorliegenden und bestätigten Erkenntnissen hat sich der bereits vermutete Tatablauf bestätigt. Eine 36-jährige Frau hat demnach ihre beiden Töchter und dann sich selbst erschossen.

Wie die Polizei nun bekannt gibt, war der Ehemann der Frau und Vater der beiden Kinder zum Tatzeitpunkt am Freitag, 3. April, gegen 4.40 Uhr im Haus. Unmittelbar nach der Tat habe der Mann die drei Toten im ersten Obergeschoss des Hauses gefunden. Hinweise auf eine Beteiligung des Mannes hätten sich im Verlauf der Ermittlungen bislang nicht ergeben.

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nun auch bestätigt, handelt es sich bei der Tatwaffe um die Dienstwaffe der Bundespolizistin. Das habe sich aus den Aussagen der Sachverständigen des Instituts für Rechtsmedizin und des Bayerischen Landeskriminalamts ergeben.

"Als Hintergrund für die Familientragödie werden persönliche Probleme der 36-Jährigen angenommen", heißt es in der Polizeimeldung. In diesem Zusammenhang ermittelt die Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft nun auch im privaten und beruflichen Umfeld der Frau und führt entsprechende Befragungen durch.

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Die OVB-Heimatzeitungen berichten in der Regel nicht über Suizide, um keinen Anreiz für Nachahmungen zu bieten. Bei außergewöhnlichen Umständen, wie hier, erfahren die Fälle aber besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit – und eine Berichterstattung ist unvermeidlich. Wenn Sie selbst depressiv sind bzw. Suizid-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Das Angebot der Telefonseelsorge finden Sie im Internet unter www.telefonseelsorge.de. Oder Sie rufen direkt an. Kostenlos und rund um die Uhr unter: 0800/1110111 oder 0800-1110222. Dort erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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Update 5. April

Auch Tage danach sitzt der Schock tief

Ramona F., 36 Jahre alt, Ausbilderin bei der Bundespolizei in Rosenheim, und ihre zwölf und zehn Jahre alten Töchter sind tot. Noch am Freitag hatte die Polizei bestätigt, dass vieles darauf hindeutet, dass die Frau ihre Kinder gewaltsam getötet hat und sich anschließend selbst das Leben nahm. „Alles weitere werden die Ermittlungen ergeben, die noch einige Tage andauern werden“, sagte am Sonntag Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung. 

Die Leichen seien noch am Freitag in München obduziert worden. „Nun werden die Ergebnisse der Obduktion mit den Daten der Spurensicherung vom Tatort abgeglichen“, sagt Emig. 

Unter anderem gibt es bis dato keine Antwort auf die Frage, ob es sich bei der Tatwaffe um die Dienstpistole der Bundespolizistin handelt. Und dann gilt es natürlich die Hintergründe der Tragödie zu klären. Denn nicht nur in Vogtareuth, sondern weit darüber hinaus beschäftigt die Menschen die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte.

Ramona F. aus Vogtareuth hat mutmaßlich ihre beiden Töchter und dann sich selbst erschossen.

Update 3. April 17.38 Uhr

Über die Tatwaffe bislang nichts bekannt

Es ist eine Familientragödie, die sich in dem Haus in Vogtareuth ereignet hat. Ramona F., 36 Jahre alt, Ausbilderin bei der Bundespolizei in Rosenheim, und ihre zwölf und zehn Jahre alten Töchter sind tot. Vieles deutet derzeit darauf hin, dass die Frau ihre Kinder gewaltsam tötete und sich anschließend selbst das Leben nahm, so Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Rosenheim. Ob Ramona F. dazu ihre Dienstwaffe benutzte, ist derzeit nicht bekannt. Der Vater der beiden Mädchen wurde von Notfallseelsorgern betreut, wie Pressesprecher Martin Emig am Tatort mitteilte.

Die Familie zog vor zehn Jahren in das rund 3300 Einwohner große Dorf, die Töchter gingen beide in Vogtareuth in die Schule. Die Straße rund um den Tatort ist am Freitagvormittag wie ausgestorben, kein Nachbar im Garten. In diesem Teil Vogtareuths wohnen viele Familien, auch etliche ehemalige und aktuelle Mitschülerinnen und Mitschüler leben in der Nachbarschaft von Familie F. Sie haben bis vor Kurzem, bis zur Ausgangsbeschränkung, noch mit den beiden Mädchen gespielt, sind gemeinsam herumgetobt. Nun müssen ihre Eltern ihnen helfen, mit dem Verlust der Nachbarsmädchen fertig zu werden.

Ramona F. hatte große Pläne

Zum Motiv der Tat ist nach wie vor nichts bekannt. Auch ein Sprecher der Polizei vor Ort wollte sich nicht dazu äußern, was die mutmaßliche Täterin Ramona F. veranlasst haben könnte, zuerst ihre Töchter und dann sich selbst zu erschießen.

Vor gut einem Jahr gehörte Ramona F. zu den Finalistinnen des Rosenheimer Gründerpreises. Die Bundespolizistin, selbst als Mädchen Missbrauchsopfer, hatte ein Kurskonzept entwickelt, das Mädchen und Frauen in die Lage versetzt, sich

gegen Gewaltverbrechen zu wehren

. Mit einigen Kollegen wollte sie ein Unternehmen gründen, das diese Kurse anbietet – den Mädchen und Frauen direkt, aber auch Unternehmen wollten Ramona F. und ihre Kollegen, allesamt Bundespolizisten, ansprechen.

