MEIN DORF – GRASBRUNN

„Unser Dorf verjüngt sich“

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Dorf-Treffpunkt: Anna Wernberger in ihrem Hofladen in Grasbrunn im Kreis München. S. Rossmann

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat.

Anna Wernberger, 31, ist Grasbrunnerin und hat sich einen Traum verwirklicht: Seit fünfeinhalb Jahren führt sie mit ihrer Schwester Julia, 36, zusammen einen Hofladen mit Café.

-Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Hofladen aufzumachen?

Ich bin Immobilienkauffrau und Hauswirtschaftsmeisterin. Ein Teil meiner Meisterarbeit war, eine Produktpalette für einen Hofladen zu entwickeln. Das hat Spaß gemacht. Und weil wir in Grasbrunn echt wenig Einkaufsmöglichkeiten haben – vor ein paar Jahren hat der Feinkost Kugler zugemacht, Bäcker und Metzger gibt es auch nicht –, haben wir die Idee gleich bei uns am Hof verwirklicht.

-Sie haben zwei kleine Kinder (drei Jahre und vier Wochen alt). Ist das nicht viel Arbeit?

Das ist alles eine Frage der Organisation. Wir haben zwar nur Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet, Dienstag und Mittwoch sind wir natürlich auch beschäftigt. Meine Schwester ist mit eingestiegen und wir haben zwölf Mitarbeiter. Es läuft gut.

-Wenn Sie ein Café haben, dann kennen Sie alle Grasbrunner?

Na ja, Grasbrunn wächst und wächst. Inzwischen kennt man nicht mehr alle, die hier wohnen. Aber zu uns kommen viele Mütter mit Kindern, aber auch ältere Leute, und viele machen bei uns Mittagspause. Unsere Dorfwirtschaft, der Grasbrunner Hof, hat nur noch abends auf.

-Können Sie sich vorstellen, woanders zu leben?

Ich mache das sogar. Mein Mann hat in Hart bei Rosenheim einen Bauernhof. Momentan wohnen wir die halbe Woche in Grasbrunn und die andere Hälfte in Hart. Das klappt ganz gut.

-Aber Sie fühlen sich als Grasbrunnerin?

Logisch. Ich bin hier aufgewachsen und fest verwurzelt. Seit zehn Jahren bin ich Maschinistin bei der Feuerwehr, am Anfang als fast einzige Frau, inzwischen sind einige Mädels dabei. Wir haben hier einen Burschenverein, eine Dirndlschaft, die Feuerwehr.

-Was ist so los im Dorf?

Ich mag unser Dorffest, das die Feuerwehr organisiert. Und die Johannifeier vom Burschenverein. Da kommen alle zam. Dadurch, dass immer mehr Familien herziehen, verjüngt sich unser Dorf. Wir haben zwei Spielplätze und einen recht neuen Sportpark.

-Sie reden so schön Bairisch. Ist das normal in Grasbrunn?

Es vermischt sich ganz schön. Die Ur-Grasbrunner reden Bairisch, manche Zugezogene schon auch. Aber viele auch nicht. Im Kindergarten hört man mehr und mehr Hochdeutsch und in der Grundschule in Neukeferloh sollen die Kinder wohl keinen Dialekt mehr sprechen. Das finde ich schade. Meine Tochter Maria redet so schönes Bairisch, das soll sie behalten.

-Vermissen Sie irgendwas in Grasbrunn?

Nein. Grasbrunn ist immer noch ein idyllisches Dorf – und ich mag das Landleben. Nur ein Badesee geht ab. Da müssen wir weiter fahren, an den Steinsee, den Kastensee oder den Feringasee.

Interview: Aglaja Adam

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