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Institute in München und Frankfurt durchsucht

Verdacht auf Geldwäsche bei „Tegernsee-Oligarch“: Razzia auf Alisher Usmanows Privatkonten

 „Die Razzia am Tegernsee am 21. September.“
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 Die Razzia am Tegernsee am 21. September.
  • Klaus Wiendl
    VonKlaus Wiendl
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BKA-Fahnder haben sich Filialen der Schweizer Großbank UBS in Frankfurt und München vorgenommen. Sie suchten nach Konten von Alisher Usmanow. Er steht im Verdacht, Millionen gewaschen zu haben. Das haben sie gefunden.

Rottach-Egern – Der mehrfache Milliardär Alisher Usmanow (69) kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zu umfangreich sind offenbar seine Schätze im Verborgenen. Der gebürtige Usbeke steht als Putin-Vertrauter seit dessen Überfall der Ukraine auf der EU-Sanktionsliste, als „Verwalter von Finanzströmen“ des Kreml-Chefs. Als sich der Krieg anbahnte und Usmanow rechtzeitig Wind davon bekam, verließ er Ende Februar fluchtartig seinen Zweitwohnsitz in Rottach-Egern.

Nach der umfangreichen Razzia am 21. September am Tegernsee wurde bekannt, dass sich Usmanow seit 2014 immer wieder länger in seiner Villa am Tegernsee und in München aufgehalten haben soll. Von so langer Dauer, dass er damit in Deutschland steuerpflichtig geworden sei, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft München II. Sie ermittelt gegen Usmanow wegen des Verdachts der Geldwäsche, Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz und Steuerhinterziehung.

Privatkonten im Visier

Während man in seinen oberbayerischen Immobilien offenbar auf Unterlagen und wertvolle Kunstgegenstände wie die vermeintlichen Fabergé-Eier gestoßen ist, standen gestern um 10 Uhr Usmanows Privatkonten bei der UBS im Visier der Fahnder. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte die Razzia gegenüber dem „Spiegel“. Die Frankfurter Zentrale wurde von BKA-Kräften ebenso durchsucht wie die Filiale in München. Die BKA-Abteilung für Schwere und Organisierte Kriminalität soll fast 100 Geldwäscheverdachtsmeldungen von Banken zusammengetragen haben, die Usmanows Transaktionen betreffen sollen. Die Anzeigen richten sich laut „Spiegel“ zum Teil gegen den Sanktionierten selbst, zum Teil auch gegen Offshore-Firmen, die mit Usmanow in Verbindung stehen.

Steuern in Höhe von 550 Millionen Euro hinterzogen

Bei den Offshore-Firmen kommt dann wieder der Tegernsee ins Spiel. Denn alle vier Immobilien, die Usmanow in Rottach-Egern zugeschrieben werden, wurden von Briefkastenfirmen auf der britischen Steueroase Isle of Man erworben. Sämtliche Kaufverträge von Münchner Notariaten liegen unserer Zeitung vor. Usmanows Bevollmächtige kauften unter Fantasienamen wie „Lake Point Property Holding“ oder „Tegernsee (IOM) Limited“. Auf insgesamt 36 solcher Offshorefirmen seien Fahnder der „Task Force Ermittlungsgruppe Ukraine“ in Deutschland gestoßen.

Schon 2017 registrierte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee verdächtige Geldbewegungen Usmanows. Es folgte eine Geldwäscheverdachtsanzeige bei der zuständigen Financial Intelligence Unit (FIU) in Köln. Offenbar mit Erfolg. Denn weitere verdächtige Kontobewegungen soll es ab dem Jahr 2018 mit mehr als zwei Millionen Euro gegeben haben. Laut Ermittler soll auch die „Tegernsee (IOM) Limited“ in die Überweisungen verwickelt sein. Mithilfe von Strohmännern soll Usmanow mit den Geldflüssen versucht haben, Vermögen zu verschieben und dabei tatsächliche Eigentumsverhältnisse zu verschleiern. Insgesamt soll Usmanow Steuern von 555 Millionen Euro hinterzogen haben, da er in Deutschland steuerpflichtig gewesen sei.

Milliardär mit besten Kontakten zu Putin: Alisher Usmanow (Mitte). Das Bild entstand 2017.

Der Sprecher Usmanows, Grigory Levchenko, wies gegenüber unserer Zeitung die Vorwürfe entschieden zurück. Sie seien haltlos, falsch und ehrenrührig. Der Unternehmer sei „ein gesetzestreuer Steuerzahler, der seine Abgaben in Russland geleistet hat“. Zeitgleich wurde auch bekannt, dass sich auf Usmanows Luxusyacht „Dilbar“, die vor Monaten von deutschen Behörden festgesetzt wurde, offenbar zahlreiche Kunstschätze befanden. Laut Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ seien Fahnder auf rund 30 Gemälde bedeutender Maler im Wert von geschätzt fünf Millionen Euro gestoßen. Auch ein Werk Mark Chagalls sei darunter.

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