Die unberechenbaren Gefahren des Klimawandels 

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München – Der Klimawandel ist im Hochgebirge schon seit einigen Jahren sichtbar.

Nicht nur im Winter. Die Gletscher der Alpen schmelzen rapide, sagt Rudi Erlacher, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins. „Es gibt Touren, die im Sommer inzwischen nicht mehr möglich sind. Die Hochfeiler Nordwand in den Zillertaler Alpen zum Beispiel ist im Sommer inzwischen schnee- und eisfrei.“ Wenn die Durchschnittstemperaturen weiter steigen, werde in 30 bis 40 Jahren das meiste Eis in den Ostalpen verschwunden sein.

Diese Veränderungen bedeuten für Bergsteiger neue Gefahren, die viele noch nicht wahrhaben wollen, sagt Erlacher. Er erinnert sich an einen tragischen Unfall vor zwei Jahren am Großen Löffler, dem fünfthöchsten Gipfel im Zillertaler Hauptkamm. Ein Mann wurde beim Aufstieg von einem Steinschlag getroffen und kam ums Leben. Eine Gefahr, die weder vorhersehbar, noch kontrollierbar ist, sagt Erlacher. Aber die durch schmelzende Gletscher und zurückgehenden Dauerfrost häufiger wird, prognostiziert er. „Die Gefahren nehmen zu. Vielen Bergsteigern ist das noch nicht bewusst.“

Eis und Frost haben das Gelände im Gebirge stabilisiert. Durch die Erwärmung fallen Wanderwege weg. Sie werden von Murenabgängen verschüttet oder müssen gesperrt werden. In Gefahr sind Bergsteiger vor allem dort, wo Schutt Gletscherreste verdeckt. Das Geröll kann leicht ins Rutschen geraten, der Aufstieg wird immens gefährlich – doch das Risiko ist für die Bergsteiger nicht sichtbar.

Auch einigen Berghütten verursacht der Klimawandel Probleme. Erlacher hat ein Beispiel: Das 1937 erbaute Hochwilde-Haus im Ötztal stand jahrzehntelang stabil auf einer Moräne am Rande des Gletschers. Doch der Permafrost geht zurück, das Fundament der traditionsreichen alten Hütte hat Risse bekommen, die Fassade musste provisorisch stabilisiert werden. Doch das reicht nicht. „Auf Dauer ist der Platz nicht haltbar“, sagt Erlacher. Der Alpenverein plant, die Hütte abzureißen und 200 Meter weiter einen Ersatzbau zu errichten. Im Hochgebirge kostet das etwa 2,5 bis 3,5 Millionen Euro. Katrin Woitsch

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