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Wer braucht wie viele Spritzen?

Verwirrung um „Booster“-Status bei Impfdruchbrüchen - wichtige Änderung für Johnson&Johnson-Geimpfte

„Eine Genesung nach Impfdurchbruch (doppelt geimpft) reicht nicht, um den Status ‚geboostert‘ zu bekommen“, erklärte das RKI Mitte Dezember.
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„Eine Genesung nach Impfdurchbruch (doppelt geimpft) reicht nicht, um den Status ‚geboostert‘ zu bekommen“, erklärte das RKI Mitte Dezember.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Bayern und seine Corona-Regeln. Vor allem die 2G/2G-plus-Regeln sorgen bei vielen in der Bevölkerung für Verwirrung. Geboosterte sind von einer zusätzlichen Testpflicht befreit, Menschen mit Impfdurchbrüchen waren es lange nicht und bei Personen, die den Johnson&Johnson-Impfstoff bekommen haben, gelten weitere Sonderregeln. Wer gilt als geboostert und wer braucht wie viele Spritzen um keine rechtlichen Nachteile zu haben?

Update, 19. Januar - Impfnachweis wird angepasst - Zweitimpfung bei Johnson&Johnson nötig

Bis Anfang kommenden Monats sollen in Deutschland die digitalen Impfnachweise an jüngste EU-Vorgaben sowie an Erkenntnisse zur Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson&Johnson angepasst werden. Umgesetzt werden soll damit die Vorgabe der Europäischen Union, nach der Impfzertifikate in der EU künftig nur noch neun Monate nach der Grundimmunisierung gegen das Coronavirus gültig sind, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Dienstag in Berlin sagte. Im Zuge dessen sollen in Deutschland demnach auch geänderte Vorgaben für eine Impfung mit dem Vakzin von Johnson&Johnson umgesetzt werden.

Als geimpft mit vollständigem Grundschutz gilt man in Deutschland nun erst dann, wenn auf die Johnson&Johnson-Erstimpfung eine zweite Impfung erfolgt, so der Sprecher. Dies solle möglichst mit einem mRNA-Vakzin wie dem von Biontech/Pfizer oder Moderna erfolgen, wie er bekräftigte. Der vollständige Schutz ist etwa für die Einhaltung von 2G-Zugangsregeln nötig. Eine entsprechende Vorgabe gelte seit dem Wochenende und solle nun technisch umgesetzt werden, sagte der Sprecher.

Mit diesem Schritt soll einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission nachgekommen werden. Diese empfiehlt allen Menschen ab 18 Jahren, die eine erste Johnson&Johnson-Dosis erhalten haben, ihre Immunisierung mit einer zweiten Impfstoffdosis mit einem mRNA-Impfstoff zu optimieren. Die Optimierung der Immunisierung mit einem mRNA-Impfstoff als zweite Impfdosis wird dabei unabhängig vom Zeitpunkt der Erstimpfung empfohlen - aber mit einem Mindestabstand von vier Wochen.

Laut der EU-weiten Zulassung für diesen Impfstoff hingegen ist für die Grundimmunisierung nur eine Impfstoffdosis nötig - die Regeln in Deutschland weichen somit künftig hiervon ab.

Eine Drittimpfung sei zudem auch nach Johnson&Johnson-Erstimpfung sowie einer Zweitimpfung sinnvoll, auch hier idealerweise mit einem mRNA-Impfstoff, so der Sprecher. Heute zählen in einigen Bundesländern Johnson&-Johnson-Erstgeimpfte nach nur einer weiteren Impfung schon als „geboostert“ - in Bayern allerdings nicht (siehe Text unten: Problem mit Johnson & Johnson).

Update - Bayern passt Booster-Regeln an

Soeben hat die Bayerische Staatsregierung die 15. Bayer. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (15. BayIfSMV) bis einschließlich 9. Februar 2022 verlängertallerdings mit einigen Angleichungen.

