Vermeintlich positive Tests waren in Wahrheit negativ: Augsburger Labor räumt Probleme ein

Aufgrund der steigenden Neuinfektionen gelten jetzt auch an den Kliniken in der Region wieder strengere Regeln.
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Aufgrund der steigenden Neuinfektionen gelten jetzt auch an den Kliniken in der Region wieder strengere Regeln.
  • Klaus Rimpel
    vonKlaus Rimpel
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Die vermehrten Corona-Tests bringen viele Labore ans Limit – und auch die Zuverlässigkeit scheint zu leiden, wie nicht nur die falschen positiven Testergebnisse bei Fußballern wie Serge Gnabry oder beim Drittligisten Türkgücü München zeigen.

München – Mit verheerenden Folgen: Wegen vermeintlich positiver PCR-Corona-Tests in mehreren Kliniken mussten Patienten isoliert werden.

Wegen der kaum erklärbaren Häufung der positiven Testergebnisse ließ das Isar Amper Klinikum in Taufkirchen (Vils) erneut testen, wie unsere Zeitung erfuhr. Das Ergebnis: von 60 Corona-Tests, die vergangene Woche vom Augsburger MVZ-Labor positiv getestet wurden, entpuppten sich beim Kontrolltest 58 als negativ. Das heißt: Die Patienten waren völlig unnötigerweise isoliert worden und die Gesundheitsämter hatten unnötigerweise deren Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt.

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Massiv angestiegene Testzahlen

„Die falschen Testergebnisse bedeuten für die Kliniken ein gewaltigen wirtschaftlichen Schaden und für die Patienten großes, auch gesundheitliches Leid“, so ein Insider. Der Sprecher der Isar Amper Kliniken wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern.

Das Testlabor bestätigte aber die Probleme: „In der letzten Woche waren wir vor dem Hintergrund massiv angestiegener Testzahlen zusätzlich gezwungen, den Lieferausfall eines Herstellers zu kompensieren“, so die Geschäftsführerin des MVZ-Labors, Gabriele Schön.

Dabei ging es dem Vernehmen nach um ein Reagens, also das Nachweismittel. Wegen der Millionen von Corona-Tests werden diese Reagenzien knapp, und das Labor musste auf ein alternatives Reagens ausweichen, das offenbar nicht kompatibel war. „Aufgrund des hohen Probenaufkommens und des fehlenden Zubehörs war eine Kontrolle positiver Ergebnisse nicht in allen Fällen zeitnah möglich“, erklärte MVZ-Geschäftsführerin Schön weiter.

Labore handeln „eigenverantwortlich“

Die Probleme beim MVZ-Labor in Augsburg dürften kein Einzelfall sein: Auch Konkurrenten haben wegen knapper Reagenzien und Personal-Mangels Probleme, die Tests in gewohnter Qualität durchzuführen, heißt es aus Insider-Kreisen.

PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktionen) gelten eigentlich als die besten Tests mit einer Zuverlässigkeit von „nahezu 100 Prozent“, wie der Virologe Gerd Uwe Liebert gegenüber unserer Zeitung erklärte. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden in den letzten Wochen mehr als 1,7 Millionen Corona-Tests durchgeführt. Rund 50 Prozent werden von den 20 größten Laboren abgearbeitet, zu denen auch MVZ (das früher Schottdorf hieß) gehört.

Zentral überprüft werden die Labore nach Auskunft des bayerischen Gesundheitsministeriums nicht. Sie handeln „eigenverantwortlich“, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings seien sie verpflichtet, „ein Qualitätssicherungssystem nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Qualität, Sicherheit und Leistung bei der Anwendung von In-vitro-Diagnostika sowie zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit der damit erzielten Ergebnisse einzurichten“.

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