UNSERE HEIMATKOLUMNE

Unsere Heimatkolumne Vorwitzig kommen sie schon heraus, die ersten Schneeglöckchen.

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Vorwitzig kommen sie schon heraus, die ersten Schneeglöckchen.

Meine Raben-Freunde hacken in die Erde, und ich hoffe, dass sie nicht die ersten Regenwürmer rausziehen. Vorboten des Frühlings.

Dass er schon vor der Tür steht, dürfte allerdings eine Illusion sein. Es ist noch gar nicht so lange her, dass in Kirchen und auch Privathaushalten Krippen und Christbäume am 2. Februar, bis 1912 übrigens noch offizieller Feiertag, entfernt wurden. Sogar heute noch bewahren sich manche ihren weihnachtlichen Lichterglanz möglichst lang. Erst mit „Maria Lichtmess“ endete die Weihnachtszeit. Lichterumzüge der Kinder fanden einst statt, Kerzensegnungen und Prozessionen.

Dass sich vor allem Dienstboten auf den 2. Februar freuten, hatte einen besonderen Grund: An Lichtmess erhielten sie den Jahreslohn in Geld und Naturalien ausbezahlt. Sie konnten sich bei ihrem Dienstherrn neu verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln. Die Zeit bis Agatha am 5. Februar war eine Art vertraglich gesichertes Nichtstun. Lachen musste ich letztens beim Mittagessen in gemütlicher Runde, als ein Freund seiner Gemahlin versicherte, dass er ihren Arbeitsvertrag ganz sicher verlängern wird. Für ein Jahr – die Gattin nahm’s mit Humor.

Aus unserem Alltag ist das Fest längst verschwunden. Aber an ein paar Bauernregeln erinnert man sich immer noch gern: „Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ Richtig anschaulich beschreibt eine Bauernweisheit, wie die Tage nach der Wintersonnwende am 22. Dezember länger werden: „Weihnachten um ein Mückenschritt, Silvester um ein Hahnentritt, Dreikönig um ein Hirschensprung und Lichtmess um ein ganze Stund.“

Also, irgendwie geht mir das Dunkel zurzeit auf den Wecker. Um 7 Uhr 30 immer noch alles finster? Gar kein Vergnügen, finde ich. Es fehlt einfach die Helligkeit des Schnees, der die Natur so viel freundlicher erscheinen lässt. Milde Temperaturen zum Jahreswechsel – gar nicht in unserem Sinn. Die tägliche Ration Vitamin D soll gut für die Knochen sein, aber für die Seele ist eben nur Sonnenlicht das einzig Wahre. Das vergangene Lichtmess-Wochenende – es ließ mich hoffen.

Vor allem, weil ja auch noch der Blasiussegen gespendet wurde. Schon lustig, was Leute so antworten, wenn man sie nach der Bedeutung dieses Rituals fragt. Da fällt so manchem tatsächlich der Siegfried Sommer ein. Fast vierzig Jahre lang liebten die Münchner seine Zeitungskolumne „Blasius, der Spaziergänger“. „Und keiner weint mir nach“ – gut, dass dies nur der Titel seines ersten 1954 erschienenen Romans war. Seinen Tod 1996 empfanden seine Fans als herben Verlust. Mit einer lebensgroßen Bronzestatue des Bildhauers Max Wagner wurde der Sigi posthum geehrt: In der Fußgängerzone in der Rosenstraße kann man ihm noch immer täglich begegnen: Fast so, wie er leibt und lebt, mit einer Zeitung unter dem rechten Arm.

Seit 2001 freuen sich Künstler auch über den Sigi-Sommer-Taler, den die Faschingsgesellschaft Narrhalla jährlich vergibt. Mit dem Gedenktag hat der beliebte Münchner aber nun gewiss nichts zu tun. Der Überlieferung zufolge war Blasius um 300 Bischof von Sebaste in Kleinasien. Die Verehrung für den Heiligen und Märtyrer, der zu den vierzehn Nothelfern zählt, ist bei vielen Gläubigen bis heute ungebrochen. Der Legende nach rettete Blasius einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben. Bei der Erteilung des Blasiussegens hält der Pfarrer zwei gekreuzte Kerzen in Höhe des Halses vor.

Wer sich am Wochenende also im eher luftigen Faschingskostüm ins Getümmel gestürzt hat, tat gut daran, sich am Samstag bei dem Heiligen gegen Halskrankheiten vorzustellen. Da Blasius auch Schutzpatron gegen verletzende Worte ist, können die, die sich segnen ließen, wohlbehütet ihres Weges gehen.

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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