Analog zum Bund-Länder-Gipfel gibt es Anpassungen bezüglich des „Booster“-Status für Geboosterte und zweifach Geimpfte mit durchlebter Infektion. Ab Donnerstag (13. Januar) ist in Bayern die Booster-Impfung sofort nach der Spritze gültig – nicht mehr wie bisher nach Ablauf von 14 Tagen. Und auch zweifachgeimpfte Impfdurchbrüchige gelten dann für drei Monate nach überstandener Infektion als geboostert.

Erstmeldung vom 11. Januar:

Bitte beachten Sie beim Durchlesen, dass der Genesenen-Status aufgrund einer Änderung am 15. Januar nur noch für drei Monate gültig ist!

„Durch die derzeit anhaltende Dynamik im Infektionsgeschehen und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse werden Auffrischungsimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) für alle Personen ab 18 Jahren angeboten, deren erste Impfserie drei Monate oder länger zurückliegt“, schreibt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Bezug auf die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer Booster-Impfung auf seiner Homepage.

Warum gelten Impfdurchbrüche nicht als geboostert?

Dies gilt unter anderem auch für Menschen, die zweifach geimpft wurden und einen Impfdurchbruch hatten. Das führt jedoch zu Verwirrung, da sich hier offenbar die Meinung der Politik nicht mit der von Medizinern deckt. Aus virologischer und immunologischer Sicht ist die Sache klar: Wer doppelt geimpft war und anschließend von einer Corona-Infektion genesen ist, der gilt als umfassend geschützt – womöglich sogar besser geschützt als diejenigen, die doppelt geimpft und geboostert wurden, wie manche Experten meinen.

„Die Kombination aus Impfung und Infektion, da kann ich eigentlich beide Ereignisse nahezu gleichsetzen. Das heißt, damit habe ich meine Immunität wieder aufgefrischt und bin deshalb auch wieder immun danach“, sagte Immunologe Carsten Watzl dazu. Man ist dann wohl auch besser gegen die Omikron-Variante geschützt. Außerdem sagt der Immunologe Watzl, dass erst nach einem Booster oder der Kombination aus Infektion plus zweifacher Impfung genügend Antikörper vorhanden sind. Impfstoffforscher Leif Sanders analysiert die Lage ähnlich und meint, dass im Falle einer Corona-Infektion keine Auffrischung nötig sei. „Bei Geimpften wirkt die Infektion wahrscheinlich wie ein Booster.“ 

Das bayerische Gesundheitsministerium wiederum stellt auf seiner Internet-Homepage klar: „Wenn man zweimal geimpft und nach einer SARS-CoV-2-Infektion genesen ist, gilt man derzeit in Bayern nicht als geboostert. Wenn man nach einer SARS-CoV-2-Infektion genesen ist und danach zweimal geimpft wird, gilt man hingegen als geboostert.“ Und auch das RKI bestätigte Mitte Dezember: „Eine Genesung nach Impfdurchbruch (doppelt geimpft) reicht nicht, um den Status ‚geboostert‘ zu bekommen“.

Hamburg und Österreich mit anderer Regel

Dies widerspricht der in vielen Bundesländern gängigen Regelung, wonach bei vollständig Geimpften ein Genesenen-Nachweis sechs Monate lang wie eine Auffrischungsimpfung gilt und auch entsprechend in eine der Corona-Apps eingetragen werden kann. In Hamburg zum Beispiel gilt ein Genesenen-Nachweis wie die Auffrischungsimpfung für sechs Monate. Ebenfalls in Österreich entspricht eine Genesung nach dem Erhalt von zwei Impfdosen dem Erhalt einer weiteren Impfung („Booster“). Anders als in Bayern ist in Hamburg auch die Booster-Impfung sofort nach der Spritze gültig – in Bayern erst nach Ablauf von 14 Tagen.

Ob die Staatsregierung diese Regelung ändert, hängt der Sprecherin zufolge davon ab, zu welchem Ergebnis das Bundesgesundheitsministerium bei der Prüfung dieser Frage kommen wird. Die Gesundheitsministerkonferenz habe bereits um eine solche Klärung gebeten – dafür solle auch eine Stellungnahme der Stiko und des Expertenrats eingeholt werden.

