Viele Schneelast-Berechnungen fehlerhaft

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Ein 70-jährige Mittenwalder hat nach über zehn Jahren sein Ziel erreicht: Viele bis jetzt geltende Schneelastzonen sind falsch berechnet und müssen geändert werden. Das könnte einigen Häusle-Bauern viel Geld sparen.

Hausbau

von Josef Hornsteiner

München – Es war der Tag, der Bad Reichenhall für immer veränderte. Am 2. Januar 2006 stürzte das Dach der dortigen Eissporthalle unter einer tonnenschweren Schneelast ein. 15 Menschen starben. Für Wolfgang Schwind aus Mittenwald war die Katastrophe der Anstoß, in der Causa Schneelastnorm nachzuforschen. 2007 schrieb das Mitglied des Arbeitskreises Normung im Auftrag der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ein erstes Gutachten zu diesem Thema. Schon damals ahnte Schwind, dass seine Berechnungen die aktuelle Norm bundesweit auf den Kopf stellen würden. „Die Schneelasten im oberbayerischen Raum waren teilweise bis zu 50 Prozent zu hoch bemessen.“ Andernorts wieder, beispielsweise im Passauer Raum, sei die Schneelast viel zu niedrig angesetzt. „Eine Gefahr angesichts hoher Schneemassen.“

Zahllose Gespräche führte Schwind seither, bei vielen fanden seine Ausführungen zu Beginn nur wenig Gehör. Mit sanften Drohungen schaffte er allerdings einen ersten Teilerfolg: „Es wurde nach der neuen Schneelastnorm vom 19. Juli 2006 beispielsweise in einem Mittenwalder Kasernengebäude ein Vordach mit einer Schneelasthöhe von bis zu sechs Metern vorgeschrieben.“ Schwind hält das für ein Unding, wenn man vergleiche, dass es zu Spitzenzeiten „lediglich auf der Zugspitze bis zu 7,80 Meter Schnee hat“. Aufgrund seiner energischen Einwendungen wurden plötzlich vorgeschriebene Maximal-Lasten „um die Hälfte und bei Schneeüberhang sogar zu 60 Prozent reduziert“. Dadurch wurde Schwind in seinem Kampf gegen falsche Schneelastnormen bestärkt: Die Berechnungen, sagt er, waren „nicht seriös“.

Schwinds Erkenntnisse von 2007 als wissenschaftlicher Betreuer der Studie vom Deutschen Wetterdienst wurden nun offiziell anerkannt und gestern von der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau vorgestellt. In einer Studie des Deutschen Wetterdienstes zur „Flächenhaften Analyse von Schneelastmesswerten in fünf Landkreisen Bayerns“ steht es nun schwarz auf weiß: „Ganze 70 Prozent der Schneelastzuordnungen waren falsch.“

Bei 53 Prozent aller Gemeinden wurde die Schneelast zu hoch berechnet und bei 17 Prozent zu niedrig, was auch für Diplom-Ingenieur Johann Eicher noch viel fataler ist: „Da geht es um die Gefahrenvorsorge“, betonte der Vertreter der Obersten Baubehörde in Bayern. Vor allem im Raum Passau müssten die Schneelastzonen von 2 auf 3a, also die momentan höchsten Stufe, nach oben korrigiert werden.

In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Oberallgäu wurde hingegen viel zu hoch gerechnet, was sich wirtschaftlich enorm beim Hausbau auswirkt: „Da müssen Bauherren oft zig tausende Euro zu viel in die Hand nehmen“, erklärt Schwind. Deshalb hofft er, dass vor allem die Landratsämter in Bayern das neue Schreiben zu den Schneelastnormen beherzigen und „daran interessiert sind, ihre Bürger zu entlasten“.

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