In vielen Vierteln fehlen Hausärzte

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Stephanie Jacobsist Umweltreferentinder Stadt München. rk

Hausarzt-Mangel ist auf dem flachen Land als Problem erkannt. gesundheit  .

Aber in München? Da gibt es ihn auch. Die Stadt ruft jetzt um Hilfe, weil manche Viertel deutlich unterversorgt sind. Experten sehen das mit Sorge – auch deshalb, weil besonders viele Großstädter psychische Probleme haben.

Hausarzt-Mangel ist auf dem flachen Land als Problem erkannt. Aber in München? Da gibt es ihn auch. Die Stadt ruft jetzt um Hilfe, weil manche Viertel deutlich unterversorgt sind. Experten sehen das mit Sorge – auch deshalb, weil besonders viele Großstädter psychische Probleme haben.

Von Felix Müller

Stephanie Jacobs ist eine positive Frau. Die parteilose neue Münchner Umweltreferentin kann Menschen mit ihrer offenen, fröhlichen Art begeistern. Aber wenn es um die Hausarzt-Versorgung in der Landeshauptstadt geht, verfinstert sich ihre Miene. „Haben Sie einen Hausarzt?“, fragt sie den Gesprächspartner. Jacobs hat auf diese Frage in München oft ein „Nein“ zur Antwort bekommen.

Der Hausarzt, zu dem man regelmäßig geht, der einen genau kennt und der im Notfall auch mal nach Hause kommt – er ist in Teilen Münchens auf dem absteigenden Ast. Dabei erfüllt die Landeshauptstadt bei den Hausärzten eigentlich die vorgeschrieben Quote, gilt gar als überversorgt. Nach den bundesweiten Vorgaben muss in München für 1707 Einwohner ein Hausarzt zur Verfügung stehen. Diese Quote wird locker erfüllt. Das Problem: In manchen Stadtteilen wird der Wert bei Weitem nicht erreicht. Die aktuellsten Zahlen stammen vom Dezember 2013. Damals kam etwa in Feldmoching-Hasenbergl ein Hausarzt auf 2121 Bewohner, in Milbertshofen-Am Hart lag die Quote bei 1:1990. Zum Vergleich: Im Bezirk Altstadt-Lehel bestand ein Verhältnis von 1:182, in Schwabing-Freimann von 1:604.

Ein problematisches Missverhältnis, findet die Gesundheitsreferentin. „Obwohl die Stadt rechnerisch überversorgt ist, besteht in mehreren Teilen ein echter Versorgungsmangel“, warnt Stephanie Jacobs. „München wird nach aktuellen Prognosen bis 2030 auf bis zu 1,7 Millionen Einwohner anwachsen.“ Vor diesem Hintergrund, sagt Jacobs, „müssen wir unbedingt in der Frage der Hausärzte-Versorgung gegensteuern.“

Unterstützt wird Jacobs in der Säche von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Auch diese beobachtet eine Ballung von Ärzten in der Innenstadt – und den vermeintlich besseren Gegenden. Wenn ein Arzt etwa im Hasenbergl seine Praxis aufgebe, sagt Münchens KVB-Chef Christoph Graßl, kaufe ein jüngerer Arzt oft die Zulassung. „Aber der geht dann doch nach Grünwald.“ Innerhalb des Planungsbereichs Münchens ist das zulässig. „Wir müssen in den Brennpunkten schauen, dass wir die Versorgung aufrechterhalten“, warnt Graßl. Die reale Hausarztversorgung sei in München ohnehin niedriger als die Zahlen es hergeben. In vielen Facharztpraxen seien auch Allgemeinmediziner angestellt. Hausbesuche aber böten diese in aller Regel aber nicht mehr an.

Auch Graßl hat beobachtet, dass viele junge Münchner keinen eigenen Hausarzt mehr haben. Das hat verschiedene Gründe. Einer könnte sein, dass viele Praxen schließen, bevor der moderne Münchner aus der Arbeit kommt. Ein anderer Grund ist der Trend, mit Problemen kurz zum Elisenhof oder in eine Bereitschaftspraxis zu gehen. Aus Graßls Medizinersicht ist das problematisch: Gerade in der Großstadt, sagt er, hätten immer mehr gesundheitliche Probleme auch psychische Ursachen. „Die erkennen aber oft nur die Hausärzte, die sich wirklich ein Bild von dem Patienten machen können.“

Die direkten Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt. Man prüfe derzeit, ob über Anreize wie zum Beispiel das Bereitstellen von Praxisräumen eine bessere Versorgung in den einzelnen Stadtteilen geschaffen werden kann, heißt es aus dem Gesundheitsreferat. Graßl würde das begrüßen. Er sagt, gerade in einfachen Vierteln wie dem Hasenbergl seien die alten Praxen oft noch in Wohnungen. Die jungen Ärzte würden diese nicht übernehmen wollen. Hier könnte die Stadt etwas tun, wenn sie Praxen in neuen Häusern einplant und günstig vermietet.

Gesundheitsreferentin Jacobs hofft, dass es bundesweit eine neue Regelung gibt. „Ich will darauf hinwirken, dass bei der Berechnung der Versorgung nicht nur München als Ganzes, sondern auch die 25 Stadtbezirke in den Blick genommen werden“, sagt sie. Nur so könnte eine flächendeckende Ärzteversorgung gewährleistet werden. Jacobs plant, über den Städtetag eine Initiative zu starten. Von der könnte dann möglicherweise auch das zweite Sorgenkind der fröhlichen Referentin profitieren: die Kinderarzt-Versorgung. Auch da gibt es etwa im Norden der Stadt große Lücken. In Milbertshofen-Am Hart kommt ein Kinderarzt auf fast 5500 Kinder und Jugendliche. In Schwabing-Freimann sind es nur 1244.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare