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Kolumne einer Ukraine-Geflüchteten

„Heimweh wird jeden Tag stärker“: Wird Natalia (27) ihre Eltern jemals wiedersehen?

Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Hier berichtet sie ihre Erfahrungen.
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Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Hier berichtet sie ihre Erfahrungen.

Natalia Aleksieieva flüchtete mit Hilfe zweier Rosenheimer aus dem Ukraine-Krieg von Odessa nach Bayern: In ihrer Kolumne berichtet sie in unregelmäßigen Abständen über ihr neues Leben in bei uns und Nachrichten aus der Heimat.

Der Krieg in der Ukraine dauert schon 65 Tagen. In der letzten Kolumne schrieb ich, dass Odessa nicht bombardiert wird, Gott bewahrt uns. Am nächsten Tag aber, am Vorabend des orthodoxen Osterfestes, bombardierten russische Truppen Odessa mit sechs Marschflugkörpern. Unsere Flugabwehr hat den Angriff nicht abgewehrt und hat nur zwei Raketen abgeschossen. Zwei Raketen trafen ein Wohnhaus und verursachten Zerstörung und Tod, zwei trafen eine militärische Einrichtung. Acht Menschen starben, 20 wurden verletzt. In nur einem Augenblick starben drei Generationen – eine Großmutter, eine Mutter und eine drei Monate alte Enkelin, die in diesem Haus lebten. Der Mann hatte Glück, am Leben zu sein, da er zu dieser Zeit zum Lebensmittelgeschäft ging. Raketenfragmente landeten auch auf dem Stadtfriedhof. Jetzt gibt es dort einen riesigen Trichter und ringsherum zerstörte Denkmäler und Zäune…

Diese Woche ist Odessa jeden Tag unter Beschuss. Am Dienstag wurde eine Brücke über die Dnister-Mündung durch einen Raketenangriff beschädigt. Es liegt ganz in der Nähe des Hauses, in dem meine Eltern leben. Wegen des Beschusses bauten sie die Grube in der Garage in einen Bunker um und gehen dort während des Luftangriffs hinunter. Jeden Tag telefoniere ich mit ihnen und fürchte, dass dies unser letztes Gespräch sein könnte. Das macht es unerträglich für mich. Fotos von blühenden Tulpen aus meinem heimischen Vorgarten, die mir meine Eltern regelmäßig im Chat schicken, gefallen mir nicht mehr so wie früher. Werde ich diese Blumen jemals wiedersehen – nicht auf einem Foto, sondern im wirklichen Leben? Werde ich meine Eltern jemals wiedersehen? Das Heimweh wird jeden Tag stärker.

Der Osternachtgottesdienst in vielen ukrainischen Kirchen wurde hinter verschlossenen Türen und ohne Gemeindemitglieder abgehalten. Ich verbrachte die Nacht vor der Auferstehung Christi in der katholischen Kirche, die einen orthodoxen Ostergottesdienst hielt. In der Ukraine war ich in dieser Nacht immer bis zum Morgen wach. So ist die Tradition. Diese Mal habe ich die ganze Nacht gebetet, dass Frieden in unser Land kommt, dass die Menschen aufhören zu leiden und dass meine Eltern am Leben bleiben. Es sollte im 21. Jahrhundert keine Raketenangriffe, verminte Strände, Artilleriebeschuss, Luftangriffe mehr geben.