Virus-Krise im Krankenhaus

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Die Zahl der Noro-Virus-Erkrankungen ist fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Im Krankenhaus Agatharied ist die Situation besonders angespannt. Dort sind so viele Mitarbeiter erkrankt, dass aktuell nur noch Notfälle aufgenommen werden.

Noro-erkrankungen in Bayern

Von Katrin Woitsch

Agatharied/München – Der Donnerstagmorgen begann im Krankenhaus Agatharied (Landkreis Miesbach) ähnlich, wie schon die vergangenen Tage begonnen hatten: mit Krankmeldungen. Wieder haben sich sieben Mitarbeiter abgemeldet. Wieder hat der Noro-Virus zugeschlagen. Seit der Nacht auf Mittwoch hat er im Krankenhaus Agatharied für eine „extrem angespannte Situation“ gesorgt. Alle vermeidbaren Behandlungen sind verschoben, nur noch Notfälle werden neu aufgenommen, Angehörige werden gebeten, ihre Besuche auf ein Minimum zu beschränken. Ausgenommen ist die Psychiatrieabteilung der kbo-Lech-Mangfall-Klinik, die in Agatharied angesiedelt ist – sie ist bislang virenfrei.

„Jedes Krankenhaus leidet zu dieser Jahreszeit unter den Noro-Viren“, sagt Geschäftsführer Michael Kelbel. „Das lässt sich nicht vermeiden.“ Allerdings ist die Situation dieses Jahr extremer als sonst. Denn das Krankenhaus ist voll belegt. Und es sind nicht nur 29 Patienten erkrankt – sondern auch zwölf Mitarbeiter. „Die Zahlen ändern sich ständig“, sagt Kelbel. „Das war der Stand Donnerstagmorgen.“

Außerdem gehen gerade nicht nur Noro-Viren um, sondern auch Clostridien. Ebenfalls Darmbakterien. Deutlich verbreiteter als Noro-Viren, aber nicht so aggressiv. „Die Laboruntersuchungen haben nachgewiesen, dass die Viren durch Angehörige ins Krankenhaus gebracht wurden“, berichtet Kelbel. Deshalb habe man nun entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Mehr könne man im Krankenhaus kaum tun, betont der Geschäftsführer. „Der Hygienestandard ist sowieso schon sehr hoch.“

Verbeugend hilft eigentlich nur eines, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Günther Schönberger aus Grünwald (Landkreis München): „Hände gründlich waschen.“ Und zwar nicht nur mit Seife, sondern mit Desinfektionsmittel. Denn die Erreger können überall haften – zum Beispiel an Armaturen oder Türgriffen – und über die Hände leicht in den Mund gelangen. Auch Schönberger hatte in seiner Praxis seit Weihnachten sicher 50 Patienten, die am Noro-Virus erkrankt sind, berichtet er. Er hat beobachtet, dass sich der Erreger verändert hat – vom klassischen Durchfall hin zu starken Bauchschmerzen. Er rät dazu, im Fall einer Erkrankung grundsätzlich den Arzt aufzusuchen. Auch deshalb, weil der Nachweis von Noro-Viren dem Gesundheitsamt zu melden ist.

In den ersten beiden Wochen des Jahres wurden 763 Noro-Virus-Fälle in Bayern registriert. Im selben Zeitraum im Vorjahr waren es mit 400 gerade halb so viele. Allerdings ist die Zahl der Erkrankungen seit Mitte Dezember deutlich zurückgegangen. In der vorletzten Woche des Jahres 2016 gab es 585 Fälle, in der zweiten Januarwoche 381.

Die Erkrankung bricht in der Regel schnell aus und dauert meist nicht länger als 48 Stunden. Allerdings sind Betroffene auch 48 Stunden nach Abklingen der Beschwerden noch ansteckend. Medikamente zur Behandlung gibt es nicht.

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