UNSERE HEIMATKOLUMNE

Unsere Heimatkolumne Seit Palmsonntag begrüßt er mich am Hauseingang: mein Palmbusch.

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Seit Palmsonntag begrüßt er mich am Hauseingang: mein Palmbusch.

Im Freien bleibt er länger frisch. Das Gebinde aus Buchsbaum und Fichten, Wacholder, Thula und Weiden, die bereits „Kätzchen“ tragen, ist, wie jedes Jahr, ein Geschenk von lieben Chiemgauer Freunden. Echte Palmen, die schon im Altertum als heilige Bäume und Symbol für die Königswürde galten, und Ölzweige gibt’s halt nur im Botanischen Garten.

Wie groß ist die Freude von Kindern, wenn sie heute schon ein Schokoladenei im Garten finden, das der Osterhase „verloren“ hat. Viel zu früh war die österliche Pracht mit Marzipan- und Nougateiern, eingehüllt in glänzendes Papier, in den Schaufenstern zu sehen. Standen da nicht erst kürzlich noch die Nikoläuse? Morgen, am Ostersonntag, die bunten Nester suchen – eine Riesenfreude für die Kleinen.

Schade finde ich, dass in manchen Familien auch richtig große Geschenke auf dem Wunschzettel stehen und gekauft werden. Ein Roller, ein Smartphone. Der tiefere Sinn des Festes scheint vergessen zu sein. Für mich, zum Beispiel, ist der Auferstehungsgottesdienst immer ein besonderes Erlebnis. Um 3 Uhr 30 aufstehen, natürlich gar nicht so einfach, wenn man Samstag noch bis in die Nacht hinein alles fürs Osterfrühstück vorbereitet hat.

Aber vielleicht hat man sich ja auch schon daran gewöhnt, eine Stunde früher als üblich aufzustehen? Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts würden 73 Prozent der Deutschen die Zeitumstellung am liebsten abschaffen – ich auch! Sogar im EU-Parlament formt sich Widerstand.

Aber für den kleinen Energieaufwand, in aller Herrgottsfrüh zum Kirchgang aufzustehen, wird man belohnt. Und dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob man evangelisch oder katholisch ist. Oder gar keiner Konfession angehört. Man kann die Geschichte um die Auferstehung Jesu auch symbolisch für unseren Alltag sehen, mit allen seinen Herausforderungen: „Aufstehen und sich dem Leben stellen! Nicht liegen bleiben!“

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, was Schwester Christophora vom Kloster-Schloss Zinneberg mit trockenem Humor zum Thema Karwoche sagte: „Da fliegen sie weit weg, sitzen kaum im Flugzeug, da werden sie ausgepackt, die Tablets, die Smartphones mit Flugmodus – kein Gedanke ans Osterfest. Aber dann kommt eine Gewitterwolke, schwupp – und plötzlich gibt es an Bord keinen Atheisten mehr.“ Da kann die Leiterin der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung vom Orden „Guten Hirten“ in Glonn recht haben.

Eine Freude ist, dass unsere bayerischen Bräuche in den letzten Jahren neu belebt – und von der Landjugend begeistert gepflegt werden. Es gibt wohl niemanden, der sich nicht auf den Frühling freut. Kälte und Dunkelheit sind vorbei. Wie Hermann Hesse sagte: „Jedem Anfang liegt ein Zauber inne.“

Vielerorts leuchten heute Abend die Osterfeuer, symbolisch für die Auferstehung. Früher lagen ganze Dörfer im Wettstreit um das höchste Feuer und bewachten es bis zum frühen Morgen. Auch die Asche des Osterfeuers soll spezielle Eigenschaften haben: Bauern verteilen diese an allen vier Enden ihrer Felder, damit sie einen reichen Ertrag bringen.

Osterkerzen, Osterbrot, bunt gefärbte Eier, die geweihten Speisen aus dem Korb – sich am Ostermorgen nach dem Festgottesdienst gemeinsam an den schön gedeckten Frühstückstisch setzen und nach der Fastenzeit zum ersten Mal wieder richtig schlemmen, das ist Genuss pur. Sogar für jene, die behaupten: „Bei uns ist eigentlich immer Ostern. Denn wir suchen ständig etwas.“

Ein frohes gesegnetes Osterfest, wo auch immer Sie es verbringen, wünscht Ihnen

Ihre Carolin

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