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Einer von uns

Uwe Seeler – Sportsmann auf dem Fußballplatz und im Leben – ist mit 85 Jahren gestorben

Uwe Seeler verstarb im Alter von 85 Jahren
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Uwe Seeler verstarb im Alter von 85 Jahren
  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Männer, die im Leben sehr groß geworden sind, obwohl das Leben ihnen nicht die besten Startchancen eingeräumt hat, nennt man gerne. Warum Fußball-Legende Uwe Seeler einer von uns war.

München – Sohn von. . . Uwe Seeler war der „Sohn eines Hamburger Schutenführers“ und wurde ein deutsches Fußball-Idol, eine der ersten Werbe-Ikonen des professionellen Sports, sozusagen eine Marke: Uns Uwe. Nun ist der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft und ewige Hamburger im Alter von 85 Jahren gestorben. In den vergangenen Jahren war er öfter in Kliniken: Er hatte einen Autounfall im Elbtunnel, in seinem Haus stürzte er.

Große Sammlung von Titeln

Mit einer großen Sammlung von Titeln konnte der Mittelstürmer Uwe Seeler nicht dienen. Er war unfassbar vereinstreu – und sein Verein unglücklicherweise der Hamburger SV. Immer dabei, doch zu Seelers Zeit nur einmal, 1960, ganz vorne. Mit dem Team des Deutschen Fußball-Bundes bestritt er vier Weltmeisterschaften – von 1958 bis 70 –, doch in Verbindung bringt man ihn mit den dramatischen Niederlagen. Wembley 1966 – wie er gesenkten Hauptes neben der Musikkapelle den Platz verließ, 2:4 in der Verlängerung hatten die Deutschen verloren, auch aufgrund eines Tores der Engländer, das wohl keines war. 1970 stand er in Mexiko-City im Jahrhundertspiel im WM-Halbfinale gegen Italien auf dem Platz.

Diese WM war das eindrucksvolle Spätwerk Seelers – doch der Weg der Mannschaft mit der 3:4-Niederlage, wieder nach Verlängerung, beendet. Uwe Seeler wirkte auf andere Weise als durch die Liste an Erfolgen auf die Deutschen. Er stand für Werte, in ihm spiegelte sich eine aufstrebende Nation, die sich vorgenommen hatte, im Wirtschaftswunder nicht abzuheben, weil schließlich die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs auf ihr lastete. Es war absehbar, dass Uwe Seeler ein großer Fußballer werden würde. Die Weltmeisterschaft 1954 verpasste er noch, da war er schließlich Jugendspieler.

Doch schon im Oktober 1954 gehörte er erstmals der Mannschaft der deutschen Weltmeister an, da war er immer noch 17. 1961 hätte er seine Karriere in eine glamourösere Richtung lenken können. Inter Mailand wollte ihn verpflichten, der große Trainer Helenio Herrera selbst kam nach Hamburg, quartierte sich mitsamt einem Koffer voller Bargeld im Hotel ein. Man ließ den jungen Uwe in den Koffer blicken, man bot dem HSV über eine Million D-Mark als Ablöse (erst spät in den 70er-Jahren sollte diese Grenze überschritten werden), doch Seeler entschied sich gegen einen Wechsel. Die Summen, die im Raum standen, waren nicht greifbar für ihn. „Ich könnte ja nicht öfter als dreimal am Tag ein Steak essen.“

Und ein Steak, das war damals, anfangs der 60er-Jahre, schon der Inbegriff des Aufschwungs auf den Tellern. Natürlich erfolgte das Nein zu Italien nicht ausschließlich aus Bescheidenund Heimatverbundenheit. Vor allem Adidas, der großen Sportartikelfirma, war daran gelegen, Uwe Seeler im Land zu halten. Man übertrug ihm die Gebietsvertretung für Norddeutschland, und so kam es, dass der Mittelstürmer Uwe Seeler bei seinem HSV gar nicht immer mittrainieren konnte, weil er in seinem VW Käfer unterwegs zur Kundschaft war. Manchmal hat er sich auf seinen Reisen bei Clubs, die auf der Strecke lagen, fit gehalten. Er war willkommen. Einer von uns. Überall. In der 1963 gegründeten Fußball-Bundesliga war die monatliche Gehaltszahlung auf 1200 D-Mark limitiert. Mit der Adidas-Repräsentanz konnte Uwe Seeler diese Regel legal aushebeln. Dazu kamen Werbeverträge. Und so stand Uwe Seeler vor seinem Allibert im Badezimmer, ein Handtuch über die Schultern gelegt, pfiff „Im Frühtau zu Berge“ und war erleichtert, noch einen ausreichenden Vorrat an Rasierwasser im Spiegelschrank zu haben.

Einmal mussten die Deutschen um ihren liebsten Fußballer, der so unmögliche Tore schoß wie nach ihm nur noch Gerd Müller, bangen. Ihm riss 1965 die Achillessehne – was zur damaligen Zeit als eine Verletzung galt, die eine Fußballerkarriere beendet. Doch Uwe Seeler kehrte zurück, rechtzeitig zum wichtigsten Länderspiel der Saison, bei dem es um die Teilnahme an der WM 1966 ging. In Stockholm gegen Schweden mussten die Deutschen gewinnen, Seeler trat in einem gepolsterten Spezialschuh an. Schweden schoss das 1:0. Seeler rief den Kameraden zu: „Keiner lässt die Schlappohren hängen.“

Die DFB-Elf gewann 2:1. Siegtorschütze: Uwe Seeler. 1968 trat er aus der Nationalmannschaft zurück, 1970 folgte er der Bitte von Bundestrainer Helmut Schön um ein Comeback. Doch Uwe Seeler stellte keine Ansprüche, im Sturmzentrum zu spielen, wie er das Zeit seiner Karriere getan hatte. Um den jungen und in blendender Form befindlichen Bayern Gerd Müller nicht zu blockieren, schlug Seeler für sich eine zurückgezogenere Rolle vor. Als hängende Spitze gelang ihm noch eines der berühmtesten Tore der Fußballgeschichte: mit dem Hinterkopf im Viertelfinale gegen England. 1972 hörte er auf und wurde endgültig und ausschließlich Geschäftsmann.

Dass sich dennoch eine weitere Vereinsstation neben dem Hamburger SV in seine Vita mogelte, ärgerte Seeler. 1978 lief er auf Bitte von Adidas für den irischen Club Cork Celtic auf. Er dachte, es wäre ein Freundschafts- und Werbespiel, tatsächlich ging es gegen die Shamrock Rovers um Punkte in der ersten irischen Liga. Bei der 2:6-Niederlage erzielte er beide Tore. Man verlernt es halt nicht. Die Bindung zum HSV war so stark, dass das Idol Seeler nicht umhin kam, sogar den Präsidenten zu machen. Er tat es von 1995 bis 98, vermochte den da bereits einsetzenden Niedergang des Vereins aber nicht aufzuhalten. Vor der Wut der Fans, die jeden anderen getroffen hätte, blieb er verschont. Vor dem Volksparkstadion steht eine Skulptur seines Fußes.

Uwe Seeler hatte auch immer eine Stimme, was den Hamburger SV betraf. Nur dass sich seine Einleitungssätze mit den Jahren wandelten – von „Ich glaube, der Ha-Ess-Vau hat auch diese Saison eine gute Schangsä“ zu „Ich mache mir Sorgen um den Ha-Ess-Vau“. Uwe Seeler ist im Fußball immer eine Figur geblieben. Er begleitete die Nationalmannschaft zu Turnieren, war häufig Mitglied der DFB-Delegation – solange es die gesundheitliche Disposition zuließ. Seine „Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft“, besetzt mit früheren Profis, tourt noch immer über die Dörfer und ist unvergänglich berühmt geworden, als Franz Beckenbauer als Präsident von Bayern München die Spieler nach einem verlorenen Match in Lyon 2001 abkanzelte: „Das war Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft.“ Seeler selbst, mit Beckenbauer jedes Jahr zum Skifahren in Obertauern verabredet, hat ihm das nicht krumm genommen. Er hat nie jemandem etwas verübelt. Er war Sportsmann – auf dem Fußballplatz und im Leben. Und bleibt das in der Erinnerung

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