Übergriff im Riedergarten während Herbstfest Rosenheim? Polizei meldet: Keine Vergewaltigung

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Die Nachricht überschattete das Herbstfest Rosenheim, beunruhigt Teile der Bevölkerung bis heute: die Vergewaltigung einer 21-Jährigen nachts im Riedergarten. Jetzt die Wende. Die Kripo Rosenheim konnte den Sachverhalt aufklären: Es gab gar keine Vergewaltigung.

Rosenheim – Die Meldung ließ aufhorchen: Die mutmaßliche Vergewaltigung im Riedergarten Anfang September 2019 war offenbar gar keine Vergewaltigung – das gaben die Kripo Rosenheim und die Staatsanwaltschaft Traunstein (Zweigstelle Rosenheim) bekannt.

Passanten finden die Frau auf einer Parkbank

Nach langen und intensiven Ermittlungen kamen Kripo und Staatsanwaltschaft nun zu dem Schluss: Dass nicht von einer „strafbaren Handlung zum Nachteil der Frau“ auszugehen ist. Sprich: Es handelte sich weder um eine Vergewaltigung noch eine sexuelle Nötigung – und damit um keinen Straftatbestand. Ganz im Gegenteil: Das Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt. Das Thema ist damit ad acta gelegt.

Hier im Riedergarten in Rosenheim kam es zur Handlung, die zunächst als Vergewaltigung bewertet worden war. 

Doch wie kam es dazu? Noch zur Herbstfestzeit hatte die Meldung für große Beunruhigung gesorgt: Im Riedergarten soll in der Nacht auf Sonntag, 8. September, eine 21-Jährige aus dem Landkreis Opfer einer Vergewaltigung geworden sein. Passanten hatten die junge Frau in den Morgenstunden auf einer Parkbank am Max-Josefs-Platz aufgefunden und zur Polizei gebracht. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nun rückblickend zusammenfasst: Aufgrund der „ersten Einlassungen“ der Frau habe man von einer erheblichen Sexualstraftat durch einen unbekannten, männlichen Täter ausgehen müssen.

Riesige Datenmenge ausgewertet

Was folgte: eine groß angelegte Suchaktion, Spurensicherung, Spürhunde wurden eingesetzt – und sämtliches Datenmaterial aus Videoüberwachung in der Rosenheimer Innenstadt gesichert. Eine eigens ins Leben gerufene Ermittlungsgruppe (EG) „Park“ der Kripo Rosenheim, neun Mitarbeiter stark, wertete Zeugenhinweise aus, führte Befragungen durch – und sichtete die ungeheure Datenmenge aus der Videoüberwachung. Volumen: rund 50 Gigabyte. Unterstützt wurde die EG „Park“ dabei von weiteren Kollegen der Kripo Rosenheim und umliegender Polizeidienststellen.

Bis zu 16 zusätzliche Mitarbeiter saßen dazu vor den Bildschirmen, auf der Suche nach dem mutmaßlichen Täter, vom Opfer als südländischer Typ mit auffälliger, knallroter Jacke beschrieben. Als weiteres Merkmal aus der Tatnacht hatte die junge Frau angegeben: beißender Urin- und Nikotingeruch.

Kripo überprüft rund 120 Personen

Neben der Unsicherheit, die sich über das Rosenheimer Herbstfestgeschehen und das anschließende Nachtleben legte, war von den weiteren Ermittlungen auch der Volksfestbetrieb an sich betroffen: Die Kripo ließ damals sämtliche Betreiber und Mitarbeiter von Fahrgeschäften, Imbissbuden, Schaustellern und anderen Gewerbetreibenden rund um das Herbstfest zur Befragung in der Inntalhalle antreten. Insgesamt an die 120 Personen. Der Aufwand: enorm. Die Verunsicherung in der Bevölkerung: groß.

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Während sich das Polizeipräsidium offiziell bedeckt hielt, tat sich im Hintergrund offenbar einiges: Die Ermittlungen der EG „Park“ führten zu einem jungen Mann aus dem Landkreis Rosenheim, der zunächst als „dringend Tatverdächtiger“ geführt worden war, wie das Präsidium aktuell Einblick gab. Zeugenhinweise und die Auswertung des Videomaterials hätten die Ermittler auf dessen Spur gebracht, erklärte Polizeisprecher Martin Emig auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Was folgte: intensive, langwierige Vernehmungen – wobei der junge Mann nie in U-Haft saß, lediglich vernommen wurde, wie Polizeisprecher Emig betonte. „Dabei konnte der Beschuldigte natürlich Angaben zu seiner Entlastung machen, die dann überprüft wurden.“

Polizei schweigt über die Hintergründe zum tatsächlichen Geschehen

Und diese eben sehr „intensive“ Betrachtung, verbunden mit den sichergestellten Spuren, führte letztendlich – laut Polizei ganz aktuell im neuen Jahr – zur Wende im Fall Riedergarten: Die Ermittler gehen inzwischen nicht mehr von einer „strafbaren Handlung“ aus.

Ob es sich bei der Nacht im Park um eine einvernehmliche Geschichte gehandelt hat oder was auch immer die Hintergründe waren – dazu wollte sich das Polizeipräsidium mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Opfers nicht äußern. Nur so viel ist dem Polizeisprecher zu entlocken: „Eine Straftat war‘s nicht.“ Gleichzeitig verbucht die Kripo das Ergebnis als Ermittlungserfolg. „Es wurde von Anfang an alles daran gesetzt, die Geschehnisse dieser Nacht aufzuklären“, unterstreicht Emig. „Und das ist gelungen.“

Keine Konsequenzen für junge Frau

Eine Vergewaltigung, die offenbar keine war – hat das nun Konsequenzen für die junge Frau? In diesem Fall: nein. Das erklärt der Polizeisprecher auf Nachfrage. „Die Staatsanwaltschaft hat keinen Anlass für ein weiteres Strafverfahren gesehen, weil es nicht zielführend wäre“, so Emig.

Weshalb die Nacht ohne Folgen für die 21-Jährige bleiben wird – auch dazu wollte sich das Polizeipräsidium nicht äußern. Ebenfalls mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der jungen Frau.

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