Entsprechende Kurse bot sie zusammen mit einem Kollegen bereits über dessen Selbstverteidigungsschule in verschiedenen Orten in der Region an.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln intensiv zur Tat in Vogtareuth

Wie es innerhalb eines Jahres dazu kam, dass aus der strahlenden Bundespolizistin und Jungunternehmerin eine offenbar völlig verzweifelte Frau wurde, ist Teil der Ermittlungen der Kripo Rosenheim. Deren Fachkommissariat hat zusammen mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen.

Gutachter des Landeskriminalamtes und Rechtsmediziner aus München waren schon in den Morgenstunden am Tatort und unterstützten die Kripo bei deren Ermittlungen rund um die Familientragödie in Vogtareuth.

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Update 3. April, 13.50 Uhr

Tief erschütterter Pfarrer leistet Notfallseelsorge

„Tief erschüttert“ ob der Bluttat in seiner Gemeinde zeigt sich der Vogtareuther Pfarrer Guido Seidenberger. Er gehörte auch zum Team der Notfallseelsorger, die den Menschen vor Ort Beistand leisteten. Während ein Notfallseelsorger vor Ort war, führte Seidenberger viele Telefonate – unter anderen mit Gemeindemitgliedern, die sich an ihn wandten und das Gespräch suchten.

Wegen der Corona-Krise musste sich der geistliche Beistand vielfach auf Telefonate beschränken“, sagte Seidenberger. Der Pfarrer verspürte bei seinen Kontakten „große Fassungslosigkeit“. Die getöteten Kinder kannte der Ortspfarrer gut. „Sie haben beide schon Erstkommunion gehabt und an der Vorbereitung auf dieses Ereignis teilgenommen. Es waren ganz liebe Kinder“, weiß Seidenberger.

In sein Gebet für die Opfer und die Menschen, über die das Verbrechen großes Leid gebracht hat, schließt der Pfarrer bewusst auch die Mutter der getöteten Kinder ein. „Man kann nur erahnen, aus welch tiefer Verzweiflung sie so gehandelt haben dürfte“, so Seidenberger.

„Das kann man sich kaum vorstellen“, sagt ein hörbar erschütterter Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter. Er habe Ramona F. seit fünf oder sechs Jahren durch ihre Tätigkeit im Elternbeirat gekannt. Die beiden Töchter gingen beide in Vogtareuth in die Grundschule. Die Zwölfjährige mittlerweile nicht mehr, die Zehnjährige noch. Es sei wirklich eine Tragödie, „ich bin sehr betroffen.“

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Update 3. April, 13.40 Uhr

Mutter engagierte sich in Anti-Gewaltprojekten für Kinder

Nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen handelt es sich bei der Mutter um Ramona F. aus Vogtareuth. Sie selbst hat sich - offenbar aufgrund persönlicher Erfahrungen - in einem Projekt engagiert, das Kinder stark machen soll gegen gewaltsame Übergriffe. Sie selbst war, so berichteten es die OVB-Heimatzeitungen Februar 2019, in diesem Bereich als Polizeitrainierin tätig.

„Mir ist es ein Herzensbedürfnis, Mädchen und auch Frauen selbstbewusst und stark zu machen, damit sie sich wehren können, oder gar nicht erst in eine Opferrolle schlüpfen“, erzählte Ramona F. im Februar 2019 im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Die damals 35-jährige Bundespolizistin stand gemeinsam mit einem Team aus Kollegen in den Startlöchern für die Gründung eines Unternehmens, das Kurse zur Abwehr von Gewaltverbrechen für Kinder und erwachsene Frauen anbieten wollte. 

Die Mutter gilt nach Angaben der Polizei als "dringend tateverdächtig", ihre beiden Kinder und anschließend sich selbst getötet zu haben. Der Vater der Kinder befinde sich in psychologischer Betreuung.

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Update 3. April, 11.14 Uhr

Polizei geht in Vogtareuth von Tat der Mutter aus

Die Polizei hat nun nähere Angaben zur Identität der drei Toten gemacht. Demnach handelt es sich bei der Mutter um eine 36-Jährige. Die toten Kinder sind ihre beiden Töchter, 12 und 10 Jahre alt. Die Polizei schreibt zum aktuellen Stand der Ermittlungen: "Vieles deutet derzeit darauf hin, dass die Frau ihre Kinder gewaltsam tötete und sich anschließend selbst das Leben nahm."

Die Polizei ist am Tatort in Vogtareuth und ermittelt.

Nach derzeitigem Kenntnisstand der Ermittler vor Ort deutet die Sachlage darauf hin, dass die Mutter die Kinder mit einer Schusswaffe getötet hat und anschließend sich selbst. Zum einem möglichen Motiv gibt es derzeit noch keine Informationen.

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Update 3. April, 9.22 Uhr

Frau und zwei Kinder tot aufgefunden

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bestätigte den OVB-Heimatzeitungen auf Anfrage, dass in Vogtareuth eine Frau und ihre beiden Kinder ums Leben gekommen sind. Die Frau sei Angehörige der Bundespolizei. Die Beamten vor Ort gehen derzeit der Vermutung nach, dass die tote Frau "die Tat ausgelöst" habe.

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Die Erstmeldung vom Morgen des 3. April:

Vogtareuth – Schrecklicher Fund in Vogtareuth. In einem Wohnhaus sind nach Information der OVB-Heimatzeitungen drei Leichen entdeckt worden. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdeliktes.

Wer die Toten sind, dazu gibt es derzeit noch keine Informationen. Auch nicht über die Umstände, wie die Menschen zu Tode gekommen sind.

Um 4.40 Uhr wurden Einsatz- und Rettungskräfte nach Vogtareuth gerufen, die die Leichen in dem Wohnhaus fanden. Das meldet nun die Polizei. Wer den Notruf abgesetzt hat, ist bislang unbekannt. Vor Ort laufen die Ermittlungen. "Es muss von einem Gewaltverbrechen ausgegangen werden", schreibt die Polizei.


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