UNSERE HEIMATKOLUMNE

Unsere Heimatkolumne Erinnern Sie sich auch noch an Ihr Lieblingskuscheltier?

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Erinnern Sie sich auch noch an Ihr Lieblingskuscheltier?

Ansehnlich war es irgendwann nicht mehr, sondern ganz abgegriffen und sicher nicht mehr blütenweiß. Ein unverzichtbarer Tröster bei aufgeschlagenen Knien oder als Einschlafhilfe im Bettchen. Egal, ob der geliebte Teddybär oder das Puppenkind ein Loch im Kopf oder nur noch ein Auge hatte.

Kuscheln: Da geht es um Wärme, um das Gefühl, nicht alleine zu sein. Dass der „Weltknuddeltag“ im Kalender der amüsanten Feiertage ganz im Zeichen menschlicher Wärme steht, ist kein Zufall: Pfarrer Kevin Zaborney aus Michigan suchte das Datum mit Bedacht aus. Denn die kalendarische Mitte zwischen Weihnachten und dem Valentinstag gilt allgemein als emotionaler Tiefpunkt. Der Lichterglanz ist erloschen, ein Teil der Familie nach den Festtagen längst wieder abgereist, draußen ist es kalt und dunkel. Bis die Tage heller und freundlicher werden, ein Hauch von Frühling durch die Lüfte weht, dauert es noch. Ein echter Durchhänger.

Doch Psychologen und auch Ärzte kennen ein Rezept dagegen: sich gegenseitig öfter mal in den Arm nehmen. Vor allem das Hormon Oxytocin reagiert auf eine Umarmung. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt. Man fühlt sich geborgen und sicher. Mindestens sechs Sekunden sollte der körperliche Kontakt andauern, bewiesen wissenschaftliche Studien. Erst dann seien die Werte messbar.

Den Kopf an eine Schulter legen, lachen oder weinen, Nähe spüren. Ehrenamtliche in Krankenhäusern wissen, wie sehr es Patienten genießen, wenn man an ihrem Bett sitzt und einfach ihre Hand hält. Das tut gut. Natürlich kann man auch gedanklich jemanden „knuddeln“, indem man an ihn denkt.

„Ein Umarmung ist ein ideales Geschenk“, so der Autor Hugo Ball, „die Größe passt jedem, und niemand hat etwas dagegen, wenn man sie weitergibt.“ Wunderbar auch das nepalesische Sprichwort: „Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungslos.“ Sogar Hildegard von Bingen wusste es: „Jede Kreatur hat einen Urtrieb nach liebevoller Umarmung.“ Vor allem Astrid Lindgren warb für Kuscheln: „Man kann in Kinder nichts einprügeln, aber vieles herausstreicheln.“

Zärtliche Zuwendung, in der Generation unserer Großmütter ging man sparsam damit um, „ich kann mich nicht erinnern, dass mich meine Mutter jemals in den Arm genommen hätte“, sagte kürzlich eine Freundin. Respekt vor den Eltern ging auch immer mit körperlicher Distanz einher. An herzliche Umarmungen zwischen Vater und Sohn war schon gar nicht zu denken. Eine alte Bäuerin hat ihre eigene Erklärung für die Kindheit ohne liebevolle Berührungen: „Nach schwerer körperlicher Arbeit fehlte den Menschen früher einfach die Kraft für gegenseitige Zuwendung!“ Zum Glück hat sich das geändert. Vor allem die junge Generation küsst sich durchs Leben. Rechts und links bei jeder Begrüßung.

Umarmungen auf der Straße, früher undenkbar – heute schon ein normales Ritual. Ob es wirklich immer eine „Herzensangelegenheit“ ist, steht auf einem anderen Blatt... Dass der „Weltknuddeltag“ auch kuriose Auswirkungen hat – wen wundert’s? In Madison im Staat Wisconsin witterte ein Unternehmer das große Geschäft: Er eröffnete ein offizielles Kuschelhaus.

Einfach mal in den Arm genommen werden, mit der Welt in Kontakt treten. Allerdings gegen Rechnung. Professionelle „Kuschler“ müssen ein langes Trainingsprogramm absolvieren, um fachkundig fremde Menschen in den Arm nehmen zu dürfen. Kuschelpartys und Massenumarmungen, damit können wir uns gewiss nicht anfreunden. Genauso befremdlich ist es natürlich auch, Menschen in New York zu sehen, die auf einem großen umgeschnallten Schild darum bitten: „Give me a hug“, umarme mich.

Aber am 21. Januar mal wieder daran zu denken, den Fokus auf mehr Zuneigung zu legen, sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen, einen Gast – im wahrsten Sinne des Wortes – mit offenen Armen zu empfangen – das ist doch eine richtig gute Idee.

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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