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Erhebliche Gefahr in den Bergen der Region

Viele Lawinentote: Lage bleibt angespannt - vor allem die nächsten Tage „sind die gefährlichsten“!

Weitere Lawine in Österreich - mindestens ein Toter
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Rettungskräfte stehen sich am Fuß der Gammerspitze in Tirol.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Nach der Serie von tödlichen Lawinenunfällen in die Alpen bleibt die Lage in den Bergen kritisch. Experten mahnen zur Vorsicht. Schneemassen hatten binnen weniger Tage ein Dutzend Menschen in den Tod gerissen. Die Gründe für die Häufung waren vielfältig.

Berchtesgaden/Innsbruck - Die hohe Zahl von Lawinenunfällen am Wochenende in den Alpen mit über zehn Toten geht nach Einschätzung von Experten nicht zuletzt auf eine unglückliche Verkettung von Umständen zurück. „Es waren sehr viele Leute unterwegs, das Wetter war schön und es herrschte eine gefährliche Lawinenlage. Das ist eine Kombination, da passiert einfach oft etwas“, sagt Thomas Feistl, Leiter der Lawinenwarnzentrale im Bayerischen Landesamt für Umwelt. Der Schneedeckenaufbau vor allem am Alpenhauptkamm sei schlecht gewesen - ein Grund war starker Schneefall nach einer längeren schneearmen Zeit.

In Österreich waren von Freitag bis Sonntag neun Menschen in Lawinen umgekommen. Bei einem Abgang im Gebiet von Spiss kamen allein fünf Personen ums Leben. Ein Tourengeher starb zudem in der Schweiz und ein weiterer in Bayern. Insgesamt zählten alleine die Tiroler Behörden zwischen Donnerstag und Montag weit über 60 Lawinenabgänge. Mehrere Unfälle gingen dabei zum Glück vergleichsweise glimpflich aus.

Die Lawinenwarnstufe sei erst am Freitag von großer Gefahr der Stufe 4 an den Vortagen auf erhebliche Gefahr der Stufe 3 zurückgenommen worden, sagte Feistl. „Bei Stufe 3 (von 5) passieren die meisten Unfälle.“ Zwei Drittel aller Unglücke ereignen sich bei dieser Lage. Gerade bei Stufe 3 sei einerseits die konkrete Gefahr teils schwer zu beurteilen, andererseits könnten bestimmte Touren durchaus unternommen werden. „Es gehört aber lawinenkundliches Beurteilungsvermögen dazu, und dabei können Fehler passieren.“

Lage hat sich wieder verschärft

Starker Schneefall und Wind verschärften inzwischen die Lage erneut. In Teilen der bayerischen Alpen stieg zum Wochenbeginn die Warnstufe oberhalb von 1400 Metern erneut auf 3. Teils gab es 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee, Wind sorgte für gefährliche Triebschneeansammlungen. Diese Ansammlungen verbinden sich nicht mit dem älteren Schnee und bilden eine reelle Gefahr.

Mit dem Anstieg der Temperaturen und Sonneneinstrahlung sei mit der Selbstauslösung großer Lawinen zu rechnen, teilte das Landesamt für Umwelt am Dienstag mit. „Das Erkennen von Gefahrenstellen und das Beurteilen der Lawinengefahr ist momentan auch für erfahrene Wintersportler und Wintersportlerinnen schwierig. Für Unternehmungen im winterlichen Gebirge ist daher aktuell Zurückhaltung gefragt.“

Im Bereich Innsbruck gilt Gefahrenstufe 4.

Auch Feistl mahnte für die nächsten Tage zur Vorsicht. „Das sind die unfallträchtigsten Tage“ - auch weil der Neuschnee locke. „Die ersten schönen Tage sind für die Tourengeher die gefährlichsten.“ Zum Wochenende hin erwartet die Lawinenwarnzentrale aber eine Entspannung der Lage.

„Die Verhältnisse abseits der Pisten sind heikel“

Dennoch warnen die Experten speziell im Bereich Innsbruck und Tirol: „Die Gefährdung bezieht sich vor allem auf alpines Schneesportgelände. Mit Neuschnee und starkem bis stürmischem Nordwestwind entstanden in den letzten Tagen an allen Expositionen umfangreiche Triebschneeansammlungen. Lawinen können leicht ausgelöst werden. Lawinen können stellenweise den schwachen Altschnee mitreißen und eine gefährliche Größe erreichen. Fernauslösungen sind möglich. Die Gefahrenstellen sind häufig. Sie liegen an allen Expositionen oberhalb der Waldgrenze, auch an steilen West-, Nord- und Osthängen im Bereich der Waldgrenze sowie unterhalb der Waldgrenze. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung steigt die Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen an sehr steilen Sonnenhängen etwas an. Mit der Sonneneinstrahlung sind vermehrt spontane Lawinen möglich.“

Im Freistaat hatten sich drei Jahre lang keine tödlichen Lawinenunfälle ereignet, in dieser Saison gab es hingegen bereits zwei Lawinentote. Das bedeute jedoch keine Trendumkehr, sagte Feistl. Im Schnitt gebe es jährlich 1,5 tödliche Unfälle.

Bereits vor knapp zwei Wochen war in den Berchtesgadener Alpen ein 39-jähriger Skitourengeher in einer Lawine ums Leben gekommen. Der Lawinenwarndienst hatte für diesen Tag eine mäßige Gefahr der Stufe 2 ausgegeben. Am Samstag starb ein 61 Jahre alter Mann aus Österreich im Berchtesgadener Land beim Aufstieg zum 2468 Meter hohen Steintalhörndl. In beiden Fällen habe es sich um erfahrene Tourengeher gehandelt, die auf anspruchsvollen Routen unterwegs waren, sagte Feistl. Es bleibe jedoch stets ein Restrisiko.

dpa/mz