Vater tötet Frau und drei Kinder

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Es muss ein grausiger Anblick gewesen sein: In einer Wohnung in einem Hochhaus in Mittelfranken findet die Polizei am Morgen vier Leichen – eine Frau und ihre drei kleinen Kinder. Unter Verdacht steht der 31 Jahre alte Vater und Ehemann. Er sprang vom Balkon.

FamilienDrama

Von Markus Christandl

Gunzenhausen – Es war früh, exakt 5.15 Uhr. Eine Frau aus der Bismarckstraße in Gunzenhausen war aber schon aufgewacht. Sie schaute aus dem Fenster und sah im Hof vor dem Hochhaus einen Mann. Schwarz gekleidet, nervös, er wirkte wütend. „Der wartete da, bis einer rausgeht, dann sprang er rein, bevor die Tür zuging, und ich dachte noch, warum hat der keinen Schlüssel?“

Dies dürfte der Beginn eines schrecklichen Familiendramas gewesen sein. Der Mann, Georg K. (31), steht im dringendem Verdacht, seine Ehefrau Olesija (29), seine beiden Buben Maikel (9) und Dima (7) sowie das Nesthäkchen Anastasia (3) umgebracht zu haben. Möglicherweise hat er alle erstochen. Anschließend sprang Georg K. aus dem dritten Stock direkt vor das Gebäude, er überlebte schwer verletzt und wurde gestern operiert. Der 31 Jahre alte mutmaßliche Täter sei laut seinem Personalausweis Deutscher, sagte ein Polizeisprecher. Geboren sei er in Russland.

Gefunden wurden die Opfer gegen 6 Uhr. Dann wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Den Kindern und der Frau konnte jedoch niemand mehr helfen. Ein Dutzend Notfallseelsorger traf am Tatort ein. Die Kripo suchte gleichzeitig die Dreizimmerwohnung im dritten Stock nach Spuren ab. Was die Beamten dabei entdeckten, wollen sie heute Vormittag näher beleuchten. Informationen zufolge soll sich aber der neue Lebensgefährte von Olesija vor dem Haus befunden haben. Er habe die Tat nicht verhindern können, berichten Nachbarn.

Georg K. soll nach dem Verbrechen, das unglaublich schnell abgelaufen sein muss, zum Balkon gelaufen sein und beim Springen gerufen haben: „Du hast mein Leben durcheinandergebracht. Jetzt siehst du, was du davon hast!“ Die Opfer wurden gestern in Erlangen obduziert. Dann sollte die Todesursache feststehen. Die Familie lebte seit drei Jahren in dem Hochhaus; seit Anastasia geboren wurde. Während der Ehemann Georg morgens die Wohnung verließ, kümmerte sich Ehefrau Olesija um den Haushalt. „Wir haben sie selten gesehen“, sagte eine Anwohnerin, „sie war aber immer nett, eine freundliche Frau.“ Die Buben gingen in die Grundschule, die keine 400 Meter entfernt liegt und leicht für Maikel und den jüngeren Dima erreichbar war. Anastasia besuchte ganz stolz den Kindergarten. Doch ihre Eltern hatten sich voneinander entfremdet, es soll sogar ein polizeiliches Kontaktverbot wegen häuslicher Gewalt für Georg K. bestanden haben.

Anwohner berichten, dass erst vergangene Woche die Polizei vor Ort war, sie war von der Wohnung aus gerufen worden. Später sah man einen Mann, der die Kinder und die verängstigte Frau wegbrachte. Auch der Erste Bürgermeister der 16 000-Einwohner-Gemeinde, Karl-Heinz Fitz, zeigt sich erschüttert. „Es gab von unserer Seite keine Anhaltspunkte, dass sich da so eine Tragödie ereignen könnte“, sagt er. „Irgendwie fehlen einem ein bisschen die Worte. Es ist schlimm.“

Die Anwohner an der Bismarckstraße können jedenfalls nicht fassen, was passiert ist. Der Schock und die Trauer sitzen tief. Ein Nachbar hat Tränen in den Augen. „Ich hab’ die Familie immer beim Spaziergehen gesehen. Erst am Sonntag habe ich sie ja noch gesehen, und jetzt – da sind sie alle tot. Ich pack’ das nicht.“ Eine Nachbarin aus dem Haus zeigte sich erschüttert, dass auch die so zarte Anastasia ohne Erbarmen getötet wurde. „Sie war so eine Liebe. Ein Sonnenschein.“ Wenn die Dreijährige mit dem Fahrrad, das zu beherrschen sie erst gelernt hatte, fröhlich durch den Hof düste, ging allen im Block das Herz auf. Anastasias Lachen – es ist nun verstummt.

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