Unfalltod von Ramona und Melanie: Im Raserprozess droht Revision

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Daniel R., hier mit seinem Anwalt Harald Baron von Koskull, war erst am 12. November zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. 
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Der Berufungsprozess gegen die beiden BMW-Fahrer, die 2016 den Unfallfahrer in der Miesbacher Straße nicht mehr von der Gegenfahrbahn gelassen haben sollen, endete vor wenige Tagen mit Gefängnisstrafen. Nun will ein Verteidiger das Urteil prüfen lassen. 

Traunstein/Rosenheim/Samerberg – Der Prozess um den Unfall mit zwei getöteten jungen Frauen bei Rosenheim geht womöglich in eine weitere Runde. Der Anwalt eines der beiden zu Gefängnisstrafen verurteilten Autofahrer, Harald Baron von Koskull, legte Revision ein, wie seine Kanzlei am Donnerstag mitteilte. 

Nicht einmal eine Woche vor dem dritten Jahrestag des fatalen Unfalls trifft diese Nachricht die Familien der beiden getöteten jungen Frauen mit Wucht. Kerstin Rüth, Mutter der damals 21 Jahre alten Melanie, bezeichnet die Entscheidung des Anwalts als „nicht nachvollziehbar. Für uns ist das eine nicht enden wollende Katastrophe.“ 

Manuela Daxlberger, deren Tochter Ramona nur 15 Jahre alt wurde, kommentierte nüchtern: „Kein Anwalt verliert eben gerne.“ 

Bis Klarheit herrscht, können viele Wochen ins Land gehen. Sobald das Urteil in schriftlicher Form vorliegt – und für die Abfassung hat Richter Jürgen Zenkel sieben Wochen Zeit – hat von Koskull die Revision zu begründen. Einen Monat hat er dafür Zeit. 

Korrektur des Urteils ist unwahrscheinlich

Derweil geht die Revision ans Revisionsgericht, in diesem Fall das Bayerische Oberste Landesgericht. Es hat, so von Koskull die Revision innerhalb der Frist begründet hat, zu prüfen, ob es an dem Urteil etwas zu beanstanden hat. Dann kann es den Fall ans Landgericht Traunstein zurückverweisen. 

Eine Korrektur des Urteils ist möglich, aber höchst unwahrscheinlich. „Wir werden abwarten, so viele Gedanken mache ich mir da im Moment nicht. Zwei Gerichte haben entschieden und die beiden für schuldig befunden. Die beiden sollen halt einfach mal dazu stehen, was sie getan haben“, sagte Manuela Daxlberger den OVB-Heimatzeitungen.

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„Wir hatten uns so gefreut“, sagte hingegen Kerstin Rüth, „nicht über die Strafen, sondern einfach darüber, dass es endlich zu Ende ist. Dass wir zur Ruhe kommen. Das jetzt ist nicht zum Aushalten.“ 

Bereits in 2. Instanz verurteilt 

Das Landgericht Traunstein hatte den 25-jährigen Autofahrer am Dienstag bereits in zweiter Instanz wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Das waren fünf Monate mehr als in erster Instanz vor dem Amtsgericht Rosenheim.

Für seinen 26 Jahre alten Freund blieb es bei dem Urteil des Amtsgerichts von zwei Jahren und drei Monaten. Beide müssten damit ins Gefängnis. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden jungen Männer aus dem Landkreis Rosenheim einen anderen Autofahrer aus Ulm im November 2016 während eines riskanten Überholmanövers nicht einscheren ließen, obwohl Gegenverkehr bereits in Sicht gekommen war. 

Der Wagen des Ulmers raste frontal in ein Auto mit drei jungen Frauen. Die 21-jährige Melanie und die 15-jährige Ramona starben; Ramonas ältere, damals 19-jährige Schwester Magdalena, überlebte schwer verletzt. Sie war in dem Prozess mit ihren Eltern ebenso Nebenklägerin wie der Vater und die Schwester ihrer getöteten Freundin. Den Ulmer Unfallfahrer hatte das Amtsgericht Rosenheim wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, er akzeptierte das Urteil. 

Respekt vor Verhalten des Unfallfahrers

Auch er und seine Beifahrerin wurden schwer verletzt. Sowohl die Daxlbergers als auch die Rüths hatten dem Ulmer für sein Verhalten Respekt gezollt. Der 25-jährige Klient von Harald Baron von Koskull hatte im Prozess eine Schuld von sich gewiesen. „Ich habe immer schon gesagt, ich wüsste keine Möglichkeit, wie ich den Unfall hätte verhindern können“, sagte er in seinem Schlusswort. 

Melanies Vater Ralf Rüth sehnt sich nach Ruhe: „Warum können die beiden das nicht akzeptieren?

Wir vertrauen auf die Erfahrung von Herrn Zenkel und auf seinen Richterspruch.“ 

Das waren fünf Monate mehr als in erster Instanz vor dem Amtsgericht Rosenheim. Für seinen 26 Jahre alten Freund blieb es bei dem Urteil des Amtsgerichts von zwei Jahren und drei Monaten. 

Beide müssten damit ins Gefängnis. 

Doch die Hinterbliebenen scheinen immer noch keine Ruhe zu finden. 

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