Unter dem Strich bedeutet es dennoch, dass Impfdurchbrüchige, obwohl sie medizinisch und virologisch sogar besser geschützt sind, rechtlich schlechter gestellt werden als Geboosterte. Denn diese Menschen brauchen bei Anwendung der 2G-plus-Regeln einen zusätzlichen Test – Geboosterte jedoch nicht.

Angst vor Überimpfung unbegründet

Fakt ist aber auch: Angst vor einer Überimpfung muss man nicht befürchten. „Dieses Thema Überimpfen, was man da manchmal hört: Um sowas zu erreichen, müsste man es wirklich sehr stark übertreiben und wöchentlich immer wieder impfen. Aber wenn man einfach ein paar Wochen oder auch Monate wartet und sich dann noch mal impfen lässt, ist es ungefährlich“, so Watzl.

Dennoch ist unklar, wann sich Impfdurchbrüchige boostern lassen sollen. Während sich die Ständige Impfkommission (Stiko) bei zweifach geimpften Menschen für eine Booster-Impfung nach drei statt sechs Monaten ausgesprochen hat, empfiehlt sie bei geimpft-geimpft-genesenen Menschen den Abstand von mindestens fünf bis sechs Monaten. Das RKI wiederum erklärt auf seiner Homepage: „Personen, die nach Covid-19-Impfung (unabhängig von der Anzahl der Impfstoffdosen) eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, sollen im Abstand von mindestens drei Monaten nach Infektion ebenfalls eine Auffrischimpfung erhalten.“

Problem mit Johnson & Johnson

Und was ist eigentlich mit Menschen, die sich nach einer Johnson & Johnson-Impfung mit dem Coronavirus infiziert haben? Hier ist die Sachlage ebenfalls sehr kompliziert.

Um hier als „geboostert“ zu gelten, sind zwei weitere Spritzen mit anderen Vakzinen nötig. „Auch für den Vektor-basierten Covid-19-Impfstoff Janssen wird nach vier Wochen eine weitere Impfstoffdosis mit einem mRNA-Impfstoff als Optimierung zur Grundimmunisierung dringend empfohlen. Diese zweite Impfung erfolgt im Rahmen der Grundimmunisierung und gilt nicht als Auffrischungsimpfung“, schreibt das Bayerische Gesundheitsministerium.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt allen Personen, die einen Janssen-Dosis erhalten haben, ebenfalls zur Optimierung der Grundimmunisierung eine zweite Impfstoffdosis mit einem mRNA-Impfstoff in einem Mindestabstand von vier Wochen zur ersten Dosis. „Warum andere Bundesländer anders vorgehen, entzieht sich unserer Kenntnis“,erklärte eine Ministeriumssprecherin gegenüber br.de. In Baden-Württemberg zum Beispiel gilt eine Person mit einer Johnson & Johnson-Impfung und einer weiteren mRNA-Impfung als „geboostert“.

Wie viele Spritzen benötigen Genesene?

Im Fall von genesenen Personen, benötigen diese zwei Spritzen um als „geboostert“ zu gelten. Auch hier beruft sich das bayerische Gesundheitsamt auf die Empfehlung der Stiko. So ist „bei Personen, die eine gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, die Verabreichung einer singulären Impfstoffdosis ausreichend“. Damit erreiche man die Grundimmunisierung. Die Booster-Impfung ist dann nach sechs Monaten möglich. Eine Verkürzung des Abstandes auf drei Monate könne laut Ministerium im Einzelfall ermöglicht werden.

Grundlegend ist allerdings festzuhalten, dass gerade für die Risikogruppe, also Personen mit Vorerkrankungen oder Menschen höheren Alters, das Risiko eines Impfdurchbruchs erhöht ist. Das ist durch den Umstand zu begründen, dass die Immunantwort des Immunsystems bei Älteren und Personen mit Vorerkrankungen nach der Impfungen geringer ausfällt – diese Personen können dann auch schwerer erkranken. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte deshalb Anfang Oktober ihre Empfehlung zu Auffrischungsimpfungen ausgeweitet.

mz

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