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Die Auswirkungen sind fatal

Verzweifelter Hilferuf der Hebammen: Viele geben frustriert auf - trotz steigender Geburten-Zahl

Der bayerische Hebammenverband fordert eine Eins-zu-eins-Betreuung. 
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Themenbild: Der bayerische Hebammenverband fordert eine Eins-zu-eins-Betreuung. 
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Die Zahl der Geburten in Bayern steigt. Doch es gibt immer weniger Hebammen. Viele geben den Beruf wegen der enormen Arbeitsbelastung auf, als Folge arbeiten die anderen immer mehr am Limit. Der Verband kämpft für bessere Bedingungen in den Kreißsälen - und hofft, dass dadurch viele Hebammen in den Beruf zurückkehren.

München – Kathrin Bauer liebt ihren Beruf über alles. Und trotzdem hat sie jeden Monat einen Moment, in dem sie überlegt, ihn aufzugeben. Weil die Arbeitsbedingungen so hart sind, die Verantwortung so groß – und die Bezahlung dafür nicht angemessen. Sie ist seit 15 Jahren Hebamme, hat lange auf einen Ausbildungsplatz gewartet. Gut waren die Arbeitsbedingungen nie, erzählt sie. Doch weil immer mehr Hebammen aufgeben, arbeiten die anderen mehr und mehr am Limit.

„Viel Verantwortung und immer ein ungutes Gefühl“

Es kommt vor, dass Bauer bei ihrem Dienst in der Klinik in Ansbach vier Frauen gleichzeitig betreuen muss. Eigentlich wären zwei schon zu viel, wenn es Komplikationen gibt oder eine intensive Betreuung nötig ist, sagt sie. „Das ist viel Verantwortung und immer ein ungutes Gefühl.“ Dazu kommt, dass sie nicht mal Geld damit verdient, wenn sie von Kreißsaal zu Kreißsaal hetzt. Denn abrechnen darf sie nur zwei Frauen. Der bayerische Hebammenverband fordert eine Eins-zu-eins-Betreuung. Und eine Reform des Vergütungssystems. Zeit sei bei einer Geburt der wichtigste Faktor, erklärt die Vorsitzende Mechthild Hofner. Zeit sei bei der Abrechnung aber kein Faktor. Auch wenn eine Geburt 14 Stunden dauert, können Hebammen nur einen Pauschalbetrag abrechnen. „Das Vergütungssystem ist nur auf aktive Eingriffe ausgerichtet“, erklärt sie. Auch deswegen geben viele Hebammen auf. Die Verantwortung ist groß, die Bezahlung gering.

Der Hebammenverband hat vor Kurzem eine Umfrage unter den Mitgliedern gestartet. 577 Hebammen haben sich beteiligt. 74 Prozent von ihnen gaben an, dass sie bereit wären, wieder mehr im Kreißsaal tätig zu sein, wenn sich die Arbeitsbedingungen dort ändern würden.

Belastung in der Pandemie größer geworden

Die Probleme sind nicht neu. Der Freistaat hat deshalb vor ein paar Jahren Fördermaßnahmen beschlossen, um die Geburtsversorgung in Bayern sicherzustellen. Für freiberufliche Hebammen gibt es einen Bonus von 1000 Euro, außerdem eine Niederlassungsprämie von 5000 Euro, in den Kommunen gibt es Koordinierungsstellen, die helfen, die Leistungen zu bündeln. Und die Ausbildung ist akademisiert worden.

165 Hebammen werden aktuell an Universitäten ausgebildet, die Zahl der Studienplätze wächst stetig. Hofner findet das richtig. „Die Anforderungen sind größer geworden“, sagt sie. Ohne all diese Fördermaßnahmen würde es um die Geburtsbegleitung in Bayern deutlich schlechter stehen, betont sie. Die Belastung ist in der Pandemie größer geworden, es gibt viele Personalausfälle, auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die auch für Hebammen seit Mitte März gilt, sei für einige der letzte Tropfen gewesen, bei der Entscheidung, den Beruf aufzugeben, berichtet Hofner.

Zeitdruck macht Hebammen zu schaffen

Die Fördermaßnahmen reichen nicht, um Hebammen zu halten oder zurückzuholen, betont sie und hat ein Beispiel: Für einen Wochenbettbesuch kann eine Hebamme 38,46 Euro abrechnen. Plus 81 Cent pro gefahrenen Kilometer. „Bei den aktuellen Spritpreisen rechnet sich das überhaupt nicht mehr – schon gar nicht in ländlichen Regionen mit weiten Anfahrstrecken.“ Zumal es sich nur um ein Brutto-Einkommen handelt. Auch Hebamme Kathrin Bauer ärgert sich darüber. Die Krankenkassen sehen für einen Wochenbett-Besuch 20 bis 30 Minuten vor – „das ist völlig unrealistisch“, sagt sie. Seit Jahren macht sie ihre Arbeit mit Zeitdruck im Nacken. Und immer häufiger fragt sie sich, warum sie sich das antut. „Wäre die Dankbarkeit der Frauen nicht so groß und Geburten ein so schönes Erlebnis, hätte ich vermutlich schon längst aufgegeben.“ 

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