UNSERE HEIMATKOLUMNE

Unsere Heimatkolumne Die herrliche Sommerzeit – heute Nacht ist sie auch offiziell vorbei.

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Die herrliche Sommerzeit – heute Nacht ist sie auch offiziell vorbei.

Trotz leiser Wehmut: ein Stündchen länger schlafen können ist auch nicht schlecht. Außerdem verabschiedete sich der goldene Herbst von uns mit kleinen Geschenken. Viel war und ist noch geboten rund ums Reformationsjubiläum. Gestern war die lange Luthernacht, Gemeinden und Einrichtungen der evangelischen Kirche luden ein – zum Mitsingen, zu Inszenierungen in mittelalterlichen Gewändern, zu Filmen und gebackenen Lutherrosen.

„Berge von unten, Kirche von außen, Wirtshäuser von innen“ – wer kennt ihn nicht, diesen echt bayerischen Spruch? Man konnte in den vergangenen Wochen aber auch auf den Giesinger Berg steigen und die Heiligkreuzkirche und die Luther-Kirche von innen besichtigen. Und vielleicht überlegen, was die bayerische Wirtshauskultur und der evangelische Kirchenkaffee gemeinsam haben? „Mei, is des a Kreiz!“ Nein, eigentlich passt doch alles wunderbar zusammen.

Ich fand die vielen Veranstaltungen zu „500 Jahre Reformation“ wunderbar. Unglaublich, was geboten wurde, obwohl München gar nicht zu den Lutherstädten gehört! Stadtteilbesichtigungen vom Feinsten, von der Schwanthalerhöhe bis zum Hasenbergl. Bis Dienstag geht’s weiter mit interessanten Angeboten, bis am 31. Oktober das Reformationsjahr mit einem Festgottesdienst, 10 Uhr, in St. Lukas endet. Die Predigt hält Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, umrahmt vom Dekanatsposaunenchor und vom Posaunenchor St. Markus.

„Am Anfang war das Wort... Luther 2017“, das war das Motto. Wie hätte es auch anders lauten können? Er war ein poetisches Genie, das uns auch viele neue, einzigartige Worte wie zum Beispiel „Denkmal“ sowie Redensarten bescherte, die wir noch heute benutzen. Schon Luthers Zeitgenossen waren von der Kraft seiner unverblümten Reden fasziniert. Die Essenszeit im Hause Luther – wie gerne wäre man dabei gewesen. Nicht nur Ehefrau Katharina, die Kinder, Verwandte, Studenten hingen an den Lippen des verehrten Professors, der nicht – wie aus seiner Mönchszeit gewohnt – schwieg, sondern auf lebhafte Gespräche und Diskussionen setzte.

Der Zwickauer Pfarrer Cordatur fasste sich 1531 als Erster ein Herz und schrieb mit. Bald notierten sich alle Gäste Martin Luthers Gedanken. Es ist eine Kunst, so treffend zu formulieren, dass die Zuhörer und Leser spontan sagen: „So ist es!“ Bei Martin Luther ist es mir oft so ergangen, nicht nur an guten, sondern auch an schlechten Tagen. Sein praktischer Humor ist ebenso großartig wie seine grundlegenden Aussagen zu wesentlichen Fragen des Lebens.

Eigentlich könnte es nicht schaden, sich täglich an einer „Blütenlese“ seiner Tischreden zu erfreuen. Es ist immer etwas dabei, was man gerade brauchen kann. „Von einem guten Wort kann man lange leben!“ Wie wahr! Und mit den Sorgen ist es so wie mit den Vögeln: „Du kannst nicht verhindern, dass sie über deinen Kopf hinwegfliegen. Aber du kannst verhindern, dass sie in deinen Haaren Nester bauen!“ Oder: „Die Lüge ist wie ein Schneeball. Je länger man sie wälzt, desto größer wird sie.“ Oder: „Die Frau soll dafür sorgen, dass ihr Mann gern nach Hause kommt, und er soll dafür sorgen, dass sie ihn nur ungern wieder gehen lässt.“

Luthers Antwort auf eine Frage nach seinem Sehnsuchtsland gefällt mir als Münchnerin besonders gut. „Wenn ich viel reisen sollte, wollte ich nirgendwo lieber denn durch Schwaben und Bayernland ziehen, denn die Menschen sind freundlich und gutwillig, herbergen gern, gehen Freunden und Wanderfreunden entgegen.“ Mehr Aktualität geht nicht. „Unser Nächster ist jeder, der unsere Hilfe braucht.“ So manches Zitat aus seinen Tischreden wird hoffentlich auch nach dem großen Luther-Jahr in uns nachklingen.

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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